Ausflugstipp Park Tiefurt zur Buga – ein Gartenkunstwerk aus längst vergangenen Zeiten

Der Park Tiefurt ist ein Ort der Muse und des Schöngeistes: Schon die Weimarer Hofgesellschaft liebte diesen Park nahe der Stadt. Goethe, Herder, Schiller und Wieland ließen sich hier inspirieren. Und die Herzogin Anna Amalia richtete sich dort 1781 ihren Sommersitz ein. Heute gehören der Tiefurter Park und das kleine Schlösschen zu den Außenstandorten der Bundesgartenschau in Erfurt. Der Ilmradweg führt dort vorbei und die Wiesen laden zum Picknicken ein. MDR KULTUR-Reporterin Blanka Weber hat ihn besucht.

Ein kleiner Pavillon mit einer Frauenskulptur steht inmitten von Blumenrabatten
Ein Pavillon im Park Tiefurt. Der Buga-Außenstandort lockt mit seinem historischen Ambiente aus der Zeit um 1800 Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Nur wenige Kilometer trennen das ehemalige Dorf Tiefurt von der Weimarer Innenstadt. Heute ist es ein Ortsteil von Weimar. Einer, der für den ausgedehnten Park mit altem Baumbestand und geschwungenen Wegen steht, für große Wiesen und das Flüsschen Ilm.

"Das Besondere am Tiefurter Park ist, dass der Besucher hier noch ein ganz authentisches Gartenkunstwerk so etwa aus der Zeit um 1800 erleben kann", erklärt Katja Pawlak, die den jetzigen BUGA-Außenstandort Tiefurt für die Klassik Stiftung Weimar betreut. Der Park sei ein sentimentaler Landschaftsgarten "mit vielen Denkmälern, die an Personen erinnern, die mit dem Weimarer Hof sehr verbunden waren." Darüber hinaus gebe es Denkmäler für Vergil und Mozart.

Lieblingsort von Herzogin Anna Amalia

Eine Holzbrücke führt über einen Fluss.
Herzogin Anna Amalia ließ den Park Tiefurt nahe Weimar anlegen. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Ohne die einstige Herzogin Anna Amalia wäre das alles wohl nicht so entstanden. Zumal eine Tragödie im Jahr 1784 der Anlass war, wie Pawlak erklärt. Damals sei das Residenzschloss in Weimar bis auf die Grundmauern abgebrannt. Deshalb habe die Herzogin für sich und ihre zwei erwachsenen Söhne standesgemäße Räume benötigt. Sie selbst bezog ein barockes Stadtpalais in der Altstadt von Weimar. "Sohn Konstantin kommt hier dann her 1776 mit dem Prinzenerzieher Carl Ludwig von Knebel. Und das ist der Startschuss für den Schlosspark Tiefurt", so Pawlak.

Etwa 21 Hektar sind es heute – ein Park im nunmehr englischen Stil mit vielen kleinen, versteckten Überraschungen: Steintafeln, Gedenkplätze, Erinnerungstafeln nicht nur für Mozart – auch eine Büste von Christoph Martin Wieland ist zu finden, Philosoph und einstiger Lehrer der Kinder von Anna Amalia. 

Landschaftlich reizvoll gelegen

Und es gibt ein schmuckes Teehäuschen, genauso wie einen blütenweißen Pavillon mit Säulen und Bepflanzung rundum, der schon von weitem ins Auge sticht. Katja Pawlak hebt auch die besonders reizvolle Verbindung zur umgebenden Landschaft hervor: "Der Park liegt in der Ilmschleife. Gegenüber von diesem kleinen Schlösschen über die Wiese hinüber gibt es dann den stark ansteigenden Hang und dieses Wechselspiel von flacher Wiesenlandschaft, die in die weitere Landschaft übergeht, und zwischen diesem gestalteten Ilmhang."

Musentempel am Fluss Ilm im Schloss und Landschaftspark Tiefurt
Der Park mit Schlösschen und altem Baumbestand ist weitgehend original erhalten. Bildrechte: imago/imagebroker

Wer das kleine, eher bescheidene, Schlösschen betritt, taucht ins 18. Jahrhundert ein. Besucherinnen und Besucher dürfen das Gebäude nur mit dicken Filzschuhen an den Füßen betreten, um dem kostbaren Parkett nicht zu schaden. Drinnen bestaunt man das wertvolle Porzellan in den Vitrinen und die Möbel: zierliches Interieur, geraffte Gardinen, goldfarbene Spiegel, ein Schreibpult. Immer wieder taucht die Farbe Grün auf, an den Wänden und in Verzierungen.  

Heute ein beliebtes Ausflugsziel

Schloss Tiefurt (2015)
Das Schloss Tiefurt war der Sommersitz von Herzogin Anna Amalia Bildrechte: imago images / Photocase

Durch kleine Fenster fällt von allen Seiten Licht. Spieltische, Musikinstrumente auf den Gemälden – ein Ort, an dem man das Leben, die Musik und den Sommer feierte. Wer nach dem Rundgang wieder den Park betritt, bekommt eine Ahnung, was Goethe, Herder, Schiller und Wieland hier empfunden haben. Im Park gab es damals eine kleine Bühne, so war die Idee der Herzogin. Allein die Natur war die Kulisse. 

Heute wird hier geradelt, gepicknickt oder gewandert. Die Parkverwaltung stellt sich auf noch mehr Gäste ein, die ohne Auto anreisen wollen, erklärt Katja Pawlak. Denn es gebe mehrere Radwege, die nach Tiefurt führten, etwa den Ilmtalradweg. "An der Kastanienallee werden wir einen kleinen Vorplatz schaffen und mit einem Angebot von Fahrradständern auch die Fahrradfahrer besser empfangen können."

Park Tiefurt ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes

Musentempel im Schlosspark Tiefurt in Weimar
Der Park fügt sich malerisch in die umgebende Landschaft ein. Bildrechte: IMAGO

Früher waren hier Felder und Wälder, bis Mitte des 19. Jahrhunderts der große Gartengestalter Pückler-Muskau das Areal betrat und mit Eduard Petzold die weitläufige Garten-Parklandschaft kreierte. Viele hohe Einzelbäume haben ein stattliches Alter und spenden bis heute im heißen Sommer ihren Schatten. 25 Jahre lang soll hier Anna Amalia ihren Lieblingssitz gehabt haben. Heute gehören Park und Schloss als Teil des "Klassischen Weimar" zum UNESCO-Weltkulturerbe. 

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Juli 2021 | 08:40 Uhr

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