Skatkongress vor 135 Jahren Wie Skat aus Altenburg zum beliebtesten Kartenspiel wurde

Dass Skat im 19. Jahrhundert im thüringischen Altenburg erfunden wurde, ist unbestritten. Doch nicht einmal das Skatgericht, das höchste Entscheidungsgremium im Skatsport, konnte bisher klären, wem genau die Ehre gebührt, die Regeln für des Deutschen liebstes Kartenspiel erfunden zu haben. Fakt ist: Das genaue Reglement gab lange Anlass zum Disput – bis zum ersten Skatkongress, am 7. August vor 135 Jahren in Altenburg.

Historische Skatkarten
1813 wurde das Spiel erstmals in einem Gewinnheft Altenburger Spieler erwähnt. Bildrechte: dpa

Nicht einmal das Skatgericht konnte bisher klären, wem die Ehre gebührt, des Deutschen liebstes Kartenspiel erfunden zu haben. War es Friedrich Ferdinand Hempel, Herzoglich Sächsisch-Altenburgischer Hofadvokat, der sich beim Spielen von "Solo", einem populären Kartenspiel zu viert, langweilte?

Skatkarten
Im Altenburger Schloss gibt es eine alte Kartendruckerei zu besichtigen. Bildrechte: MDR/Hanna Romanowsky

Dem widerspricht ein anderer Hempel, Johann Friedrich Ludwig, Gymnasiallehrer in Altenburg, der 1848 in seiner "Geschichte des Skatspiels" schreibt: "Die sonderbare Idee, daß ein Mann sich niedergesetzt und aus heiler Haut das complizirte Spiel schlankweg 'erfunden' habe, ist in den meisten Veröffentlichungen gedankenlos nachgebetet worden. Dagegen kann nachgewiesen werden, daß der genannte Hofadvokat mit der Erfindung des Skatspiels absolut Nichts zu thun hat."

Skat: Eine Erfindung aus Altenburg

Skatbrunnen in Altenburg, 2007
Der Skatbrunnen in Altenburg Bildrechte: IMAGO / imagebroker/günter fischer

Eines zumindest wird nicht bestritten: Das Spiel ist in Altenburg nach 1800 entstanden. Als Vorläufer gelten das französische "L‘Hombre", Tarock und Schafskopf. Darauf weisen die "Osterländischen Blätter" im Juli 1818 hin: "Wenn es auch in seinen Grundregeln auf das alte Spiel Schafskopf hinweiset, so kann man es doch einen veredelten Schafskopf – folglich Merino! – nennen. Es hat ein solches Spiel eine Menge Andere aus vornehmen und niedrigen Kreisen verdränget."

Das Kartenspiel für alle wird immer beliebter

Skat spielen nicht nur die vornehme Altenburger "Brommesche Gesellschaft" mit Skaterfinder oder Nichterfinder Hempel, Verleger Brockhaus und dem Herzoglichen Kanzler von der Gabelentz, sondern auch Bauern und Studenten in Jena, Leipzig und Halle. Johann Friedrich Ludwig Hempel jubelt frei nach Schiller:

Deinem Zauber weicht die Mauer,
Die der Castengeist ersann,
Scat spielt Pastor mit dem Bauer,
Bürger mit dem Edelmann.

40 Jahre Streit um die Regeln

Skat wird rasch populär, gilt trotz seiner Jugend als "altdeutsches Spiel". Die Kehrseite der Beliebtheit: es wird überall anders gespielt: "Die verschiedenen Spielarten theilen sich hauptsächlich in zwei. Bei der einen muss der Kartengeber spielen und kann die Farbe wählen, bei der Anderen können alle drei Spieler das Spiel nehmen, je nachdem einer das Angebot der höchsten Farbe thut", lassen die "Osterländischen Blätter" 1818 ihre Leser wissen.

Historisches Foto zeigt ein Werbeplakat der Skat-Stadt Altenburg
Historisches Werbeplakat der Stadt Altenburg Bildrechte: IMAGO / Horst Rudel

Bei letzterem reizen die einen allein nach dem Farbwert, ohne die Buben einzubeziehen, andere favorisieren das Leipziger Punktereizen mit Buben und der Farbe. Und auch über den "Stock" den zwei beiseite gelegten Karten, wird gestritten. Darf der Solospieler sie aufnehmen und gegen zwei aus seinem Blatt tauschen? Darf er sie nur anschauen? Oder bleiben sie einfach liegen, wie heute bei einem Handspiel.

Erster deutscher Skatkongress am 7. August 1886

Nachdem das Deutsche Reich geeint ist, sollen auch die Skatgesetze vereinheitlicht werden. Und so trifft man sich am 7. August 1886 in Altenburg zum ersten deutschen Skatkongress und einigt sich nicht. Farb- oder Punktreizen bleiben das Reizthema der Skatfreunde für die nächsten 40 Jahre. Erst auf dem XI. Skatkongress 1927 setzen sich die Zahlenreizer durch. Das die Einigung zustande kommt, weil erstmals Frauen teilnehmen, ist ebenso unbewiesen, wie die Erfindung des Skats durch Advokat Hempel.

Skatkarten
So sah ein Teil eines deutschen Skatblatts um 1900 aus. Bildrechte: dpa

Kultur rund um Altenburg erleben

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. August 2021 | 06:40 Uhr

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