Kulturorte unter Tage Sachsen unter Tage: Bergwerke und Stollen im Freistaat entdecken

Unterirdische Seen, tiefe Stollen und verborgene Inschriften gibt es in Plauen, Berggießhübel, Johanngeorgenstadt und Grünhain-Beierfeld zu entdecken: Die ehemaligen Bergwerke im Erzgebirge und in der Sächsischen Schweiz sind heute Schaubergwerke und somit für Besucherinnen und Besucher zugänglich. MDR KULTUR hat für Sie beliebte Ausflugsziele im Freistaat Sachsen gesammelt, die ein einmaliges Kulturerlebis unter Tage versprechen.

Marie-Louise-Stolln in Berggießhübel
Bildrechte: Achim Meurer

Plauen: Alaunbergwerk "Ewiges Leben"

Im Bergwerk "Ewiges Leben" in Plauen wurde zwischen 1542 und 1826 Alaunschiefer abgebaut. Die jahrhundertealte Geschichte des Bergbaus im Vogtland lässt sich heute auf den von Experten begleiteten einstündigen Rundgängen durchs ehemalige Alaunbergwerk ergründen. Dabei passiert man spannende bergbauliche Relikte, darunter eine im Jahr 2000 im Altbergbau aufgefundene, in das Ganggestein gehauene Inschrift. Weitere Besonderheiten im Bergwerk sind der Tages- und Wetterschacht, die Brunnenstrecke sowie eine Waffenausstellung mit den im Bergwerk gefundenen Waffen. Frei nach dem Motto "Plauen unter Tage" kann zudem das Luftschutzmuseum am Schloßberg und der Zollkeller an der Neundorfer Straße besichtigt werden. Unweit von Plauen entfernt liegt im kleinen Örtchen Syrau nahe der Windmühle eine beeindruckende Tropfsteinhöhle, auch Drachenhöhle genannt. Ebenfalls im Vogtland nahe Klingenthal kann der Besucherstollen am Schneckenstein in Tannenbergsthal besichtigt werden.

Alaunbergwerk Plauen
Blick ins Alaunbergwerk Plauen Bildrechte: Igor Pastierovic

Mehr Informationen zum Alaunbergwerk "Ewiges Leben" Adresse:
Haupteingang Reichsstraße I 08523 Plauen

Öffentliche Verkehrsmittel:
Sie erreichen das Plauener Stadtzentrum via Bus und Straßenbahn. Auskünfte erhalten Sie bei der Tourismus- und Verkehrszentrale Vogtland.

Eine telefonische Voranmeldung unter der Nummer +49 3741-529 426 oder per E-Mail an mueller-bergwerk@t-online.de ist erforderlich, da das Bergwerk keine regulären Öffnungszeiten hat.

Eintrittspreise:
Erwachsene: 5 Euro, ermäßigt: 3 Euro

Das Bergwerk ist barrierefrei und für Menschen im Rollstuhl mit Begleitperson zugänglich.

Parkplätze im Parkhaus des Einkaufszentrums "Kolonnaden".

Seilitz: Das kleinste Bergwerk Deutschlands

Bergleute schieben Loren durch die Stollen der Kaolingrube Seilitz.
Bergleute schieben Loren durch die Stollen der Kaolingrube Seilitz. Bildrechte: imago images/Sylvio Dittrich

Das Bergwerk der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen in Seilitz, einem Ortsteil der sächsischen Gemeinde Diera-Zehren, ist das kleinstes Bergwerk Deutschlands. Die älteste noch in Betrieb stehende Kaolingrube Europas beliefert Firmen auf der ganzen Welt mit dem begehrten Gestein. Rund 20 Arbeitskräfte produzieren jährlich 12.000 Tonnen aufbereitete Porzellanerde.

Das Betreten des Bergwerks ist für Touristen zwar nicht gestattet, im vier Kilometer entfernten Bergbau-Museum in Mehren mit dem Ton- und Kaolinschacht "Glückauf" erhält man jedoch spannende Einblicke in die über 200-jährige Geschichte des Kaolinabbaus. Ausstellungsstücke wie Arbeitsgeräte, Grubenlampen und Festtagskleidung der Bergleute zeugen von der reichen Bergbau-Tradition der Region. Das Außengelände mit übertägiger Schachtanlage, Seilbahnbeladestation und 50 Meter langer Schau-Stollenanlage ist eine Kopie des Seilitzer Kaolinstollens und kann nach vorheriger Anmeldung gemeinsam mit Bergbauführern besichtigt werden.

Mehr Informationen zum Bergwerk Seilitz Seilitz liegt links der Elbe südlich der Staatsstraße 32 und nördlich der Kreisstraße 8070 auf einem kleinen Plateau.

Bergbau-Museum Mehren mit Glückauf Schacht
Mehren 2B I 01665 Käbschütztal

Führungen nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung
unter der Nummer 03521 / 416370

Parkplätze sind vorhanden

Berggießhübel: "Marie Louise Stolln"

Marie-Louise-Stolln in Berggießhübel
Täglich finden begleitete Expeditionen durch den Stollen statt. Bildrechte: Achim Meurer

Im "Marie Louise Stolln", der zwischen 2003 und 2006 saniert und zum Besucherbergwerk hergerichtet wurde, lässt sich Bergbaugeschichte hautnah erfahren: Zum ehemaligen Bergwerk am Rande der Sächsischen Schweiz im Kurort Berggießhübel zählten bereits um 1600 etwa 90 Gruben, Stollen und Schächte; etwa 300 Bergleute fanden hier einst im Erzabbau Beschäftigung. Heute ist das Begehen des Stollens nur mit geschulten Bergwerksführern und unter Einsatz von Schutzhelmen möglich: Auf den täglich stattfindenden 90-minütigen Führungen taucht man hinab in die Welt unter Tage und erreicht nach etwa 400 Metern das ehemalige Erzlager, den großen Hohlraum des "Mutter-Gottes-Lagers" mit einem unterirdischen See. Im Bergwerk herrschen ganzjährig gleichbleibende, klimatische Bedingungen bei etwa 8 bis 10 Grad – warme Kleidung und festes Schuhwerk sind auf diesem Ausflug daher unentbehrlich.

Marie-Louise-Stolln in Berggießhübel
Im Innersten des "Marie-Louise-Stollen" befindet sich ein smaragdgrüner See. Bildrechte: Achim Meurer

Mehr Informationen zum "Marie Louise Stolln" Adresse:
Talstraße 2 A I 01816 Kurort Berggießhübel
Sächsische Schweiz

Adresse für Navigationssysteme: Sebastian-Kneipp-Platz 2 I 01816 Berggießhübel
Ausschilderung "Besucherbergwerk" folgen

Öffentliche Verkehrsmittel:
Buslinien 219 und 216 vom Busbahnhof Pirna, Ausstieg Berggießhübel "Kurhaus".

Öffnungszeiten:
Montag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr.

Der Zutritt in das Bergwerk ist für Kinder ab 5 Jahren gestattet.

Führungen finden täglich bis 15 Uhr statt. Vorab-Buchung von Online-Tickets auf marie-louise-stolln.de wird empfohlen.

Eintrittspreise:
Erwachsene: 12 Euro, ermäßigt: 10 Euro

Johanngeorgenstadt: Lehr- und Schaubergwerk Frisch Glück "Glöckl"

1658 wurde man auf der Suche nach Silbererzen in der kurz zuvor gegründeten Bergstadt Johanngeorgenstadt im südlichen Teil des Erzgebirgskreises erstmals fündig. 1671 wurde mit der Errichtung eines Stollens am Hinteren Fastenberg begonnen. In Höchstzeiten förderten Bergmänner Erze mit einem Reinsilbergehalt von 9.200 Kilogramm aus der Grube. Heute ist aus dem ehemaligen Bergwerk das Lehr- und Schaubergwerk Frisch Glück "Glöckl" geworden. Hier haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, die Geschichte vom Silberbergbau bis zur SDAG Wismut am eigenen Leib zu erfahren: Auf den begleiteten Führungen darf sogar selbst Hand anlegt werden, um hautnah zu erfahren, unter welchen Bedingungen die Bergleute einst im Bergwerk Johanngeorgenstadt gearbeitet haben.

Johanngeorgenstadt Schaubergwerk
Blick ins Schaubergwerk Frisch Glück "Glöckl" Bildrechte: Schaubergwerk Frisch Glück "Glöckl"

Mehr Informationen zum Schaubergwerk "Glöckl" Adresse:
Wittigsthalstraße 15 I 08349 Johanngeorgenstadt

Führungs- und Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag jeweils um 9, 10:30, 12:00, 13:30 und 15 Uhr; Samstag, Sonntag und Feiertag jeweils um 10:30, 12, 13:30 und 15 Uhr

Geeignet für Kinder ab 5 Jahren

Grünhain-Beierfeld: Schaubergwerk "Herkules-Frisch-Glück"

In Sachsens ältestem Schaubergwerk "Herkules-Frisch-Glück" in Grünhain-Beierfeld erwartet Sie in über 80 Metern Tiefe eine einzigartige Atmosphäre. Auf mehrmals pro Tag angeboteten Führungen durch das Bergwerk erhalten Sie inmitten von Marmorsälen und unterirdischen Seen eindrucksvolle Einblicke in die ehemalige Bergbautätigkeit im sächsischen Erzgebirgskreis. Wer möchte, kann sich im Schaubergwerk "Herkules-Frisch-Glück" sogar selbst am Marmorabbau üben.

Schaubergwerk Waschleithe "Herkules-Frisch-Glück"
Schaubergwerk Waschleithe "Herkules-Frisch-Glück" Bildrechte: Schaubergwerk Waschleithe Herkules-Frisch-Glück

Mehr Informationen zum Schaubergwerk "Herkules-Frisch-Glück" Adresse:
Am Fürstenberg 6 I 08344 Grünhain-Beierfeld

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag mit
Führungen um 13, 14 und 15 Uhr

Bergwerksbesuch für Kinder ab 4 Jahren

Eintrittspreise:
Erwachsene: 8 Euro, Kinder: 4 Euro

Zschorlau: Silberbergwerk St. Anna am Freudenstein

Bereits im Jahr 1474 begann der Bergbau am Freudenstein: Damit ist das Schaubergwerk St. Anna in Zschorlau heute eine der ältesten Gruben des bekannten Schneeberger Bergbaureviers. Insbesondere die reichhaltigen Silbervorkommen verhalfen dem Bergwerk zu großer Bekanntheit. Bis 1873 wurden jedoch auch andere Erz-Arten wie Kobalt und Quarz abgebaut. Seit 1990 ist das Bergwerk für Besucher zugänglich. Auf begleiteten Führungen erhält man Einblicke in das harte Berufsleben der Bergmänner und passiert zahlreiche Relikten aus vergangenen Zeiten: Darunter zum Beispiel die Radstube, den Freudensteiner Kunst- und Tagesschacht sowie gewaltige Silberabbaue – passende Bergwerksausrüstung wird beim Besuch gestellt.

Besucherbergwerk Zschorlau
Im Besucherbergwerk Zschorlau Bildrechte: Wolfgang Georgi

Mehr Informationen zum Silberbergwerk Sankt Anna am Freudenstein Adresse:
Talstraße 1
08321 Zschorlau

Telefonnummer: 0157 59628106

Führungen:
Mittwoch: 16 Uhr
Samstag: 10 Uhr
und nach Vereinbarung
Dauer: circa 1,5 h

Eintrittspreise:
Kinder: 6 Euro
Erwachsene: 8 Euro

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Juli 2021 | 07:10 Uhr

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