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In Halle steht die 100. Ausgabe der Händel-Festspiele an. Bildrechte: dpa

Ausblick2022 in Sachsen-Anhalt: Das sind die kulturellen Highlights

von Sandra Meyer, MDR KULTUR-Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt

Stand: 05. Januar 2022, 09:21 Uhr

2022 wird das Jahr der Jubiläen in Sachsen-Anhalt. So jähren sich die Geburtstage mehrerer großer Persönlichkeiten, die gewürdigt werden: Dichter Novalis, Dichterin Anna Louisa Karsch sowie Luther-Weggefährte Lucas Cranach der Ältere. In Quedlinburg feiert sich gleich eine ganze Stadt, und es soll endlich wieder große Musik geben: Die Magdeburger Telemann-Festtage und die Händel-Festspiele in Halle melden sich zurück, Weißenfels gedenkt dem Komponisten Heinrich Schütz. Ein Jahresausblick.

Jubiläen sind in Sachsen-Anhalt immer ein Grund für überdurchschnittliches Landesinteresse und Finanzmittel, hat man doch den Tourismus im Auge und erhofft sich überregionales Publikum. Darüber würde man sich in Weißenfels sicher freuen. In der Stadt mit 40.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ist nicht immer viel los, was 2022 mit einem Doppeljubiläum anders werden könnte.

Doppeljubiläum in Weißenfels

Heinrich Schütz (1585 bis 1672) Bildrechte: imago/imagebroker

Denn vor 350 Jahren starb der musikalisch bahnbrechende Barockkomponist Heinrich Schütz, der viele Jahre in Weißenfels lebte. Außerdem wird der 250. Geburtstag von Friedrich von Hardenberg alias Novalis gefeiert, einem der wichtigsten Protagonisten der Romantik, der in Weißenfels lebte und starb. Nun soll es ein ganzes Schütz-Novalis-Jahr mit zwei Festwochen mit Konzerten, Lesungen und kleinen Ausstellungen geben.

"Vater unserer modernen Musik"

Heinrich Schütz galt nicht nur seinen Zeitgenossen als "Vater unserer modernen Musik". Zum Jahrestag gibt es ein ganz besonderes Programm bei den obligatorischen Heinrich-Schütz-Tagen im Oktober – auch in Sachsen und Thüringen. Über sein Leben und Werk kann man sich im Heinrich-Schütz-Haus informieren.

In der Dauerausstellung im Heinrich-Schütz-Haus gibt es gelungenen Hörstationen über den Komponisten und seine Musik. Bildrechte: Heinrich-Schütz-Haus/Stadt Weißenfels

Literaturgeschichte im Schloss Oberwiederstedt

Novalis, 1772 bis 1801 Bildrechte: imago/imagebroker

Im Mansfeldischen Oberwiederstedt ist das Novalis-Museum zu finden. Genau dort auf dem Familiengut wurde er vor 250 Jahren geboren im Schloss derer von Hardenbergs auf einem ehemaligen Klostergelände, einem beschaulichen Ort. Heute Literaturmuseum beherbergt das Schloss Oberwiederstedt auch eine Forschungsstätte für Frühromantik. Jetzt wurde es noch mal grundsaniert – und es soll eine neue Dauerausstellung geben. Leider ohne viel Originales, aber man kann dann neben Gemälden und Zeichnungen aus der Ahnengalerie der Familie von Hardenberg auch das Geburtszimmer von Novalis erleben, inklusive Taufhäubchen des Dichters.

Schloss Oberwiederstedt im Landkreis Mansfeld-Südharz Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Die Kunststiftung Sachsen-Anhalt hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, um eine neue Installation für den Geburtsort zu finden, die am 22. Mai gezeigt werden soll. Zudem setzen sich Künstlerinnen und Künstler wie Eckardt Wenzel in einer Ausstellung mit Novalis auseinander.

Halberstadt feiert Dichterin Anna Louisa Karsch

Anna Louisa Karsch, 1722 bis 1791 Bildrechte: imago/imagebroker

Das Gleimhaus in Halberstadt begeht den 300. Geburtstag der Dichterin Anna Louisa Karsch. Sie war die erste freie Autorin im deutschsprachigen Raum und eine Freundin von Johann Wilhelm Ludwig Gleim, der sämtliche Dichter der Zeit als Mäzen unterstützt hat – und eben auch eine Frau. Obwohl Karsch aus ärmlichen Verhältnissen stammte und eher durch Zufall lesen und schreiben lernte, stieg sie zu einer gefeierten Poetin auf. Sie und andere schreibende Frauen wird man in verschiedenen Ausstellungen kennenlernen.

1.100 Jahre Quedlinburg

In Quedlinburg feiert man im April und Mai die Ersterwähnung der Stadt vor 1.100 Jahren. Besucherinnen und Besucher werden dazu in der Lyonel-Feininger-Galerie mit Neuem bedacht. Bis zum 9. Januar sieht man noch die Jubiläumsschau, dann wird geschlossen und umgebaut, um Anfang April mit einer neuen erweiterten Dauerausstellung wieder zu öffnen.

Eine Kooperation mit dem Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte Oldenburg ermöglicht es, Meisterwerke aus der Grafischen Sammlung in einer Sonderausstellung zu zeigen. Mit dabei sind über 90 selten gezeigte Meisterblätter von Rembrandt, Munch, Kirchner, Klee, Nolde, Feininger, Dix, Baselitz und Gerhardt Richter.

Schloss Quedlinburg Bildrechte: imago images/Westend61

Jubiläum für die deutsche Sprache

500 Jahre Bibelübersetzung werden 2022 gefeiert – und die mit Martin Luther verbundene Herausbildung der deutschen Hochsprache. Das betrifft neben Thüringen und der Wartburg auch die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Bereits seit einem Jahr läuft dort die Mitmachausstellung "Raus mit der Sprache" in Eisleben.

Auch in Wittenberg wird aufs Mitmachen gesetzt. Die Ausstellung "Tatort 1522" wird als Escape-Room gestaltet, in dem Teams gemeinsam Aufgaben lösen müssen, um von einer Station zur nächsten zu gelangen. Das klingt nach Spiel, Spaß und Spannung – und das beim Thema Sprache. Das Angebot richtet sich vornehmlich an Schülerinnen und Schüler, aber auch Erwachsene. Losgehen soll es ab dem 24. Juni 2022 und bis zum 9. Juli 2023 laufen.

Wittenberg feiert Lucas Cranach den Älteren

Lukas Cranach der Ältere, 1472 bis 1553 Bildrechte: imago/imagebroker

Als Sterbeort macht Weimar viel zum 550. Geburtstag von Lucas Cranach dem Älteren, genauso Franken, ist er doch in Kronach geboren. In Wittenberg, wo er tatsächlich die meisten Jahre gelebt und gearbeitet hat, ist der Aufschlag nicht ganz so groß. Es gibt die Dauerausstellung zum Leben und Werk Cranachs bei der Stiftung in den Höfen, wo er als Maler und Unternehmer gezeigt wird. Hier lernt man seine Arbeitsweise kennen, Schablonen zu benutzen. Oder auch sein Markenzeichen, die geflügelte Schlange.

Eine Sonderausstellung im September bezieht sich dann auf die Bibelübersetzung Martin Luthers, für die Cranach die Illustrationen gemacht hat. In der Ausstellung geht es außerdem um die Apokalypse, also die Offenbarung des Johannes mit 21 Illustrationen. Das ist eher speziell, aber man hat in Wittenberg auch einen sehr kleinen Werkbestand, sodass große Ausstellungen schwer zu realisieren sind.

Endlich wieder Telemann

Plastik des Komponisten Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) in Magdeburg Bildrechte: dpa

Im März sollen die Magdeburger Telemann-Festtage stattfinden, nachdem sie im letzten Jahr Corona-bedingt einen Tag vor Beginn abgesagt wurden. Nun sollen sie mit erweitertem Programm stattfinden, handelt es sich doch um die 25. Festtage und noch dazu im 60. Jahr der Gründung des Festivals. Ende Mai folgt dann ein wichtiger Termin in Halle: die 100. Ausgabe der Händel-Festspiele.

Ausstehende Eröffnungen

Die Liebfrauenkirche in Wernigerode sollte schon im Dezember 2021 als neuer Konzertort eröffnet werden – das ist nun auf Februar 2022 verschoben. In Stiege wurde eine ganze Holzkirche abgebaut und drei Kilometer weiter wiederaufgebaut, auch diese Eröffnung wurde in dieses Jahr verschoben.

Die Anhaltische Gemäldegalerie sollte schon mit neuer Dauerausstellung geöffnet sein, aber wann das nun passiert, steht noch in den Sternen. Für September ist angekündigt, dass im Gartenreich Dessau-Wörlitz das sogenannte Graue Haus, also das Haus der Fürstin, als Ausstellungszentrum eröffnet werden soll.

Kultur in Sachsen-Anhalt

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 05. Januar 2022 | 08:30 Uhr