Buga-Außenstandort bei Weimar Buga-Außenstandort: Warum die Holzdorfer Gemälde heute in St. Petersburg hängen

Das Landgut Holzdorf bei Weimar ist ein Rittergut mit über 700-jähriger Geschichte und ein Außenstandort der Bundesgartenschau 2021. Vor etwas mehr als 100 Jahren kaufte es der Industrielle Otto Krebs und ließ den heutigen Landschaftspark anlegen. Krebs war auch Kunstliebhaber, besaß Gemälde bedeutender Künstler, darunter Monet, Van Gogh und Cezanne – doch die hängen heute in der Eremitage in St. Petersburg. Wie es dazu kam und warum heute die Inklusion eine wichtige Rolle für Holzdorf spielt, hat MDR KULTUR-Thüringen-Korrespondentin Mareike Wiemann herausgefunden.

Landgut Holzdorf
Das Landgut Holzdorf aus der Luft betrachtet Bildrechte: Peter Hansen

Etwa 700 Jahre ist das Rittergut Holzdorf alt, es liegt nur einen Steinwurf von Weimar entfernt. Der Großindustrielle Otto Krebs, der durch die Entwicklung der Heizkesselanlagen reich geworden ist, kaufte das Landgut im Jahr 1917. Kleine Rittergüter zu kaufen, war zu dieser Zeit unter den Industriellen en vogue, weiß Benjamin Egerer vom Landgut Holzdorf, weil durch den Krieg Lebensmittelknappheit geherrscht hat. Holzdorf wurde zum Sommersitz von Krebs. Hier konnte er auch seine Technikbegeisterung ausleben:

Das war damals noch die Zeit, da ist man mit einem Stier über das Feld geackert. Und Krebs hatte umgebaute Panzer, dampfbetriebene Ackermaschinen. Er war ein bereister Mensch und er war nicht nur kunstaffin und total speziell – sondern auch ein Technikfreund.

Benjamin Egerer

Gerade mal sechs Wochen verbrachte Krebs jedes Jahr hier. Doch auch für diese kurze Zeit wurde keine Mühe gescheut. Alles hatte perfekt zu sein in diesem Landschaftspark, der von Gartenarchitekt Franz Wirtz im Sinne der Frühen Moderne angelegt wurde. 40 Gärtner kümmerten sich um das Anwesen.

Landgut Holzdorf
Der Park von Holzdorf Bildrechte: Tristan Vostry

Künstliche Bergwelt

So entstand etwa ein weitläufiges Alpinum, mit riesigen Gesteinsbrocken, die aus der Umgebung auf abenteuerliche Weise herangeschafft wurden. Am Zustand des Alpinums kann man heute gut erkennen, dass seitdem viel Zeit ins Land gegangen ist. Viele der einst importierten Pflanzen sind wieder eingegangen. Nur manche, wie Farne und Christrosen, wuchern wild. Der üppige Rosengarten, der einst angelegt wurde, ist verschwunden, ebenso wie der Begoniengarten und der Staudengarten.

Alpinum in Holzdorf
Das Alpinum in Holzdorf Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Bedeutende Kunstsammlung

Und auch zahlreiche Skulpturen, die bis Ende des Zweiten Weltkriegs den Park zierten, sind weg, etwa die Plastik "Das eherne Zeitalter" von Rodin. Denn Krebs besaß eine bedeutende Kunstsammlung, auch mit vielen Gemälden, die er im Landgut aufbewahrte.

Diese verschwand nach dem Krieg, wie Egerer zu berichten weiß: "Als der Krieg vorbei war, waren kurz die Alliierten hier. Und danach dann die Sowjetarmee. Die haben ein paar Jahre hier residiert und keiner wusste so richtig, was mit der hochbedeutenden Kunstsammlung passiert ist. die haben die natürlich mitgenommen. Das ist so ein richtiger Kriminalfall entstanden. Im Verwaltergebäude ist der ganze Keller ein Tresor. Der belüftet war. Und darin wurden die Kunstwerke gelagert."

Die Gemäldesammlung Krebs, darunter Werke von Monet, Van Gogh, Cezanne, befindet sich heute fast vollständig in der Eremitage in St. Petersburg. Die Skulpturen sind in alle Welt versteigert worden.

Zwei Repliken von Paul Cézanne - "Fünf Badende" und ein Selbstbildnis. Zwei Bilder hängen an der Wand. Links ein Bild von fünf nackten Menschen, teils stehend, teils im Wasser, teils sitzend. Rechts das Porträt eines älteren Herren ohne Haupthaar.
Für eine Ausstellung fertigten Petersburger Künstler Repliken der Gemälde an, die einst im Original in Holzdorf hingen. Bildrechte: MDR/Björn Pollok

Um diese Geschichte und viele weitere zu erzählen, hat man in Holzdorf einen äußerst informativen Audioguide erarbeitet. mit diesem kann man GPS-geführt auch durch den Park gehen und sich Runden vorschlagen lassen, so Landgutleiterin Bettina Schmidt von der Diakoniestiftung Weimar-Bad Lobenstein. Wichtig war den Machern, dass man mit der App auch Originalbeiträge von damals, Originalbilder zu Erzählungen von heute erhält.

Heute ein Ort der Inklusion

Landgut Holzdorf
Park Holzdorf Bildrechte: BUGA Erfurt 2021 gGmbH

Auf dem Landgut Holzdorf wird Inklusion lebendig gelebt und gestaltet. So gibt es hier keinen festangestellten Gärtner, stattdessen kümmern sich Menschen mit Behinderung um das weitläufige Gelände.

Benjamin Egerer, Fachbereichsleiter für Integrationsmanagement, koordiniert die Arbeiten in Holzdorf und sagt, man versuche nach und nach die historischen gartengestalterischen Besonderheiten des Ortes herauszuarbeiten – und sich so dem Erbe von Krebs zu nähern, das dieser in Holzdorf hinterlassen hat.

So laufen in Holzdorf zwei Dinge parallel: man kümmert sich um den verwunschenen Park, in einer eigenen, inklusiven Geschwindigkeit. Und erforscht gleichzeitig die Geschichte dieses besonderen Ortes. Ein Ort, der seine Blüte als Sommersitz eines Großindustriellen erfuhr – und nun für alle da ist.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Juni 2021 | 10:10 Uhr

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