Ausflugstipp Eiffelturm im Harz: Der lange Weg des Josephskreuzes bei Stolberg

Auf der Josephshöhe des Großen Auerbergs bei Stolberg befindet sich das Josephskreuz. Der 38 Meter hohe Aussichtsturm im Harz ist weltweit einmalig. 1896 wurde er durch die Braunschweiger Dampfkessel- und Gasometerfabrik nach dem Vorbild des Pariser Eiffelturms errichtet. 200 Stufen führen zur Spitze, von der man bei gutem Wetter einen einzigartigen Blick zum Brocken, zum Inselsberg oder zum Kyffhäuser hat.

Josephskreuz 16 min
Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Gemeinsam mit dem Stolberger Ortsbürgermeister Ulrich Franke geht es Stufe für Stufe in die Höhe. Bis zur Aussichtsplattform des Josephskreuzes auf dem Großen Auerberg bei Stolberg im Unterharz. Das Wetter spielt mit, und man blickt über den gesamten Harz und das Kyffhäusergebirge. Beim Josephskreuz handelt es sich um eine architektonische Besonderheit, denn im Grunde müsste es Josephsdoppelkreuz heißen.

Viele, die vor der Eisenkonstruktion auf dem Großen Auerberg stehen, dürften sich indes an ein anderes, weltberühmtes erinnert fühlen: "Das ist so ähnlich gebaut wie der Eiffelturm. Viele sagen auch, das ist der kleine Eiffelturm", erklärt Bürgermeister Franke.

Ein Koloss aus Eisen bei Stolberg

"Der Turm wiegt 125 Tonnen, misst vom Grunde bis in die Spitze 40 Meter. Die obere Plattform ist in 38 Meter Höhe. 200 Stufen – mit den Steinstufen gerechnet – führen nach oben und etwa 100.000 Nieten halten den Turm zusammen", verrät Dieter Hohmann, Experte für das Josephskreuz. Er kennt sich nicht nur in der langen Geschichte der Eisenkonstruktion aus, ihm sind auch die Vorläufer vertraut.

Das Josephskreuz im Harz ist ein Aussichtsturm auf der Josephshöhe Großer Auerberg bei Stolberg im Gebiet der Gemeinde Südharz
38 Meter hoch und 125 Tonnen schwer: Das Josephskreuz Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

Bereits im 17. Jahrhundert stand hier ein Turm – und zwar bis 1768. Dann musste er abgerissen werden. So rückte Joseph Christian Ernst Ludwig Graf zu Stolberg-Stolberg in den Fokus. Der wollte wieder einen Turm auf dem Berg – einen Turm, der gleichzeitig Gott ehren soll. Der Graf versicherte sich der Dienste eines wahrlich namhaften Baumeisters: Karl Friedrich Schinkel machte sich an die Konstruktion. Schinkel habe die Doppelkreuzform gewählt, um zu gewährleisten, dass der Turm aus jeder Richtung auch als Kreuz erkennbar sei, erklärt Hohmann. So wurde 1834 ein Holzdoppelkreuz eingeweiht. Es erhielt den Namen des Grafen: Josephskreuz.

Erklärtes Vorbild: Der Eiffelturm in Paris

Das Josephskreuz auf dem Auerberg im Südharz bei Stolberg (Sachsen-Anhalt)
Etwa 100.000 Nieten halten das Kreuz zusammen. Bildrechte: dpa

Doch es ist nicht für die Ewigkeit gebaut. Im Juni 1880 tobten schwere Gewitter und das Josephskreuz, damals noch eine Holzkonstruktion, wurde vom Blitz getroffen und brannte teilweise aus. So ging das Holzdoppelkreuz den Weg alles Irdischen – und es bestand erneut Turmbedarf. Finanziert wurde das Bauwerk durch das Fürstenhaus und den Harzklub. Beim neuen Turm auf dem Großen Auerberg orientierte man sich sowohl an dem Vorläufer – das Doppelkreuz ist Pflicht – wie an einem sehr populären, über 300 Meter hohen und 1889 eröffneten Eisenfachwerkturm, der in Paris die Leute magisch anzieht: den Eiffelturm.

Christian Resow, Mitarbeiter in der Harzklub-Geschäftsstelle, erklärt: "Gerade das junge deutsche Kaiserreich war erpicht, seine Überlegenheit auf vielen industriellen Sektoren zu zeigen, und man hat gesagt: was man in Paris im großen Maßstab kann, das können wir hier in der 'Provinz' auch im kleinen Maßstab. Diese Bauweise war das modernste, was es damals gab."

Ein wichtiges Zeichen für den Harz

Die Aufstellung des Harzer Eiffelturm-Verwandten übernahm eine Braunschweiger Firma: die Dampfkessel- und Gasometerfabrik, vormals A. Wilke & Co. In erstaunlich kurzer Zeit: Im April 1896 erfolgte die Grundsteinlegung und am 9. August schon die Einweihung. Die Einweihungsfeier war ein großes gesellschaftliches Ereignis, und Fürst Alfred zu Stolberg-Stolberg empfahl das eiserne Josephskreuz dem "Schutz aller Gutgesinnten". Zudem bringt er noch heute seine Hoffnung zum Ausdruck:

Das 1896 eingeweihte Josephskreuz gilt als größtes eisernes Doppelkreuz der Welt. Es steht auf dem Großen Auerberg im Harz.
Vom Kreuz konnte und kann man den Harz überblicken. Bildrechte: dpa

… dass das Werk selbst vielen Menschen zur Freude und der geliebten Harzheimat zur Zierde und zum dauernden Segen gereichen möge.

Fürst Alfred zu Stolberg-Stolberg

Beliebtes Ausflugsziel im Harz

Das Josephskreuz auf dem Auerberg im Südharz bei Stolberg (Sachsen-Anhalt)
Gerne wird das Josephskreuz auch "kleiner Eiffelturm" genannt. Bildrechte: dpa

Tatsächlich bringt es den Menschen Freude. Schon im ersten Jahr lockte das Josephskreuz 45.000 Besucher an. Doch das ist nicht seine einzige Aufgabe. Ortsbürgermeister Ulrich Franke erzählt, dass es auch wirtschaftlich genutzt wurde. Ganz oben war eine Holzbude aufgebaut und dort habe rund um die Uhr jemand gesessen und den Wald beobachtet – weil Brandgefahr immer bestand.

Den Wald beobachten, das kann man heute noch, und man sollte es sich gönnen. Nicht, um nach nach Bränden Ausschau zu halten, sondern als Wanderer, der einen Turm mit Doppelkreuz besteigen will, der an den Eiffelturm erinnert.    

Mehr Ausflüge in Sachsen-Anhalt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. August 2021 | 16:10 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei