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Werkstatt"Weimarer Kontroversen": Wie verstehen wir uns mit der Natur?

Gesprächsreihe

"Weimarer Kontroversen": Wie verstehen wir uns mit der Natur?

Stand: 20. April 2021, 04:00 Uhr

Es ist das Thema unserer Zeit: das Verhältnis von Mensch und Natur, das aus den Fugen geraten zu sein scheint. Dazu war in der Gesprächsreihe "Weimarer Kontroversen" die Direktorin des Alfred-Wegener-Institutes, Antje Boetius zu Gast. Sie ist auch als Leiterin der letzten Arktisexpedition des Forschungsschiffes "Polarstern" bekannt. Zusammen mit Ulrike Lorenz von der gastgebenden Klassik Stiftung Weimar diskutierte sie zu der Frage "Wie verstehen wir uns mit der Natur?" Erklärungen, Ideen und Lösungen.

Wie verstehen wir uns mit der Natur? – diese Frage wurde am Sonntagabend bei der ersten Ausgabe der Gesprächsreihe "Weimarer Kontroversen. Mensch - Natur - Beziehungskrise" nachgegangen. Im Gespräch dazu waren die Meeresbiologin Antje Boetius sowie Ulrike Lorenz von der gastgebenden Klassik Stiftung Weimar.

Kleine Schritte helfen auch

Boetius verwies auf die gewaltigen Bedrohungen für die Natur durch den Menschen:

Man muss ja nur mal vorstellen: jede achte Art – Pflanze und Tier – ist von uns Menschen gefährdet auf dem Planeten. Das sind Zahlen, das begreift man gar nicht, wie das gehen soll.

Antje Boetius, Meeresbiologin

Ulrike Lorenz, Reinhard Bärenz und Antje Boetius (v.l.n.r.) Bildrechte: Ulrike Richter/Klassik Stiftung Weimar

Zugleich führte Boetius bei dem Gespräch auch die Mittel an, die der Mensch hat, der Umweltkatastrophe entgegenzuwirken: "Das Besondere ist ja an der Natur, dass die kleinen Schritte, also wenn wir jetzt wieder eher zu Natur- und Umweltschutz kommen – die kleinen Schritte da draußen um uns herum, die machen einen Unterschied." Es sei eine fundamentale Chance, so Boethius weiter, "wenn wir bewahren, wenn wir Gärten so gestalten, Parks, wenn wir die Städte so gestalten, dass dort die neue Natur leben kann. Dann können mehr Arten überleben." Mit dem Modus der kleinen Schritte könne man sich auch die "Nervenkraft" bewahren und die Stärke, immer weiter zu machen.

Antje Boetius Bildrechte: imago/Reiner Zensen

Das ist wichtig, dass man nicht immer nur das Gefühl hat, es muss alles global von allen gleichzeitig gelöst werden, sondern dass jeder immer weiß: Das kann ich geben, das kann ich tun, hier ist mein Beitrag.

Antje Boetius

Demonstration von Schülern für Umwelt- und Artenschutz Bildrechte: imago images / Reichwein

Andere Zukunftsbilder schaffen

Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Ulrike Lorenz sieht auch die Kultur und die Geisteswissenschaft in der Pflicht, "grundsätzlicher an unsere Überzeugungen, an unser Menschenbild" ran zu gehen, wodurch man andere Zukunftsbilder schaffen könne: "Das könnte vielleicht ein Beitrag der Kultur- und Geisteswissenschaften sein, dass wir doch sehr viel kritischer uns selbst als Spezies noch hinterfragen müssen. Ist es möglich, in eine ökologisch verträgliche, lebenswerte Zukunft zu gehen, die langfristig die Spezies Mensch erhalten hilft – ohne dass wir unsere Standards aufgeben? Ohne dass wir das Wohlstandniveau [aufgeben], das wir erreicht haben, insbesondere in den westlichen Welten, die ja viel stärker Umwelt zerstören als andere Völker?"

Die sechsteilige Gesprächsreihe "Weimarer Kontroversen" findet im Rahmen des Themenjahres "Neue Natur" der Klassik Stiftung Weimar statt. Das Auftaktgespräch moderierte MDR KULTUR-Redaktionsleiter Reinhard Bärenz.

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 20. April 2021 | 22:00 Uhr