20 Jahre Weihe Wie Kloster Volkenroda zur neuen Heimat für die Expo-Kirche wurde

Der Kirchen-Pavillon im Kloster Volkenroda zog auf der Weltausstellung Expo 2000 mehr als 1,8 Millionen Besucher an. Auch in seiner zweiten Heimat in Thüringen fasziniert er bis heute: Rund 40.000 Menschen pilgern oder wandern alljährlich für den Kubus in das Dorf im Unstrut-Hainich-Kreis. 20 Jahre nach der Weihe spielt der riesige Pavillon aus Stahl, Beton und Glas eine wichtigere Rolle denn je: seit der Corona-Pandemie kann die einstige Sommerkirche das ganze Jahr über für Gottesdienste und Konzerte öffnen.

Der Christus-Pavillon in Volkenroda spiegelt sich am Donnerstag (17.02.2011) in einer Wasserfläche.
Der Christus-Pavillon in Volkenroda wurde einst für die Expo 2000 in Hannover errichtet und steht nun seit 20 Jahren in der thüringischen Klosteranlage.  Bildrechte: dpa

Ein Kubus aus Stahl und Glas, ohne Turm und Heizung: Die Expo-Kirche 2000 ist vom Architekten Meinhard von Gerkan entworfen worden. Seit 20 Jahren steht sie auf dem Klostergelände unweit der 900 Jahre alten Klosterkirche und spiegelt sich im Teich.

Ulrike Köhler von der Jesus-Bruderschaft erinnert sich genau an den Umzug, der allein zehn Monate gedauert hat: "Nach der Expo 2000 in Hannover ist der Kubus in Einzelteile zerlegt und nach Thüringen gebracht worden." Am Ortsrand sei extra eine Schotterstraße für die großen Transporter entstanden. Die größte Herausforderung ist die Lagerung der Teile gewesen. Die ersten in Hannover abgebauten Teile seien die letzten gewesen, die beim Wiederaufbau in Volkenroda gebraucht wurden.

Pavillon seit der Corona-Pandemie ganzjährig genutzt

Blick in den Christus Pavillon. In diesem Jahr wird der 20. Jahrestag des Christus-Pavillon in Volkenroda gefeiert.
In Corona-Zeiten bietet der Pavillon ausreichend Platz. Bildrechte: dpa

Die zwischenzeitlich fragliche Finanzierung des Umzuges ist vom Land Thüringen kurzfristig mit einem zweistelligen Millionen-Betrag ermöglicht worden. Damit ist die alte Klosteranlage wieder vollständig geworden, blickt Klosterpfarrer Albrecht Schödl auf das Jahr 2001 zurück: "Wir hatten kein Langhaus und keinen Kreuzgang. Das haben wir mit dem Christus-Pavillon wieder bekommen". In Corona-Zeiten sei im Pavillon viel Platz. Erstmals konnte 2020 Weihnachten und 2021 Ostern hier gefeiert werden. Mit "einem Stück Sicherheit", so Schödl.

Pfarrer Albrecht Schödl steht im Christus-Pavillon in Volkenroda im Kreuzgang 9 min
Bildrechte: dpa
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Albrecht Schödl ist evangelischer Klosterpfarrer im Kloster Volkenroda. Er kennt besonderen Qualitäten eines Ortes, der Menschen hilft, zu sich selbst zu finden.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 07.08.2020 18:00Uhr 09:05 min

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Glasfenster lassen sich als Kunst am Bau entdecken

Innenansicht des Klosters Volkenroda (Christus-Pavillon)
Die Glasfenster sind mit Materialien wie Zahnbürsten oder Kassetten gefüllt. Bildrechte: Jesus Bruderschaft Kloster Volkenroda/Kloster Volkenroda

Die ursprüngliche Sommerkirche wird seit der Corona-Pandemie ganzjährig genutzt. Mit Decken und Heizstrahlern. Der Gebetsraum bietet fünf Mal so viel Platz wie die Klosterkirche. Vor fünf Jahren sind die ersten Reparaturen notwendig geworden. Das Dach, der Fassadenanstrich, die Elektrik und die Tontechnik mussten erneuert werden. Seit 2020 sind auch die außergewöhnlichen Füllungen in den Glasfenstern des modernen Kreuzganges ausgetauscht beziehungsweise neu gestapelt worden.

Das Kunstwerk aus Zahnbürsten, Teesieben, Naturmaterialien, Löffeln, CDs, Kassetten und weiterem Füllmaterial kann immer wieder neu entdeckt werden. "Am schönsten ist die Licht-Schatten-Wirkung im Pavillon bei Sonnenlicht", sagt Ulrike Köhler. Dafür sei im Sommer die beste Zeit.

Expo-Kirche zieht bis heute Touristen und Gläubige an

Der Christus-Pavillon wird in einem Reiseführer mit dem Titel "100 Kirchen, die man gesehen haben muss" vom St. Benno-Verlag zu den bemerkenswertesten Kirchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gezählt. "Das bringt viele Leute zu uns", sagt Ulrike Köhler. Wie auch die Christus-Wallfahrt Ende April und Anfang Mai, zu der Menschen zu Fuß, mit dem Traktor, Fahrrad und dem Auto kommen.

Klosterkirche Volkenroda
Die Expo-Kirche zählt zu den 100 Kirchen, die man gesehen haben muss. Bildrechte: imago/Karina Hessland

Informationen Kloster Volkenroda
Amtshof 3
99998 Volkenroda

Mit dem Auto erreicht man das Kloster über das Navigations-Ziel "Gutshof 1" in "99998 Körner Volkenroda".

Der nächste Bahnhof ist Mühlhausen/Thüringen. Mit dem Fahrrad bietet sich der Unstrut-Werra-Radweg für die Anreise an. Zum Pilgern gibt es verschiedene Wanderwege.

Öffnungszeiten:
Montag bis Samstag von 8:30 bis 12 Uhr und 13 bis 18 Uhr
Sonntag von 8:30 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr

Das Kloster Volkenroda ist nach der Weihnachtsruhe ab dem 7. Januar 2022 wieder für Besucher und Besucherinnen geöffnet.

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 26. Dezember 2021 | 19:00 Uhr