Sanierungspläne der Klassik Stiftung Weimar Goethe-Haus soll für zwei Jahre geschlossen werden

Die Klassik Stiftung Weimar hat bei ihrer Jahrespressekonferenz die wichtigsten Projekte vorgestellt. So soll das Goethe-Wohnhaus saniert und für zwei Jahre geschlossen werden. Eine Mammutaufgabe ist auch die Sanierung des vierflügeligen Stadtschlosses. Zudem gibt es das Themenjahr unter dem Motto "Neue Natur", für das unter anderem ein Schleimpilz am Schiller-Museum angebracht werden soll. MDR KULTUR begleitet das Themenjahr mit Debatten unter dem Titel "Weimarer Kontroversen", für die beispielsweise Luisa Neubauer oder Susan Neiman im Gespräch sind.

Auch die Museen der Klassik Stiftung Weimar liegen gerade im Corona-Winterschlaf, etwa das Bauhaus-Museum oder das Schillermuseum. Dennoch gibt es jede Menge zu tun. Vor allem, weil verschiedene bauliche Großprojekte vorangetrieben werden. Diese sind das "Goethe-Ensemble" sowie das Stadtschloss von Weimar.

Grundsanierung im Goethe-Wohnhaus

Das Goethe-Ensemble ist der Verbund an Gebäuden mitten in der Innenstadt, die einen historischen Garten umschließen. Dazu gehört vor allem das historische Wohnhaus von Goethe, das nun grundhaft saniert werden soll. Böse Überraschungen werden dabei jedoch nicht erwartet, denn das Gebäude ist über die Jahre durchaus in Schuss gehalten worden. Innerhalb von zwei Jahren soll das über die Bühne gebracht werden, so dass das Wohnhaus voraussichtlich von 2026 bis 2028 geschlossen bleiben wird.

Das sogenannte Goethewohnhaus am Frauenplan in Weimar, links im Bild der Eingang zum Goethe-Nationalmuseum
Das Goethe-Wohnhaus am Frauenplan in Weimar, links der Eingang zum Goethe-Nationalmuseum Bildrechte: MDR/Sebastian Großert

Neue Dauerausstellung im Nationalmuseum

Vorher soll aber noch im Jahr 2025 im angrenzenden Goethe-Nationalmuseum eine neue Dauerausstellung eröffnet werden. Dementsprechend macht man sich jetzt gerade daran, zu überlegen, was eigentlich eine zeitgemäße Vermittlung von Goethes Wirken ist. Wie blicken wir heute auf dieses Universalgenie und wie bereitet man das vor allem so auf, dass es für alle spannend ist?

Das ist keine einfache Aufgabe, denn das Publikum des Museums ist extrem divers. Es kommen einerseits die Leute hin, die ihren Goethe quasi in- und auswendig kennen. Andererseits werden auch am laufenden Band Schulklassen durchgeschleust, die den Besuch ebenso als Bereicherung erfahren sollen.

Daraus ergeben sich für die neue Projektleiterin Petra Lutz ganz verschiedene Herausforderungen, wie sie bei der Jahrespressekonferenz erklärt hat: "Vielleicht lautet die Frage nicht, wie bringt man das Haus in Bewegung, sondern wie bringt man seine Besucherinnen in Bewegung. Also, in welcher Haltung wollen wir eigentlich, dass die Besucherinnen und Besucher durch das Haus gehen: eher anschauend oder eher forschend? Eher im Empfangsmodus oder auch kommentierend, debattierend? Das sind alles konzeptionelle Fragen, die man sich stellen muss." Da geht es beim Goethe-Nationalmuseum jetzt in die kreative Planungsphase.

Mammutprojekt Stadtschloss

Das Weimarer Stadtschloss ist das zweite Großprojekt, das die Klassik Stiftung auf Trab hält. Die ehemalige Residenz der Herzöge von Sachsen-Weimar und Eisenach muss grundlegend instandgesetzt werden, und diese Sanierung läuft schon ein paar Jahre. Dennoch gibt es noch sehr viel zu tun. Die Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, Ulrike Lorenz, hat es nun gewagt, eine Zeitschiene zur Wiedereröffnung vorzugeben: Demnach sollen 2030 alle vier Flügel des Schlosses wieder zugänglich sein. Anhand dieses Zeitrahmens kann man sich vorstellen, welche Größe das Schloss hat, das am Rande der ja sehr kleinteiligen Innenstadt steht.

Das Stadtschloss bzw. Residenzschloss von Weimar
Das Stadtschloss bzw. Residenzschloss von Weimar Bildrechte: MDR/Sebastian Großert

Parallel zur Sanierung ist man auch dabei zu erarbeiten, womit die vielen Räume des imposanten Schlosses eigentlich gefüllt werden sollen. Präsidentin Lorenz hat den aktuellen Planungsstand skizziert: "Wir haben vier Flügel und widmen diese Flügel jeweils unterschiedlichen Hauptnutzungen, und demzufolge auch vier unterschiedlichen Zielgruppen. Dahinter steht der große Wunsch – oder Gedanke – dieses Schloss mittels Programm, mittels Bildung und Diskurs als ein Bürgerforum zu begreifen. Das gesamte Schloss sozusagen der Bürgerschaft zu widmen. Und mit einer Vielzahl von Angeboten das Schloss immateriell zu öffnen."

Demnach sollen in die vier Flügel ein Bildungsflügel, ein Stiftungsflügel, ein Galerieflügel und ein Residenzflügel einziehen. Die letzten beiden Begriffe deuten darauf hin, dass es natürlich auch weiterhin die klassischen Elemente im Schloss geben wird: die Weimarer Kunstsammlungen und die Graphischen-Sammlungen sollen dort präsentiert werden. Man will sich keineswegs komplett von diesen klassischen Wurzeln lösen.

Themenjahr "Neue Natur"

Mit dem Motto "Neue Natur" für ihr Themenjahr 2021 hat die Klassik Stiftung alles richtig gemacht – und das, obwohl es schon vor Corona feststand. Unter dem Stichwort wird dem Verhältnis von Mensch und Natur nachgespürt. Im Park an der Ilm wird dafür ein Grünes Labor eingerichtet, eine Art Treffpunkt für Musik, für Vorträge, für geleitete Spaziergänge. Auch wird es eine Indoor-Ausstellung im Schiller-Museum geben – mit dem kontroversen Titel "Ich hasse die Natur". So ungewöhnlich der Ausstellungstitel, so besonders auch die Aufbereitung, die schon in der Außenhaut des Schiller-Museums anfangen wird, wo ein Schleimpilz eingepflanzt werden soll. Stiftungs-Präsidentin Lorenz beschreibt das Vorhaben:

Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar
Ulrike Lorenz Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Wir werden da als Kontrapunkt zu unseren idyllischen kulturhistorischen Park- und Gartenlandschaften tatsächlich das problematische Verhältnis zur Natur, das Verhältnis zur eigenen Vergänglichkeit, das gefühlte Zurückschlagen der Natur gegen die Zerstörungen des Menschen, der sich zum Herrscher der Natur aufgeworfen hat, thematisieren.

Ulrike Lorenz zur geplanten Ausstellung "Ich hasse die Natur"

Im letzten Kapitel der Ausstellung sollen sich die Besuchenden dann mit der Frage auseinandersetzen, wie wir alle gemeinsam unsere Zukunft gestalten sollen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. Februar 2020 | 16:10 Uhr

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