Fachwerkhäuser in der Innenstadt von Quedlinburg
Urlaubsflair: Quedlinburg hat eine der schönsten Altstädte Sachsen-Anhalts. Bildrechte: imago images/Shotshop

Entdecken Urlaub in Sachsen-Anhalt: Die besten Tipps für tolle Ausflüge im Sommer

12. Juli 2024, 10:34 Uhr

Ferien und Urlaub, das ist für viele auch die Zeit, um Kunst und Kultur zu entdecken, Überraschendes und Eindrucksvolles zu bestaunen und so unvergessliche Tage zu erleben. Sachsen-Anhalt bietet dafür unglaublich viele Möglichkeiten: von den traditionsreichen Städten Magdeburg und Halle über idyllische Hansestädte im Norden und Touristenmagneten wie Quedlinburg im Harz, das Wörlitzer Gartenreich, die Lutherstadt Wittenberg oder die Bauhausstadt Dessau bis hin zu Geheimtipps an Saale und Unstrut oder im Mansfelder Land. Wir wünschen viel Spaß und gute Erholung!

Orte mit Burgen und Schlössern

Börde: Schloss Hundisburg in Haldensleben

Schloss Hundisburg liegt am Nordrand der Magdeburger Börde. Die ursprüngliche Burg ist heute ein grandioses Barockschloss mit großem Barockgarten. Im Inneren gibt es zwei Kunstsammlungen, eine der bedeutendsten Bibliotheken der Renaissance und das "Haus des Waldes". Stärken kann man sich im Schlossrestaurant, möglicherweise bei einem Bier aus der Schlossbrauerei, die ebenfalls besichtigt werden kann. Zum Park gehört ein historischer Obstgarten, der schon im 18. Jahrhundert Teil des Barockgartens war. Wer mag, kann dann noch einen Abstecher nach Hundisburg machen. Dort gibt es ein berühmtes technisches Denkmal: Die Ziegelei, wo noch heute Ton von Hand in eine Holzform gestrichen, luftgetrocknet und nach alter Tradition gebrannt wird.

Außenansicht des barocken Schloss Hundisburg mit Schlosspark
Schloss Hundisburg ist eines der schönsten Barockschlösser Sachsen-Anhalts. Bildrechte: Harald Blanke/Kultur-Landschaft Haldensleben-Hundisburg e.V

Harz: Schloss Wernigerode

Schloss Wernigerode gleicht einem Märchenschloss und diente auch bereits verschiedenen Märchenfilmen als Kulisse. Man kann zum Schloss hinaufwandern oder mit einer Bahn fahren und es sich im zauberhaften Innenhof auch kulinarisch gutgehen lassen: zwischen plätscherndem Brunnen und einem faszinierenden Architektur-Mix. Innen kann man rund 50 original eingerichtete Räume besichtigen und Interessantes zur deutschen Geschichte erfahren. Durch viel Holz und feste Mauern wirkt alles eher rustikal und dunkel, aber für Märchenstunden am Kamin ist es damit bestens geeignet und wird auch dafür genutzt. Im Sommer dient der Innenhof als Festivalkulisse – die Wernigeröder Schlossfestspiele warten hier mit bestem Klang auf. Es lohnt sich, auch die Kapelle zu besichtigen. Regelmäßig finden Sonderausstellungen statt.

Blick von oben auf Schloss Wernigerode, das über der Stadt thront.
Ein Ausflug auf Schloss Wernigerode lohnt sich immer – im Sommer locken besonders die Schlossfestspiele. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Swen Pförtner

Harzvorland: Burg Querfurt

Direkt an der Straße der Romanik, hoch oben neben der Stadt, thront die mächtige Burg Querfurt. Sie ist siebenmal größer als die Wartburg und damit die größte Burg in Mitteldeutschland. Mit drei Burgtürmen, zwei Ringmauern und einer romanischen Burgkirche ist sie ein Eldorado für Filmschaffende. "Die zertanzten Schuhe" oder "Jorinde und Joringel" wurden hier gedreht, aber auch "1½ Ritter", "Die Päpstin" und "Der Medicus". Die Drehorte kann man besichtigen sowie im Filmmuseum Kostüme und Requisiten anschauen.

Burg Querfurt, umgeben von Grün und mit blauem Himmel im Hintergrund
Burg Querfurt ist ein Hotspot für Filmemacher. Zahlreiche Filme wurden hier schon gedreht. Bildrechte: imago/imagebroker

Im Burgmuseum gibt es die Ausstellung "Ritterorden-Ordensritter", außerdem spannend ist ein unterirdischer Gang. Auf der Burg finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt. In direkter Nachbarschaft befindet sich das Kreisbauernmuseum "Alte Burgschäferei" mit alten Landwirtschaftsmaschinen und einem original eingerichteten bäuerlichen Wohnhaus. 

Altmark: Jagdschloss Letzlingen

In Letzlingen steht das einzige heute noch erhaltene Hohenzollernschloss in Sachsen-Anhalt. Mitte des 19. Jahrhunderts ließ Friedrich Wilhelm IV. das heute so prunkvoll erstrahlende Letzlinger Jagdschloss im Stil der englischen Neogotik errichten. Wenige Jahre später wurde im Schlosspark eine Kirche, ebenfalls im neogotischen Stil Englands errichtet. Bis ins 20. Jahrhundert hinein fanden in Letzlingen Hofjagden statt, die Gäste von hohem Rang, darunter Otto von Bismarck und Zar Alexander II., nach Sachsen-Anhalt lockten. Heute informiert eine interessante Dauerausstellung über die wechselvolle Geschichte des Schlosses, das nach Ende des Ersten Weltkrieges eine Internatsschule wurde, im Zweiten Weltkrieg als Lazarett und anschließend bis 1991 als Krankenhaus diente. Heute ist es ein beliebtes Ausflugsziel mit Hotel und Restaurant.

Außenansicht des neogotischen Jagdschloss' Letzlingen
Das Jagdschloss Letzlingen war in der Geschichte das Jagdquartier von Kurfürsten, Königen und Kaisern. Bildrechte: IMAGO / NBL Bildarchiv

Saale-Unstrut-Tal: Schloss Neuenburg in Freyburg

Freyburg, das viele vor allem durch die Rotkäppchen-Sektkellerei kennen, ist ein malerisches Städtchen und man sollte unbedingt Zeit für einen Spaziergang durch die historischen Gassen und einen Besuch in einem der schönen Wein-Lokale einplanen. Oberhalb von Freyburg befindet sich Schloss Neuenburg, eines der bedeutendsten Baudenkmale an der "Straße der Romanik".

Eine historische Burg auf einem Berg
Schloss Neuenburg thront über dem Städtchen Freyburg Bildrechte: Patrick Cebulla

Das Schloss ist für Besucher geöffnet, vom Bergfried "Dicker Wilhelm" hat man eine tolle Aussicht. Ein architektonisches Highlight ist die romanische Doppelkapelle. Daneben locken wechselnde Ausstellungen, aber auch ein Weinmuseum und die Uhrenausstellung Besucher hierher. Das Weinmuseum erzählt Spannendes rund um den Weinanbau in der Region, die Uhrenausstellung zeigt über 100 historische Stücke aus vier Jahrhunderten.

Orte mit spannenden Museen

Halle: Landesmuseum für Vorgeschichte, Himmelsscheibe

Das Museum gehört zu den wichtigsten archäologischen Museen Mitteleuropas und ist bereits von außen sehenswert. Das 1918 fertiggestellte helle Gebäude erinnert an die Porta Nigra in Trier. Sammlungsbestände und Ausstellungen können zurecht als spektakulär bezeichnet werden. Hauptattraktion ist die inzwischen weltberühmte Himmelsscheibe von Nebra, die älteste bekannte Himmelsdarstellung der Welt und damit der bedeutendste archäologische Fund der jüngeren Geschichte. Die Dauerausstellung zeigt anschaulich und mit beeindruckenden Exponaten wichtige Etappen der menschlichen Evolution und ist gerade auch für Kinder ein Erlebnis. Immer wieder gibt es hochkarätige Sonderausstellungen.

Außenansicht des imposanten Gebäudes des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle, das von außen einer Burg ähnelt
Im Landesmuseum für Vorgeschichte gibt es neben der Dauerausstellung auch spannende Sonderausstellungen zu sehen. Bildrechte: Anne Sailer

Mehr spannende Museen in der Region Halle/Leipzig mit Infos zu Adressen, Öffnungszeiten und Eintritt hier:

Bachstadt Köthen: Historisches Museum im Schloss

Die Stadt Köthen im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist nicht nur für Fans von Johann Sebastian Bach ein attraktives Ziel. Auch der Begründer der Homöopathie, Samuel Hahnemann, wirkte hier und die erste große deutsche Sprach- und Gelehrtenakademie, die Fruchtbringende Gesellschaft, wurde hier gegründet. Im Museum des bekannten und sehenswerten Schlosses Köthen sind neben der Gedenkstätte für Johann Sebastian Bach, der hier Hofkapellmeister war, auch die Schlosskapelle, der Spiegelsaal und das Apothekengewölbe sehenswert. Außerdem lohnt ein Besuch im Naumann-Museum: Herausragend ist hier die seit dem frühen 19. Jahrhundert nahezu unverändert erhaltene Vogelsammlung, die rund 1.300 Präparate umfasst und in 113 originalen Vitrinen untergebracht ist.

Schloss Köthen Spiegelsaal
Der Spiegelsaal ist eine märchenhafte Kulisse für Konzerte und Veranstaltungen. Bildrechte: Michael Moser

Orte mit Freilichtmuseen

Mansfeld-Südharz: Freilichtmuseum Königspfalz Tilleda

Idyllisch gelegen in der Goldenen Aue und ganz in der Nähe des bekannten Kyffhäuserdenkmals befindet sich das Freilichtmuseum Königspfalz Tilleda. Hier bekommt man einen sehr lebendigen Eindruck vom Leben und Arbeiten im Früh- und Hochmittelalter. Zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert diente die Pfalz den damals noch viel umherreisenden Herrschern mit ihren zahllosen Gefolgsleuten als zeitweise Residenz. So residierte hier u.a. auch Kaiser Otto I. Für das Freilichtmuseum wurden Wohnhäuser, Repräsentationsgebäude, verschiedene Werkstätten und technische Anlagen am originalen Standort teilrekonstruiert und anschaulich gestaltet. Von den alten Wehranlagen hat man einen beeindruckenden Rundblick in die umliegende Landschaft.

Mittelalterliche Bauwerke des Freilichtsmuseums Königspfalz Tilleda
Im Freilichtmuseum Königspfalz Tilleda im Harz kann man mehr über den Alltag im Mittelalter erfahren. Bildrechte: IMAGO / Schöning

Gräfenhainichen: Ferropolis – die Stadt aus Eisen

Nachdem hier 27 Jahre lang Braunkohle gefördert wurde, ist Ferropolis seit 1995 Freilichtmuseum, Naherholungsgebiet und Eventlocation. Auf einer Halbinsel im Gremminer See stehen fünf stählerne Bagger-Giganten. Besucherinnen und Besucher können die einstigen Bergbau-Geräte besichtigen und teilweise sogar besteigen. Eine Aussichtsplattform bietet einen einmaligen Blick über die frühere Bergbaulandschaft. Hinauf geht es mit einem imposanten gläsernen Fahrstuhl. Ein Spielplatz auf dem Gelände, ein Fahrradverleih oder eine Übernachtung auf dem Campingplatz neben den Baggern machen den Besuch zu einem Familienerlebnis. Ferropolis bietet zudem die spektakuläre Kulisse für viele große Festivals, u.a. das Splash und das Melt.

Ein großer alter Braunkohlebagger steht auf einer Wiese, dahinter liegt ein See.
See, Campen, Bagger: Ein Ausflug nach Ferropolis lohnt sich auch für Familien Bildrechte: imago images/Steffen Schellhorn

Orte mit Museen für Kinder

Saale-Unstruttal: Die Arche Nebra

In Halle wird sie ausgestellt, aber hier wurde die berühmte Himmelsscheibe gefunden! Das Besucherzentrum erzählt auf sehr spannende Weise die Geschichte des Sensationsfundes. Goldglänzend auf einem freien Feld stehend, ist die Arche schon von außen außergewöhnlich. Innen erwartet die Besucher*innen eine modern konzipierte Ausstellung mit Comics, Filmen und einem virtuellen "Hausgeist": In die Vitrinen projiziert, führt er charmant durch die Ausstellung. Im Planetarium gibt es eine 20-minütige Show zum erstaunlich komplexen astronomischen Wissen der Bronzezeit. Für Kinder wird die Fundgeschichte als Kasperletheater erzählt. Wer möchte, kann im Anschluss noch zum 3,5 Kilometer entfernten Fundort der Himmelsscheibe auf dem Mittelberg wandern. Vom hochmodernen Aussichtsturm dort kann man bis zum Kyffhäusergebirge sehen.

Arche Nebra, von außen goldenes Besucherzentrum der Himmelsscheibe Nebra
Die Arche Nebra ist für Familien ein schönes Ausflugsziel in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Lutherstadt Wittenberg: Das Melanchthonhaus

Philipp Melanchthon gehört zu den wichtigsten Vertretern der Reformationsbewegung um Martin Luther. Sein im Renaissancestil erbautes Wohnhaus ist eines der schönsten Bürgerhäuser der Lutherstadt Wittenberg und gehört zum UNESCO-Welterbe. Die Dauerausstellung stellt ihn, sein Leben und Wirken und seine Bedeutung für die Reformation vor. Viele Elemente wurden speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt: So erhalten Kinder einen gusseisernen Schlüssel, der ihnen Zugang zu Truhen, Schränken und versteckten Spielen gewährt. Melanchthons zehnjährige Tochter Magdalena führt die Kinder visuell und auditiv durch die Reformationsgeschichte und den Alltag der Familie Melanchthon.

Melanchthonhaus von 1536, Wohnhaus von Philipp Melanchthon,und rechts der Museumsneubau von 2013 in der Lutherstadt Wittenberg
Im Melanchtonhaus in Wittenberg können Groß wie Klein mehr über die Reformation lernen. Bildrechte: imago images / imagebroker

Bei einem Rundgang durch die sehenswerte Altstadt können weitere zentrale Orte der Reformation besichtigt werden: die Schlosskirche, an deren Tür Luther der Legende nach seine 95 Thesen anschlug und die Stadtkirche St. Marien, in der er 30 Jahre lang predigte. Das Lutherhaus, das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt, ist leider bis 2026 wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.

Saale-Unstrut-Tal: Käthe-Kruse-Puppen und Heilsole in Bad Kösen

Die berühmte Puppenmacherin Käthe Kruse verbrachte 38 Jahre ihres Lebens in der Kur- und Weinstadt Bad Kösen. Durch die Teilnahme an der Ausstellung "Spielzeug aus eigener Hand" 1910 in Berlin war sie über Nacht bekannt geworden. Die Erkrankung eines ihrer Kinder führte Kruse ins Sole-Heilbad Bad Kösen und sie baute hier ihre erste Puppenwerkstatt auf. Mehr als 15 verschiedene Puppentypen wurden hier gefertigt, von kleinen Puppenstubenfiguren bis zu beweglichen Schaufensterfiguren. Im Museum im Romanischen Haus kann man mehr über Käthe Kruse erfahren und viele Puppen sehen. Und wer ins romantische Bad Kösen reist, sollte unbedingt auch das mächtige Gradierwerk sehen und die heilsame Salzluft atmen.

Drei Puppen in einer Vitrine des Puppenmuseums Bad Kösen
In die faszinierende Welt der Puppen können Familien in Bad Kösen eintauchen. Bildrechte: IMAGO / Steffen Schellhorn

Oberharz: Die Rübeländer Tropfsteinhöhlen

Die beiden Höhlen – Baumannshöhle und Hermannshöhle – gehören zu den ältesten und bekanntesten Schauhöhlen Deutschlands. Besucher*innen erwartet eine spannende Untertagewelt mit farbenprächtigen Tropfsteinen. Bei einem Rundgang durch die Hermannshöhle können mit etwas Glück im Olmsee Grottenolme gesichtet werden. In der Baumannshöhle gibt es sogar eine unterirdische Naturbühne, die vom Theater der Tiefe bespielt wird. Familienstücke wie "Der kleine Prinz" oder "Die kleine Hexe" werden hier aufgeführt. 2009 wurde hier für die Neuverfilmung von "Schneewittchen" gedreht. Wichtig bei einem Höhlenbesuch: Warm anziehen, denn in der Höhle herrschen konstant kühle 9 Grad.

Blau erleuchtete Hermannshöhle in Rübeland im Harz
Die Tropfsteinhöhlen lassen sich bei einem Rundgang erkunden – auf der unterirdischen Naturbühne wird außerdem Theater geboten. Bildrechte: MDR/Elke Kürschner

Orte mit Architektur zum Staunen

Saale-Unstrut-Tal: Naumburger Dom mit Uta

Der Naumburger Dom ist ein architektonisches Meisterwerk der Romanik und Gotik und gehört seit 2018 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Kulturinteressierte können hier nicht nur historische, sondern auch zeitgenössische Kunst entdecken. So hat z.B. der Leipziger Maler Neo Rauch die Fenster der Elisabethkapelle gestaltet. Im Altar des Westchores ist der von Lucas Cranach gefertigte Altar zu sehen, der vom zeitgenössischen Maler Michael Triegel bildlich ergänzt wurde. Am faszinierendsten aber sind die zwölf steinernen Stifterfiguren, die fast lebendig wirken. Uta ist ohne Frage die berühmteste. Sie wird häufig als die schönste Frau des Mittelalters bezeichnet und hat auch Umberto Eco und Walt Disney fasziniert. Disney zeichnete nach ihrem Vorbild die Königin in seinem Schneewittchen-Film. Empfehlenswert ist eine Führung, bei der man Interessantes zu den anderen Stifterfiguren erfahren kann. Nach der Besichtigung lädt der idyllische Domgarten zum entspannten Verweilen ein.

Blick auf den Naumburger Dom durch eine Arkade.
Der Naumburger Dom gehört zu den schönsten Ausflugszielen in Sachsen-Anhalt im Sommer. Bildrechte: imago images / Westend61

Merseburg: Dom, Domschatz und Raben

Der über 1.000 Jahre alte Merseburger Dom gehört zu den bedeutendsten Kathedralbauten in Deutschland. Er ist Zeugnis der historischen Bedeutung von Merseburg als einstiger Pfalz- und Bischofsstadt. Im Inneren dominiert die gewaltige Ladegast-Orgel mit 5.687 Pfeifen, die zu den klangschönsten romantischen Orgeln in Deutschland gehört. Ebenso beeindruckend ist die nahezu unverändert erhaltene frühromanische Krypta. In der sogenannten Südklausur wird der größte Schatz des Doms als Faksimile gezeigt, die Merseburger Zaubersprüche aus dem 10. Jahrhundert, zwei heidnische Beschwörungsformeln zur Anrufung germanischer Götter. Wer mag, kann danach noch Schloss Merseburg mit dem Kulturhistorischen Museum besuchen oder im Schlossgarten spazieren. Und unbedingt dazu gehört ein Besuch der Raben auf dem Schlossgelände, die an die traurige Geschichte der Rabensage erinnern.

Außenansicht des Doms in Merseburg im Sonnenschein.
Bei einem Ausflug nach Merseburg darf ein Besuch des beeindruckenden Doms nicht fehlen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert, André Plaul

Dessau: Bauhaus und Meisterhäuser

Obwohl die Kunstschule nur 14 Jahre bestand, prägt sie das Bild der Moderne im In- und Ausland bis heute. 1919 in Weimar gegründet, musste sich das Bauhaus 1925 einen neuen Standort suchen. In Dessau traf sie auf eine aufgeschlossene, moderne Stadt, die es ermöglichte, dass nach den Entwürfen von Walter Gropius ein Schulgebäude und die Meisterhäuser für die Lehrenden entstanden, in denen die architektonischen und künstlerischen Vorstellungen des Bauhauses ohne Abstriche verwirklicht werden konnten – und bis heute erhalten geblieben sind. Bauhaus und Meisterhäuser können besichtigt werden. Am besten bucht man eine Führung, so erschließen sich die damals radikalen Neuerungen in der Lehre und die Funktionalität der Gebäude noch einmal mehr. Zudem wird mit manchem Klischee aufgeräumt, auf das das Bauhaus heute mitunter reduziert wird.

Meisterhaus Dessau mit einer Glasfront mitten im Grün.
Für Architektur- und Kunst-Fans lohnt sich ein Ausflug zu den Meisterhäusern in Dessau. Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Quedlinburg: Altstadt, Stiftskirche und Schloss

Verwinkelte Gassen aus uraltem Kopfsteinpflaster, mehr als 2.000 teilweise reich verzierte Fachwerkhäuser, mittelalterliche Plätze – das Altstadtensemble von Quedlinburg ist einmalig und gehört seit 1994 zusammen mit der Stiftskirche St. Servatius und dem Schloss zum UNESCO-Weltkulturerbe. Es ist ein Ort, wo große Geschichte geschrieben wurde: König Heinrich I. legte in Quedlinburg im 10. Jahrhundert den Grundstein für die Einigung der deutschen Herzogtümer. Und es ist auch ein Ort der Moderne: Der Freundschaft zwischen dem Quedlinburger Juristen Hermann Klump und dem Künstler Lyonel Feininger ist es zu verdanken, dass bedeutende Teile von Feiningers Werk vor der Zerstörung durch die Nationalsozialisten bewahrt wurden und seit 1986 im Museum Lyonel Feininger besichtigt werden können.

Fachwerkhäuser in der Innenstadt von Quedlinburg
In Quedlinburg gibt es tolle Architektur zu entdecken: Ob alte Fachwerkhäuser in der Altstadt oder die Stiftskirche St. Servatius. Bildrechte: imago images/Shotshop

Altmark: Die Hansestädte im Norden

Sachsen-Anhalt erstreckt sich so weit in den Norden, dass es hier auch mehrere sehenswerte Hansestädte gibt, die zu erlebnisreichen Ausflügen einladen. Stendal als größte Stadt und Zentrum der Altmark ist geprägt von historischen roten Backsteinbauten, wie sie typisch für viele Hansestädte sind, darunter zwei prächtige Stadttore. Attraktion im Winckelmann-Museum ist ein riesiges Trojanisches Pferd, von dem man einen schönen Blick über die Stadt hat.

Blick von oben auf eine Burg in Tangermünde
In der Altmark gibt es viele spannende Ausflugsziele – besonders Tangermünde lohnt sich. Bildrechte: MDR Kultur / Jens Ernst

Auch Salzwedel beindruckt mit Backsteingotik, idyllischen mittelalterlichen Fachwerkvierteln und imposanten Bürgerhäusern. In der einstigen Kaiserresidenz Tangermünde haben reiche Kaufleute und Kaiser Karl IV. bauliche Schätze entstehen lassen, die man am besten bei einem Spaziergang auf der Elbpromenade erkunden kann.

Ein weiteres Highlight ist die romantische Künstlerstadt Kalbe mit mehr als 100 Brücken. Dank eines innovativen Kulturprojekts kommen junge Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt in die Stadt, können hier leben und arbeiten und bieten vielfältige Workshops für Einheimische an.

Orte im Grünen

Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich

Das Gartenreich Dessau-Wörlitz ist berühmt für seine Kanäle und Brücken, Schlösser und Tempel. Neben dem bekannten Wörlitzer Park gehören Park und Schloss Oranienbaum, der Landschaftsgarten Großkühnau sowie die Schlösser Georgium, Luisium und Mosigkau mit ihren Parks dazu. Wörlitz ist ein Landschaftsgarten nach englischem Vorbild und zugleich ein herausragendes Beispiel für die vom Geist der Aufklärung geprägte Landschaftsgestaltung im 18. Jahrhundert. Das Besondere ist, dass es beim Spazieren immer wieder Neues zu entdecken gibt: faszinierende Sichtachsen, exotische Pflanzen und Gestaltungselemente, die den Besucher*innen andere Kulturen nahebringen wollen.

Eine Gondel fährt mit Besuchern auf den weit verzweigten Kanälen vor dem Gotischen Haus im Wörlitzer Park entlang
Ein Besuch im Dessau-Wörlitzer Gartenreich fühlt sich wie Urlaub an. Bildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Das Wörlitzer Schloss inmitten des Parks galt bei seiner Einweihung 1773 als modernster Landsitz auf dem europäischen Kontinent und kann, inzwischen komplett saniert, im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Im Obergeschoss ist die Sammlung des Südseeforschers Georg Forster zu sehen.

Der Max-Klinger-Weinberg im Saale-Unstrut-Tal

Kurz hinter Freyburg im Großjenaer Blütengrund, wo die Unstrut in die Saale fließt, erwarb der berühmte Leipziger Bildhauer und Grafiker Max Klinger 1903 einen Weinberg mit zwei Weinberghäuschen, die er als Atelier nutzte. Später kaufte er weitere Teile des Weinbergs dazu und ließ ein Weinberghaus zum Wohnhaus ausbauen. Nach seinem Tod 1920 wurde Klinger auch hier begraben. Heute ist das Areal öffentlich zugänglich. Beim Schlendern über das Gelände mit herrlichem Blick ins Land und einer Rast mit Kaffee und Kuchen oder einem Glas Saale-Unstrut-Wein weiß man, warum sich Klinger hier so wohlfühlte. Im Wohnhaus kann man eine Ausstellung über sein Leben und Schaffen besichtigen.

Romantisch gelegen ist der Max-Klinger-Weinberg in Groߟjena bei Naumburg am Saale-Unstrut-Tal. Das ehemalige Anwesen des bekannten Bildhauers, Malers und Grafikers (1857-1920) wird von einem gepflegten Weinberg, einem kleinen Museum und dem ehemaligen Wohnhaus sowie seinem Grab geprägt.
Im Saale-Unstrut-Tal lässt sich bei einem Glas Wein auf den Spuren des Künstlers Max Klinger wandeln. Bildrechte: picture alliance/dpa | Waltraud Grubitzsch

Unweit von Großjena kann noch das "Steinerne Album" besichtigt werden. Auf einer Länge von 150 Metern wurden hier im 18. Jahrhundert von einem unbekannten Künstler zwölf mehr als mannshohe Reliefs in den Sandsteinfels gearbeitet. Die meisten Motive zeigen biblischen Szenen, in denen der Wein eine Rolle spielt.

Redaktionelle Bearbeitung: Valentina Prljic

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. Juni 2024 | 19:00 Uhr

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