Eröffnung im September Niemeyer-Kugel: Neues Architektur-Highlight in Leipzig

Andreas Höll
Bildrechte: MDR/Hendrik Kirchhof

Die Kirow-Werke im Leipziger Stadtteil Lindenau haben einen neuen, spektakulären Anbau: die sogenannte Niemeyer Sphere, eine Kugel aus Glas und Beton, die auf eine Ecke des alten Backstein-Gebäudes gesetzt wurde. Die Event-Location mit Restaurant ist nach den Plänen des brasilianischen Star-Architekten Oscar Niemeyer entstanden.

Die neue Niemeyer Sphere ist an das Dampfkesselhaus auf dem Gelände des Kranbauers Kirow in Leipzig gebaut. 7 min
Bildrechte: Margret Hoppe

Als die Arbeiten für den aufsehenerregenden Bau 2017 begannen, konnte man den Eindruck gewinnen, eine UFO-artige Betonkugel schwebe gewissermaßen auf dem Dach einer altehrwürdigen Industriehalle. Doch jetzt, nach der Fertigstellung, hat die Kugel regelrecht angedockt an die obere Ecke des roten Backsteinbaus. Sie wirkt wie ein gigantischer Tennisball aus weißem Beton und schwarzem Glas.

Futuristische Glaskuppel

Ludwig Koehne, Eigentümer des Kirow-Werks und der Initiator dieses Projekts, ist ganz fasziniert von dem Anblick – und vor allem begeistert ihn die Wandlungsfähigkeit dieser futuristischen Kugel: "Sie sieht bei jedem Wetter verschieden aus, vor allem, wenn man blauen Himmel mit Wolken hat, spielt die Kugel quasi mit, als Teil der Wolken. Sie verbindet sich mit den Formen und man sieht, wie das als Teil der Bewegung gedacht ist."

Der Bau der "Niemeyer Sphere" in Bildern

Bauarbeiten an der Niemeyer Sphere in Leipzig
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Bauarbeiten an der Niemeyer Sphere in Leipzig
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Bauarbeiten an der Niemeyer Sphere in Leipzig
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Bauarbeiten an der Niemeyer Sphere in Leipzig
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Bauarbeiten an der Niemeyer Sphere in Leipzig
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Bauarbeiter setzt Glasscheibe an der Niemeyer Sphere ein.
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Bauarbeiten an der Niemeyer Sphere in Leipzig
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Empfangstisch im Innenraum der Niemeyer Sphere.
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Fliesenbild im Innenraum der Niemeyer Sphere.
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Die neue Niemeyer Sphere ist an das Dampfkesselhaus auf dem Gelände des Kranbauers Kirow in Leipzig gebaut.
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Der Himmel spiegelt sich in dieser raffinierten Gitterstruktur aus Glas – und dafür gibt es auch ein berühmtes Vorbild in der Architekturgeschichte: die futuristischen Glaskuppeln des amerikanischen Künstler-Ingenieurs Buckminster Fuller. Der hatte bei seinen sogenannten geodätischen Kuppeln die Glasscheiben als Dreiecke konstruiert – und mit diesen Dreiecken wollte er mit dem geringsten Materialaufwand eine hohe Stabilität erreichen.

Verschattung durch Flüssigkristalle

Auch in Leipzig gibt es dieses Prinzip der gläsernen Dreiecke, doch anders als bei Buckminster Fuller hat nun die Leipziger Glaskuppel einen völlig neuartigen Verschattungsmechanismus. Genutzt wird Glas auf Basis der Flüssigkristalltechnologie – eine bedeutende Innovation, wie Ludwig Koehne erzählt. Dieser Verschattungsmechanismus ist außerdem kinderleicht zu steuern. Ein Knopfdruck auf dem iPad genügt, um das Glas zu verdunkeln – wenn zum Beispiel die Sonne allzu sehr niederprasselt.

So kann man dann ungestört speisen in dieser Himmelskuppel. Passend heißt dieses Bauwerk auch "Niemeyer Sphere" – zu deutsch: Niemeyer Sphäre. Das Restaurant befindet sich auf zwei Ebenen – unten ist eine schicke Bar, eingerichtet vor leuchtend roter Wand, dann geht es über eine geschwungene Treppe hinauf in den Speisebereich. Da herrscht eine völlig zurückgenommene Eleganz, es gibt eine schlichte Möblierung – mit Stühlen aus schwarzem Draht und silbergrauen Polstern. Der Teppich ist blau, und das soll wiederum ein Reflex sein auf die Farbe des Himmels, denn nichts soll ablenken von der beeindruckenden Aussicht:

Man sieht die Welt, die man kennt, in einer subtileren Form.

Ludwig Koehne, Projektinitiator

Dieses erhebende Gefühl kann man auch erleben, wenn man aus dem Restaurant heraustritt auf die weitläufige Dachterrasse. Hier kann man bei gutem Wetter ebenfalls dinieren und die Kugel von außen betrachten. Außerdem hat man hier einen fantastischen Blick auf das Werksgelände und auf die kantigen Dachlandschaften der Fabrikhallen.

Ein Brief an den Star-Architekten

Oscar Niemeyer
Die Kugel war einer der letzten Entwürfe von Oscar Niemeyer. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Die "Niemeyer Sphere" ist einer der letzten Entwürfe, die der brasilianische Star-Architekt noch gestaltet hat, bevor er 2012 verstarb im biblischen Alter von 104 Jahren. Um den vielbeschäftigte Baumeister zu locken, hat der Leipziger Unternehmer Ludwig Koehne etwas ganz Altmodisches gemacht, mit reiflich überlegter Strategie: "Ich habe die Situation erläutert, dass wir einen Koch haben, der gut kocht, und wenn der kein Restaurant in seiner Kantine veranstalten kann, wird er uns irgendwann verlassen. Dann hätten die Mitarbeiter nichts Leckeres mehr zu essen."

Der Werbe-Brief aus Leipzig hat also funktioniert – und für die vergleichsweise geringe Summe von drei Millionen Euro hat das Kirow-Werk nun ein spektakuläres Wahrzeichen. Es steht für den Erfolg eines Traditionsunternehmens, das mittlerweile gar avanciert ist zum Weltmarktführer für Eisenbahnkrane und Schlackentransporter. Zugleich ist die Kugel die beste Werbung – im weltweiten Kampf um Aufmerksamkeit.

Spezial zur Niemeyer-Sphere

Die neue Niemeyer Sphere ist an das Dampfkesselhaus auf dem Gelände des Kranbauers Kirow in Leipzig gebaut. 7 min
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Oscar Niemeyer 3 min
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Das Museum für zeitgenössische Kunst (MAC), der emblematische Bau des brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer, in Rio de Janeiro. 4 min
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Bauarbeiten an der Niemeyer Sphere in Leipzig 5 min
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Begleitend zur Einweihung der Niemeyer-Sphere im Leipziger Westen zeigt die nahe Galerie Fotografien, die sich dem brasilianischen Architekten annähern. Dabei wurde auch der Bau des neuesten Werks begleitet.

MDR KULTUR - Das Radio Di 01.09.2020 18:00Uhr 04:34 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 01. September 2020 | 08:40 Uhr

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