Zweiter Versuch Meißen will mit seinem Porzellan Unesco-Weltkulturerbe werden

Meissener Porzellan
Bei der Bewerbung um den Titel Unesco-Weltkulturerbe hat die Stadt Meißen diesmal die Porzellanherstellung in den Fokus gestellt. Bildrechte: dpa

Die für ihr Porzellan international bekannte Stadt Meißen will in einem zweiten Anlauf Unesco-Weltkulturerbe werden. Wie die Stadt am Montag mitteilte, seien die Bewerbungsunterlagen bereits Ende März an das Ministerium für Regionalentwicklung übergeben worden. Die Bewerbung mit dem Titel "Die Stätten des Meissener Porzellans" sei ein "echtes Gemeinschaftsprojekt", hieß es seitens der Stadt. Mit vereinten Kräften hätten die Stadt Meißen, die Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen, die Meissen Porzellan-Stiftung und die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten die Bewerbung um den Titel Unesco-Welterbe auf den Weg gebracht.

Meißens Bewerbung im zweiten Anlauf

Bereits 2012 hatte sich die sächsische Kreisstadt an der Elbe erfolglos um den Titel Weltkulturerbe beworben. Im zweiten Versuch fokussiert sich Meißen nun auf seine Porzellanmanufaktur und deren Einfluss auf die europäische Porzellanherstellung: "Als erste und älteste ihrer Art in Europa hat sie die technologischen und gestalterischen Maßstäbe für alle nachfolgenden Porzellanmanufakturen gesetzt", bekräftigt Manufaktur-Geschäftsführer Tillmann Blaschke. Auch Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke betont die internationale Bedeutung der Porzellanmanufaktur Meissen: "Mit der Erfindung des Porzellans wurde auch die Technologie nach Europa getragen. Viele Prozesse, die dann in den 250 euopäischen Porzellanmanufakturen zur Anwendung kamen, sind hier entstanden."

Porzellan – das ist kein Museumsgut, sondern noch heute eine angesagte Substanz, aus der man nicht nur Tisch und Tafel, sondern auch Kunst kreieren kann!

Olaf Raschke, Meißens Oberbürgermeister
Blick auf die Altstadt von Meißen mit der Albrechtsburg im Hintergrund und der Elbe im Vordergrund.
Blick auf die Altstadt von Meißen mit der Albrechtsburg im Hintergrund. Bildrechte: imago images/Steffen Unger

Auch die Albrechtsburg steht im Zentrum der Bewerbung Meißens um den begehrten Titel. 1710 wurde in dem heutigen Architekturdenkmal die erste Porzellanmanufaktur Europas gegründet. Die Höhenburg im spätgotischen Stil ist schon jetzt ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention.

So funktioniert das Verfahren

Der Freistaat Sachsen hat für die Auswahl der sächsischen Vorschläge ein mehrstufiges Verfahren entwickelt: Den Interessenbekundungen durch die Bewerber folgen Beratungen, Prüfungen und zuletzt eine abschließende Bewertung. Bevor es jedoch zur Festlegung einer finalen deutschen Bewerberliste und deren Vorlage bei der UNESCO im Februar 2024 kommt, werden die Vorschläge zunächst in einem Evaluierungsverfahren durch einen internationalen Fachbeirat geprüft. Nach Angaben des Landesamtes für Denkmalpflege in Sachsen wurden bis zum Ablauf der Bewerbungsfrist Ende März 2021 drei weitere Bewerbungen eingereicht, über die das Landesamt vorerst jedoch keine Auskunft gibt.

Unesco-Welterbe in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Mit der Anerkennung zum Unesco-Welterbe geht die Verpflichtung einher, das Welterbe zu schützen, zu erhalten und an zukünftige Generationen weiterzugeben. Aktuell verzeichnet die Welterbeliste 1121 Stätten in 167 Ländern. Mit derzeit 46 Welterbestätten gehört Deutschland zu den Ländern mit den meisten Eintragungen. In Sachsen befinden sich mit dem Muskauer Park und der Montanregion Erzgebirge zwei grenzübergreifende Welterbestätten. Auch das Bauhaus und die Lutherstätten in Sachsen-Anhalt sowie die Wartburg und das Klassische Weimar in Thüringen gehören zum Weltkulturerbe.

Albrechtsburg und Dom in Meißen an der Elbe.
Blick auf Albrechtsburg und Dom in Meißen Bildrechte: imago images/Vitalii Kliuiev

Unesco-Welterbe in Mitteldeutschland

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur Kompakt | 13. April 2021 | 06:30 Uhr

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