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Das moderne Zentralgebäude der Stadtbibliothek in Magdeburg täuscht, die Einrichtung blickt auf eine fast 500-jährige Geschichte zurück. 1525 wurde die Bibliothek eines Klosters der Stadt überlassen. Bildrechte: dpa

Mehr als Bücher

Stadtbibliothek Magdeburg: Bücher, High-Tech, Bürgertreff

Stand: 09. Februar 2021, 04:00 Uhr

Obwohl die Stadtbibliothek Magdeburg auf eine beeindruckende, fast 500-jährige Geschichte zurückblickt, hat sie sich fit für die Zukunft aufgestellt. Bereits 14.000 Leser haben einen Mitgliedsausweis und man bietet im Jahr rund 900 Veranstaltungen wie Führungen, Lesungen oder Vorlesenachmittage an, wenn nicht gerade ein Corona-Lockdown ist. Warum zu ihrem Innovationskonzept sogar 3D-Drucker gehören? Sachsen-Anhalt-Korrespondentin Sandra Meyer hat sich für MDR KULTUR informiert.

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Mehr als BücherStadtbibliothek Magdeburg: Bücher, High-Tech, Bürgertreff

Nicht viele Menschen wissen, dass die Magdeburger Bibliothek eine fast 500-jährige Geschichte hat. Äußerlich ist diese lange Geschichte nicht zu erkennen, in der Bibliothek sind weder alte Bücherregale noch repräsentative Folianten zu sehen. Das Ambiente in dem ehemaligen Warenhaus wirkt eher schlicht und funktional.

Bibliothek als ein Ort für Alle

Man versteht sich eben als moderne, öffentliche Bibliothek, sagt Maik Hattenhorst, zuständig für das Veranstaltungsangebot. Die Bibliothek habe "den Anspruch, Wissensdienstleister zu sein, darüber hinaus aber möchten wir für die Bürger da sein, und zwar für jeden mit einem möglichst niederschwelligen Zugang", führt er fort. "Ein Ort für alle, ein dritter Ort neben dem Arbeitsbereich und dem privaten Bereich. Und dieses Konzept beinhaltet, dass man hier seine Freizeit verbringt, Leute treffen kann, mit Freunden gemeinsam mit uns Literatur entdeckt und auch viele, viele neue Angebote zum Selbermachen und zum Mitmachen."

Eine Ausleihe elektronischer Medien wie E-Books gibt es in der Stadtbibliothek Magdeburg schon seit vielen Jahren. Bildrechte: dpa

Diese vielseitige Ausrichtung betrifft insbesondere den medienpädagogischen Bereich. Neu aufgestellt hat Teamleiterin Miriam Schmidt nun vor allem Kinder und Familien in den Blick genommen: Es gibt regelmäßig Vorlesestunden, aber auch das sogenannte "Bilderbuchkino", das auch via Zoom-Konferenz im Shutdown weitergeführt wird. Das Konzept führt die Stadtbibliothek gemeinsam mit der Freiwilligen-Agentur Magdeburg und der integrativen Kita Kinderland aus - und das sogar mehrsprachig.

Das Beispiel soll auch auf jeden Fall Schule machen, dass wir nicht nur hier vor Ort, in den Bibliotheken unser Angebot vorhalten, sondern auch eine ganze Menge digital und später hoffentlich auch wieder Hybrid anbieten können.

Miriam Schmidt über das Bilderbuchkino

Die Neuen Medien spielen aber nicht erst seit Corona eine gewichtige Rolle, es geht Schmidt viel mehr um Medienbildung und den kreativen Umgang mit ihnen. Man wolle in der Bibliothek nicht nur Tablets anbieten, sondern dies auch als ein digitales Angebot an die Schulen weitergeben. Außerdem sei man dabei, ein Text-Adventuregame zu erstellen, das man auch von zu Hause aus spielen kann. Ebenso ist geplant, dass die jungen Bibliothekliebhaber und -liebhaberinnen eigene Rezensionen und sogar eigene Videos hochladen und vorstellen können.

Von Gutenberg bis zum 3D-Druck

Die Bibliothek wird so zum Ort der Macherinnen und Macher, an dem Talente und Fähigkeiten eingebracht werden können. Alle sollen mit- und voneinander lernen, wenn sie gemeinsam analog-handwerklich, aber genauso auch im digitalen Raum kreativ sind. Daher gibt es Häkelnachmittage ebenso wie das Ausprobieren von 3D-Druckern – was man dann wiederum mit klassischen Lerninhalten verbindet. Der 3D-Drucker im Haus wird so beispielsweise eingesetzt, um einer Klasse ihren Namenszug auszudrucken, so Schmidt.

Wir haben Veranstaltungen, bei denen wir von der nachgebauten Gutenberg-Presse mit Drucken wie zu Luthers Zeiten den Bogen schlagen, über das Schreiben mit der Feder, über das Ausmalen von Intarsien auf einem Blatt Papier, bis hin zu dem 3D-Drucker, zur Erstellung von Schriftzügen mit der ganz modernen Technik.

Miriam Schmidt

Inspirationen, die Potentiale erwecken

Auch 3D-Druck bietet die Stadtbibliothek an. Bildrechte: Uwe Walter

Die Bibliotheks-Angebote haben  unterschiedliche Schwerpunkte. Mal geht es um Musik, mal werden Roboter gebaut. Es sind Themen, die manch skeptisches Schulkind regelrecht beflügeln können, erzählt Schmidt: "In dieser Klasse war ein Mädchen, die sagte 'Oh, nein, Roboter – wie schrecklich! Kann ich mich nicht in die Ecke setzen und ein Buch lesen, einfach warten, dass diese Stunde vorbeigeht.' Und wir haben gesagt: 'Ach, Mensch, probiere es doch mal!' Und sie kam hinterher zu mir und sagte: 'Oh, das war so toll – und ich wünsche mir jetzt zu Weihnachten auch so einen Roboter-Bausatz.' Also, das war für mich ein superschönes Erlebnis."

Ein Kooperationspartner der Zivilgesellschaft

So versucht die Bibliothek, ein Forum für alle zu werden. Wovon auch die ca. 900 jährlichen Veranstaltungen zeugen, ob Ausstellungen, Vorträge oder Lesungen. Man versteht sich auch als Kooperationspartner der Zivilgesellschaft, sagt Hattenhorst:

Das können Themen sein wie eben die innerpolitische Auseinandersetzung zum 16. Januar, Gewalt gegen Frauen – also auch aktuelle Diskussionen um Geschlechterrollen und dergleichen mehr.

Maik Hattenhorst

Ein passendes Angebot – auch in Corona-Zeiten

Das Interesse spricht für sich, rund 30.000 Menschen nutzen diese Angebote. Durch Corona hat nun vor allem die "Onleihe" zugelegt – also das digitale Ausleihen. Auch da ist man gut aufgestellt und mit dem Streaming-Dienst "Filmfriend" sogar für ausgewiesene Cineastinnen und Cineasten attraktiv.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 09. Februar 2021 | 13:10 Uhr