Sanierungen in der Altmark Privater Denkmalschutz: Wie die alte Hansestadt Werben zu neuem Leben erwacht

Die Bausubstanz vieler kleiner Städte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist eher schlecht. Viele Häuser stehen leer, gerade denkmalgeschützte Gebäude verwahrlosen. Eine Ausnahme ist die 1.000-Einwohner-Stadt Werben in der Altmark an der Elbe nahe Havelberg. Dort hat ab 2004 der Arbeitskreis Werbener Altstadt e.V. den zusehenden Verfall gestoppt. Er hat viele Privatleute angezogen und motiviert, marode Häuser zu kaufen und denkmalgerecht in Stand zu setzen.

Stadtansicht Hansestadt Werben an der Elbe
In Werben (Elbe) engagieren sich viele Privatleute bei der Sanierung denkmalgeschützter Häuser. Bildrechte: imago images/Peter Schickert

Fachwerk mit Geschichte – Johannes Zeilinger und seine Frau Ute Siedenhans sind schon ein bisschen stolz, wenn sie ihr restauriertes Denkmalensemble an der alten Stadtmauer in Werben zeigen: "Man sieht natürlich auch, dass wir das Haus mit alten Techniken wieder aufgebaut haben", erzählt Zeilinger. So habe man wieder neues Fachwerk gebaut, anstatt einfach Backsteine zu nehmen.

Werben, eine der kleinsten Hansestädte der Welt

Das Berliner Ehepaar, er Chirurg, sie Pilotin, hatten vor zehn Jahren auf einer Radtour das Städtchen an der Elbe für sich entdeckt. Werben ist berühmt als kleinste Hansestadt mit mächtiger Backsteinkirche und einem fast geschlossenen Stadtkern mit Fachwerk und Biedermeierarchitektur. Das Paar war entzückt und doch erschrocken von so viel marodem Leerstand.

"Es war ja doch eines der Häuser, die sehr baufällig waren, die auch vom Abriss bedroht waren und gleichzeitig aber städtebaulich hier eine ganz wichtige Funktion hatten", sagt Zeilinger. "Wir sehen immer wieder, wie viele Radfahrer da halten, sich das anschauen, fotografieren." Durch die Renovierung des Hauses habe das ganze Ensemble um die Salzkirche sehr gewonnen.

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Sanierung und Denkmalschutz – eine komplizierte Kombination

Zehn Jahre hat es am Ende gedauert – weniger das Bauen selbst als die Bürokratie: Grundbuchamt, Finanzierung – Zeilinger hat auch Gelder der Städtebauentwicklung beantragt. Und dann die Verhandlung mit der Denkmalbehörde: "Wir dachten natürlich ursprünglich, das Denkmalamt wird froh sein, wenn jemand kommt und ein altes Haus renoviert und uns unterstützen wollen." Aber so einfach sei es dann doch nicht gewesen, denn die untere Denkmalschutzbehörde sei aus seiner Sicht personell unterbesetzt und daher überfordert. "Man braucht halt Nerven dazu", meint Zeilinger.

Hinter einem Hagebuttenstrauch mit knallroten Früchten kommt bei Werben 2002 die Johanniskirche zum Vorschein.
Die Johanniskirche in Werben im Jahr 2002 Bildrechte: dpa

Um die zu stärken, ist man denn auch schnell Mitglied im Verein Arbeitskreis Werbener Altstadt geworden. Der kümmert sich seit 2004 um den Erhalt des historischen Stadtkerns. Finanziell gestärkt durch selbst organisierte Biedermeiermärkte, hat man als Gemeinschaftsaktion nicht nur die 300 Jahre alte Schule saniert und als Café gestaltet.

Auch die privaten Denkmalsanierer profitieren, schwärmt Ute Siedenhans. So gebe es in dem Verein Leute, die beim Sanieren schon Erfahrung hätten und auch einen professionellen Restaurator: "Man bekommt halt viel Unterstützung und man bekommt auch mal ein paar Leute, die einem bei der Arbeit helfen – also wenn man mal eine kleine Arbeitskolonne braucht, da finden sich halt immer Freiwillige, die mithelfen", sagt Siedenhans.

Jahrelanger Leerstand hinterlässt Spuren

Hungerturm und Kirche St. Johannis, Hansestadt Werben an der Elbe, Sachsen-Anhalt
Hungerturm und Kirche St. Johannis in Werben Bildrechte: imago images/Peter Schickert

Deshalb hat sich die 55-Jährige sogar entschlossen, ein weiteres Haus vor dem Verfall zu retten – motiviert auch von der Idee, selbst noch mal baulich kreativ zu werden: "Mich hat damals sehr begeistert das Handwerk, sowohl die Zimmermannsarbeiten als auch die Arbeiten mit den alten Baustoffen: Lehm, Strohgemische und Lehmputz." Das erste Haus an der Promenade hätten hauptsächlich Firmen hergerichtet. "Ich wollte jetzt noch mal ein kleines Haus machen, wo ich so ein bisschen selber Hand anlegen kann", so Siedenhans.

Bis dahin muss allerdings noch einiges passieren, denn nach jahrelangem Leerstand ist das Haus durch eintretendes Wasser äußerst marode, die Balken verrottet. Doch offensichtlich schreckt das nicht mehr ab. Im Gegenteil: Mittlerweile sind fast alle leerstehenden Häuser verkauft.

Wobei das noch nicht heiße, dass das Städtchen nun floriere, sagt Siedenhans. So gebe es noch immer kaum Zuzug, sondern es bauten sich hauptsächlich Leute ein Zweithaus. Es ziehe aber auch die eine oder andere Familie nach Werben – obwohl es dort keine Schule gebe. Immerhin werde die Stadt jetzt ans Breitband angeschlossen, sagt Siedenhans: "Das heißt, für Leute, die von zu Hause aus arbeiten können, wird Werben auch attraktiver, und das kann sich eigentlich nur positiv entwickeln. Und da wollen wir natürlich auf jeden Fall dabei sein."

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Januar 2022 | 18:20 Uhr

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