Ausflugstipps "Tag des offenen Denkmals": Neun Sehenswürdigkeiten in Thüringen

Jedes Jahr öffnen am zweiten Septemberwochenende zum "Tag des offenen Denkmals" bundesweit historische Orte, die sonst nicht oder nur teilweise für Besucherinnen und Besucher zugänglich sind. Unter dem Motto "KulturSpur. Ein Fall für den Denkmalschutz" sind am 11. September 2022 in Thüringen zahlreiche Denkmäler geöffnet – darunter Kirchen, Mühlen und Burgen, ebenso wie Friedhöfe und historische Parkanlagen. MDR KULTUR stellt Ihnen eine kleine Auswahl vor.

Die Villa Bergfried des Schokoladenfabrikanten Ernst Hüther liegt in einer 20 Hektar großen Parkanlage.
Die Villa Bergfried des Schokoladenfabrikanten Ernst Hüther liegt in einer 20 Hektar großen Parkanlage. Bildrechte: MDR/Rolf Sakulowski

Saalfeld: Park und Villa Bergfried

Der Bergfried-Park liegt auf einer Anhöhe mit Blick auf die Stadt Saalfeld. Der unter Denkmalschutz stehende Park wurde in den 1920er Jahren von dem Schokoladenfabrikanten Ernst Hüther angelegt. Herzstück ist die herrschaftliche Fabrikantenvilla mit Marmor-Badezimmer, Weinkeller und Schwimmbad. Weiter gehören zu dem 20 Hektar großen Park unter anderem das Torhaus und die frühere Gärtnerei, ein japanischer Garten, ein Glockenturm mit einem der ältesten Glockenspiele seiner Art in Deutschland, ein Tennisplatz, ein Seerosenteich und eine Grotte.

Das geheimnisvoll-romantische Nymphäum im Bergfriedpark.
Das geheimnisvoll-romantische Nymphäum im Bergfriedpark in Saalfeld. Bildrechte: MDR/Rolf Sakulowski

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Park und Villa Bergfried
Bergfried 1
07318 Saalfeld/Saale  

Öffnungszeiten: Die Parkanlage ist täglich von 7:30 Uhr bis 20 Uhr frei zugänglich.

Führungen durch die Villa werden regelmäßig angeboten. Aktuelle Termine sind auf der Website zu finden.
Eintritt: 6 Euro
Dauer: 2 Stunden

Kreativ-Sanatorium Löhma

Ein Ort zum Gesundwerden mitten im Grünen, südlich des Hohenwarthe-Stausees: das alte Sanatorium von Löhma liegt zwischen Wiesen, Feldern und Wäldern mitten im Naturpark Thüringer Schiefergebirge. Bis vor kurzem hatten sich Bäume und Büsche bis dicht ans Gebäude genähert, alles war völlig verwildert. Das alte Sanatorium ist ein beliebter Lost Place, ein verlassener Ort, den immer mal Neugierige besuchten, wie zahlreiche Fotos im Internet beweisen. Doch mit dem Dornröschenschlaf ist es nun vorbei. Ralph Dierich, Immobilienentwickler aus Weimar mit einem großen Faible für Kultur, hat das Sanatorium im vergangenen Herbst von der Landesentwicklungsgesellschaft abgekauft, um es vor dem Verfall zu retten. Für den Gebäudekomplex plant er einen Nutzungsmix zu finden, der Wohnen, Arbeiten, Kunst, Kultur, Gemeinschaftsräume und -bildung integriert.

Innenansicht des Sanataoriums Löhma
Für das Sanatorim Löhma gibt es neue Pläne für eine künftige Nutzung. Bildrechte: Mareike Wiemann/MDR

Ein Nutzungsmix in einem Haus, das in den 50er Jahren zunächst als Unterkunft für die Talsperren-Bauarbeiter errichtet wurde. Ab 1965 begann dann der Sanatoriumsbetrieb. In den ersten Jahren kamen Menschen mit Magen-Darm-Beschwerden hierher, später dann Diabetiker. Heute gilt der Komplex architektonisch als bedeutendes Zeugnis der frühen DDR-Moderne. Die lichten Aufgänge entführen mit ihren geschwungenen Treppen in diese Zeit, auch die Fensterfront mit der schlichten Balkonbrüstung. Im Foyer begrüßt ein gekacheltes Wandbild, auf dem schwitzende nackte Männer und Frauen abgebildet sind. Erstmals seit 25 Jahren werden am "Tag des offenen Denkmals" Führungen angeboten.

Eine Empfehlung von Mareike Wiemann, Landeskorrespondentin Thüringen.

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Kreativ-Sanatorium Löhma
Sanatoriumstraße 10
07338 Leutenberg

Führungen am "Tag des offenen Denkmals" am 11. September 2022 zwischen 10 und 16 Uhr
Eine Anmeldung vorab ist erforderlich!

Weimar: Druckgrafisches Museum

Die Pavillon-Presse befindet sich in einem Hausensemble aus dem 15./16. Jahrhundert mir drei Renaissance-Fenstergewänden mit Steinmetzzeichen und Bohlenstube im Obergeschoss – einem der ältesten erhaltenen Genäude der Stadt. Das Druckgrafische Museum bewahrt Zeugnisse der Kulturtechniken des Schreibens, Lesens und Druckens. Besucherinnen und Besucher bekommen Druckformen, Schriften und viele betriebsfähige Maschinen aus mehreren Jahrhunderten zu sehen. Sonderausstellungen, Führungen und Workshops ergänzen das Museums-Programm.

Druckgrafisches Museum Pavillon-Presse Weimar
Bildrechte: IMAGO / Schöning

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Pavillon-Presse
Scherfgasse 5
99423 Weimar

Öffnungszeiten: Montag: 13 bis 17 Uhr; Freitag: 13 bis 17 Uhr; sowie nach Absprache
Öffnungszeiten am "Tag des offenen Denkmals" am 11. September 2022: 10 bis 16 Uhr

Eintritt:
Führung: Erwachsene 6 Euro / ermäßigt 4 Euro; Kinder bis 14 Jahre sind frei.
Sonderausstellung ohne Führung: frei
Dauer: 1 Stunde

Schloss Bedheim

Am "Tag des offenen Denkmals" wird der Architekt Florian Kirfel-Rühle sein Studio Gründer Kirfel auf Schloss Bedheim in Südthüringen öffnen und Führungen anbieten. Im zwölften Jahrhundert wurde Bedheim zu Füßen der östlichen Gleichberge-Ausläufer erstmals erwähnt. Im 16. Jahrhundert entstand das Renaissance-Schloss. 1774 kaufte Prinz Joseph von Sachsen-Hildburghausen das Schloss als Sommerresidenz. Vier Jahre später kommt es in Besitz der Familie Rühle von Lilienstern. 1823 wird es unter den Familienmitgliedern aufgeteilt. Florian Kirfel-Rühles Urgroßonkel und seinerzeit Schlossherr Hugo Rühle von Lilienstern zeigte 1935 in Schloss Bedheim seine bedeutende paläontologische Sammlung. Gegen eine Ausnahmegenehmigung ging sie zu Zeiten der DDR an den Staat. In das Schloss zog eine Schule ein, später verfiel es. 1993 begann der Wiederaufbau. Florian Kirfel-Rühle entwickelte ein Nutzungskonzept im Rahmen der Restaurierung und Ergänzung der barocken Schloßanlage, welches seither Jahr um Jahr umgesetzt wird. So gibt es ein Behindertenwohnheim, eine Schlossgärtnerei, ein kleines Museum und ein Gartencafé.

Blick auf eine historische Schlossanlage
Das Schloss und ehemalige Rittergut Bedheim ist eine fast vollständig erhaltene Gutshofanlage. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Schloss Bedheim
Dr.-Rühle-von-Lilienstern-Straße 28
98646 Römhild

Veranstaltungen am "Tag des offenen Denkmals":
10. September 2022: Konzert auf zwei Orgeln I 17 Uhr I mit Prof. Jan Kalfuss, Prag
11. September 2022: Ab 13 Uhr stündliche Führungen durch Schloss und Gärtnerei von 14 bis 17 Uhr, Ausstellung im Schloss zum Kinderkunstprojekt "Farbklexperten",
aus der Schlossgärterei Angebot von Produkten aus eigenem Anbau und kreatives Gestalten. Die kleine Goldschmiede ist geöffnet, ebenso das Gartencafé.

Wasserburg Niederroßla

Seit mehr als 1.000 Jahren steht die Wasserburg schon in Niederroßla im Weimarer Land gehört. Das Wahrzeichen der Burg, der Schlossturm, auch Bergfried genannt, ist mit seinen 57 Metern einer der höchsten Deutschlands. Hingucker sind auch die großen Fenster mit spätgotischer Birnstab-Profilierung und Überkreuzung aus dem Mittelalter und der ehemalige Wohnraum, der inzwischen als Ausstellungsraum dient. Zum Denkmaltag neben den Führungen ein bunter Burgmarkt mit einem Zinnfigurenstand, es kann gefilzt werden und das Burgcafé hat auch geöffnet.

Eine historische Burganlage
Die historische Burganlage in Niederroßla im Weimarer Land Bildrechte: imago/Bild13

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Wasserburg Niederroßla
Schlosshof 8
99510 Niederroßla

Öffnungszeiten
Führungen und Burgmarkt am "Tag des offenen Denkmals" am 11. September 2022: 10 bis 17 Uhr

Der Eintritt ist frei.

Jena: Bockwindmühle Krippendorf

Die 1738 erbaute historische Bockwindmühle Krippendorf wurde 2007 durch den Orkan Kyrill vollständig zerstört. Nach aufwendigen Sanierungsarbeiten konnte sie nach historischem Vorbild restauriert werden. Am Tag des offenen Denkmals finden Führungen auf dem Mühlengelände statt, die spannende Hintergrundinfos zur Geschichte des Ortes vermitteln.

Bockwindmühle Krippendorf
Ein malerisches Szenario bietet sich an der Bockwindmühle Krippendorf. Bildrechte: Karsten Seifert

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Bockwindmühle Krippendorf
Zur Windmühle
07751 Jena

Öffnungszeiten:
Die Mühle hat regelmäßig an Aktionstag für Besichtigungen geöffnet.
Öffnungszeiten am "Tag des offenen Denkmals", 11. September 2022: 10 bis 17 Uhr

Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro
Kinder unter 10 Jahren sind frei.

Westgreußen: Archäologische Freilichtanlage Funkenburg

In Westgreußen über dem Helbetal liegt eine rekonstruierte Germanensiedlung. Beim Bau wurden fast ausschließlich Materialien verwendet, die auch in der Entstehungszeit 200 vor Christus vorhanden waren. In der Freilichtanlage werden die eisenzeitliche Alltagskultur sowie frühere Lebens- und Arbeitsweisen auf historisch authentische Weise vermittelt.

Archäologische Freilichtanlage Funkenburg
Die archäologische Freilichtanlage Funkenburg in Westgreußen Bildrechte: Elgina Müller

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Archäologische Freilichtanlage Funkenburg
Rohnstedter Straße
99718 Westgreußen

Öffnungszeiten:
Ostern bis Oktober
Mittwoch bis Sonntag: 12 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung
Führungen werden für Gruppen mit mindestens 10 bis maximal 25 Personen angeboten.
Kreativangebote (z.B. Filzen oder Weben) für Kinder bzw. Schulklassen kosten 5 Euro pro Person.

Eintritt: Erwachsene 4 Euro (ermäßigt 2 Euro, Kinder 4 Euro

Buttstädt: Älteste erhaltene Friedhofsanlage in Thüringen

Der Buttstädter Friedhof (Camposanto) ist die älteste erhaltene Friedhofsanlage in Thüringen. Das Gelände wurde 1591 nach dem Vorbild der italienischen Camposanti angelegt und bis 1861 benutzt. Noch heute finden sich auf dem denkmalgeschützten historischen Friedhof beeindruckende Grabsteine aus Rennaissance, Barock, Rokoko und Klassizismus.

Alter Buttstädter Friedhof
Der alte Buttstädter Friedhof wurde nach italeinischem Vorbild angelegt. Bildrechte: Olaf Bauer

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Buttstädter Friedhof (Camposanto)
Am Alten Friedhof 10
99628 Buttstädt

Öffnungszeiten:
Eine Besichtigung des Camposanto ist jederzeit möglich. Der Schlüssel zum historischen Friedhof ist beim Vereinsvorsitzenden Herrn Erich Reiche erhältlich. Für Führungen wird um telefonische Anmeldung gebeten.
Öffnungszeiten am "Tag des offenen Denkmals" am 11. September 2022: 10 bis 17 Uhr

Der Eintritt ist frei.

Schloss und Park Tiefurt

Schloss und Park Tiefurt galten einst als "Musenort" der Weimarer Hofgesellschaft: Knapp vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt bot sich hier ein ruhiges Idyll mit einem weitläufiger Grünanlage. Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach empfing hier zahlreiche Gäste, darunter Goethe, Herder und Schiller. Die Hochzeit des Schlosses dauerte rund 150 Jahre an – 1765 gebaut, wurde es bereits 1806 durch französische Truppen geplündert. Erst Anna Amalias Enkel Carl Friedrich richtete ab 1820 das Schloss neu ein.

Auch heute ist Tiefurt ein wunderbarer Rückzugsort: Viele Touristen treten den Weg in den etwas abseits gelegenen Stadtteil nicht an, so dass man in dem 21 Hektar großen Park manchmal fast alleine ist.

Musentempel im Schlosspark Tiefurt in Weimar
Der Musentempel im Schlosspark Tiefurt in Weimar Bildrechte: IMAGO

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Schloss Tiefurt
Hauptstraße 14
99425 Weimar-Tiefurt

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag 11 - 17 Uhr

Eintrittspreise: Erwachsene 3,50 Euro / ermäßigt 2,50 Euro / Schülerinnen und Schüler (16 bis 20 Jahre) 1 Euro.

Weltkriegsbunker erstmals in Nordhausen zugänglich

Am Sonntag ist der Nordhäuser Splitterschutzgraben aus dem Zweiten Weltkrieg erstmals der Öffentlichkeit zugänglich. Wie eine Sprecherin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWG) informiert, werden Führungen zwischen 10 und 14 Uhr vom Heimatforscher Michael Garke angeboten. Anlass der Öffnung ist der Tag des Denkmals. Der 50 Meter lange Splitterschutzgraben wurde zwischen 1943 und 1944 gebaut. Er bot bei Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg ungefähr 200 Nordhäusern Schutz vor herumfliegenden Bombensplittern. Die Anlage gilt als thüringenweit einzigartig, weil sie auch nach 80 Jahren gut erhalten ist. Laut SWG wurde die Anlage vor kurzer Zeit zufällig wiederentdeckt.

Bild von zwei Bunkergängen, die in die Tiefe führen
Blick in den alten Bunker. Bildrechte: Michael Garke/Wohnungsbaugesellschaft mbH Nordhausen

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Unterhalb des Spendenkirchhofs
Georgengasse 5
99734 Nordhausen

Öffnungszeiten: Sonntag 10 bis 14 Uhr

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