Richard-Wagner-Gedenkstätten Weltgeschichte in Sachsen: Wie Wagner "Lohengrin" schuf

In den 1840er-Jahren war Richard Wagner Kapellmeister in Dresden und schloss sich später der März-Revolution an. In dieser Zeit begann er bereits die Werke zu entwerfen, die bis heute bei den berühmten Bayreuther Festspielen gespielt werden. Für einige Zeit hielt sich der Komponist in Graupa bei Pirna auf und entwarf die Melodien seines "Lohengrins". Heute erinnern Museen und das höchste Wagner-Denkmal an diese Zeit.

Das neue Wagner-Museum in Graupa mit dem Orchester-Simulator 19 min
An verschiedenen Orten rund um Pirna können Interessierte Richard Wagner nahe kommen. Bildrechte: Richard-Wagner-Stätten Graupa / Jens Dauterstedt

Graupa ist nicht weit von Dresden entfernt und gehört eigentlich zu Pirna. Hier steht das Lohengrinhaus. Darin zwei Zimmer, in denen einst ein berühmter Künstler seinen wohlverdienten Urlaub verbracht hat: Richard Wagner. "Es waren die Zimmer, die für die Vermietung an Touristen vorgesehen waren", sagt die leitende Kustodin der Richard-Wagner-Stätten Graupa, Katja Pinzer-Hennig. "Also die besten Räume im Haus mit Blick zur Straße. Nicht sehr üppig, nicht sehr groß. Das ist das Erstaunliche, dass Richard Wagner sich hier eingemietet hat, sich hier wohlgefühlt hat. Es waren sehr einfache Bedingungen."

Großbauernhaus der Familie Schäfer
Ein Blick ins Lohengrinhaus in Graupa. Hier hielt sich Komponist Richard Wagner 1846 von Mai bis Juli auf und schuf seinen "Lohengrin". Bildrechte: imago images / Sylvio Dittrich

Wagner gelangt 1846 nach Graupa. Hält sich hier von Mitte Mai bis Ende Juli auf. Warum die Wahl des Dresdner Hofkapellmeisters ausgerechnet auf Graupa fällt, lässt sich heute nur vermuten. Die Nähe des Dorfes zu Dresden könnte ein Grund sein, so der Musikwissenschaftler Wolfgang Mende. Außerdem lief damals die Touristenroute von Dresden in die Sächsische Schweiz über Graupa.

Seine Bleibe findet der Komponist im Schäferschen Gut. "Dieses Bauerngut ist für diese Region ein ganz typisches Bauernhaus gewesen", erzählt Katja Pinzer-Hennig. "Im Erdgeschoss befanden sich Wirtschaftseinrichtungen – Stall, Küche, Lagerräume – und in der ersten Etage die Wohnräume beziehungsweise auch im Dachbodenbereich. Die damals besten Räume wurden an Touristen vermietet."

Die Ursprünge des "Lohengrin" liegen in Graupa

"Ich bin jetzt aufs Land gegangen, um meine angegriffene Gesundheit zu erholen: fände ich dabei gute Laune, so drängt es mich nun zunächst sehr, die Composition einer neuen Oper, wozu ich die Dichtung fertig habe, zu beginnen", vermeldet Richard Wagner brieflich wenige Tage nach seiner Ankunft in Graupa. Die neue Oper ist "Lohengrin".

Tatsächlich fertigt Wagner während seines Aufenthaltes einen ersten Kompositionsentwurf. "Der ist noch sehr rudimentär", erklärt Mende. "Es sind die Gesangsstimmen, die Vokalstimmen eigentlich ausgearbeitet, auch in großer Übereinstimmung mit dem Endergebnis. Aber die Begleitung dazu, das Orchester, ist oft nur ein Ton. Da wird nur ein Basston notiert oder ein Akkord oder eine Figur, die sozusagen das harmonische Fundament andeutet. Aber die Substanz der Komposition, das kann man so sagen, die ist vollständig hier entstanden."

Ein Ausstellungsstück des Richard-Wagner-Museum im Jagdschloss Graupa.
In Graupa fing Wagner mit der Komposition seines "Lohengrin" an. Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Zweifelsohne beflügeln der Urlaub, die Möglichkeiten zur Entspannnung und die hiesige Natur Wagners Schaffenskraft. "Wagner berichtet natürlich auch von Spaziergängen, bei denen er offenbar Gedanken gesammelt hat. Es gibt so eine Briefäußerung, da schreibt Wagner, er hätte hier einen Ort besucht, die Schöne Höhe, und dort gelohengrint. Das heißt wohl, er ist durch die Natur gestreift, hat sich irgendwohin gelagert, und da sind ihm wohl Ideen gekommen", vermutet Mende.

Wagner in Graupa nahe kommen

1907 wird das einstige Urlaubsdomizil des Komponisten zum "Lohengrinhaus". "Im Jahr 1907 hat der Leipziger Gymnasiallehrer Max Gaßmeyer, der hier in Graupa eine Sommerdatsche hat, zur Erinnerung an den Aufenthalt von Richard Wagner im Hause ein Gedenkzimmer eingerichtet und fast zeitgleich den 'Verein zur Erhaltung des Lohengrinhauses' begründet. Und seitdem – mit Unterbrechungen aus verschiedenen Gründen – ist dieses Haus teilweise als Museum genutzt worden und kann somit auch als Keimzelle unseres heutigen Museums betrachtet werden", fasst Pinzer-Hennig die Entstehungsgeschichte zusammen. Das "Lohengrinhaus" ist allerdings nicht die einzige Möglichkeit, Richard Wagner nahe zu sein. Das hiesige Jagdschloss dient gleichfalls als Museum. Insgesamt konzentriert sich die Ausstellung in Graupa auf die Schaffenszeit in Sachsen.

Mit der Eröffnung des sanierten Jagdschlosses in Graupa wollen die Richard-Wagner-Stätten ein neues Kapitel der Wagner-Rezeption in Sachsen aufschlagen.
Das Jagdschloss in Graupa wird teilweise als Museum der Richard-Wagner-Gedenkstätten genutzt. Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Unweit von Graupa dann noch einmal Wagner: Im Liebethaler Grund, an der Wesenitz. Hier steht das höchste Wagner-Denkmal der Welt. Und wer möchte, darf sich dazu dank einer Soundanlage mit der Ouvertüre von "Lohengrin" in die passende Stimmung versetzen. "Es ist Richard Wagner, dargestellt als Gralsritter umgeben von fünf Gestalten, die die Elemente seiner Musik verkörpern", erläutert Pinzer-Hennig den Bezug zum Musikdrama. "Es ist also ganz stark symbolisch gehalten, sehr massiv, großartig gestaltet, insofern dass es tatsächlich die Größe des Künstlers des Komponisten deutlich macht."

Wagner-Denkmal im Liebethaler Grund
Das Wagner-Denkmal im Liebethaler Grund ist das höchste der Welt. Bildrechte: Richard Wagner Stätten / Jens Dauterstedt

Richard Wagner kehrte noch einmal zurück nach Graupa: 1881 – 35 Jahre nach seinem ersten Aufenthalt – mit der Familie im Schlepptau. Seine Frau Cosima zeigt sich jedoch entsetzt: Hier, in dieser Gegend, hat der große, luxusverwöhnte Komponist so hinreißende Musik schreiben können?

Weitere Informationen "Lohengrinhaus"

Richard-Wagner-Straße 6
01796 Pirna OT Graupa

Öffnungszeiten:
Montag, Donnerstag und Freitag von 12 bis 17 Uhr
Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr

Jagdschloss Graupa:

Tschaikowskiplatz 7
01796 Pirna OT Graupa

Öffnungszeiten:
Montag, Donnerstag und Freitag von 11 bis 17 Uhr
Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Musiktheater in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt