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Die Insel Stein mit Villa Hamilton und Vulkan in einer Aufnahme aus dem Jahr 2018 Bildrechte: dpa

Unesco-WelterbeInsel Stein im Wörlitzer Park wieder zu besichtigen

von Sandra Meyer, MDR KULTUR-Landeskorrespondentin in Sachsen-Anhalt

Stand: 12. August 2022, 15:23 Uhr

Das Dessau Wörlitzer Gartenreich ist UNESCO-Weltkulturerbe. Zu ihm gehören neben Parkanlagen 60 Denkmalensembles, mehrere Museen und Schlösser sowie zehn Kirchen. Das wohl skurrilste und bekannteste Kulturdenkmal innerhalb des Parks ist die künstliche Felseninsel Stein – vor allem wegen des nachgebauten Vulkans. Die Insel wurde in den vergangenen 27 Jahren für 12 Millionen Euro saniert – nun kann sie wieder besucht werden.

Ob man nun unter den alten Eichen spaziert oder mit der Gondel fährt – immer ist es ein besonderes Erlebnis, wenn man im Wörlitzer Park an der Insel Stein anlandet, denn unverhofft trifft man hier im nördlichen Deutschland auf ein südländisches Panorama mit Feigenbäumchen, lombardischen Pappeln und Agaven – als sei man in Italien.

Und eben das hatte Fürst Friedrich Franz von Anhalt-Dessau vor 200 Jahren im Sinn: Er wollte seinen Untertanen die Möglichkeit geben, die Erinnerungen seiner Italienreise nachzuerleben. 1765 war er als junger Regent zu seiner Grand Tour aufgebrochen – gemeinsam mit dem britischen Diplomaten und Vulkanforscher Sir William Hamilton ist er bei Neapel sogar auf den Vesuv gestiegen.

Die Felseninsel Stein mit dem künstlichen Vulkan und der Villa Hamilton im Wörlitzer Gartenreich, das zum UNESCO-Welterbe zählt Bildrechte: imago images/Rainer Weisflog

6 Jahre Bauzeit, 27 Jahre Restaurierung

Berauscht von diesen Bildern, ließ er sein Erlebnis von seinem Architekten Erdmannsdorf nachbauen – quasi als bildungsstrategische Reiseerinnerung, sagt Robert Hartmann, Abteilungsleiter für Baudenkmalpflege der Gartenreichstiftung:

"Es ist nicht nur der hier nachgebildete Vesuv. Wenn wir uns jetzt mal ein paar Schritte nach oben begeben und schauen mal auf den See, dann blicken wir auf eine Nachbildung der Landzunge von Sorrent, und die Villa Hamilton als kleine Miniaturnachbildung dieser Villa aus Neapel zeigt ja eigentlich auch, in welcher Konstruktion wir uns bewegen."

Innerhalb von sechs Jahren, von 1788 bis 1794, hat der Fürst dieses bis heute einmalige und durchaus skurrile Kulturdenkmal als hoch kompliziertes Ensemble aus Ziegelsteinmauern mit Natursteinverblendungen bauen lassen – 27 Jahre hat nun die Sanierung gedauert.

Es gab keine Bauzeichnungen der Insel Stein

"Die Insel Stein war auf hölzerne Füße gestellt", erklärt Hartmann. "Es waren Eichenpfähle in den Boden gerammt worden, worauf sich diese enorme Felsmasse befindet. Und diese hölzerne Konstruktion im Untergrund ist zu Schaden gekommen und hat ihre Ertüchtigung verloren, und das musste jetzt wieder instandgesetzt werden." Das sei bei einem bestehenden Bauwerk deutlich komplizierter als wenn man es neu baue.

Das spannendste war denn auch, die Konstruktion zu ergründen, erzählt Hartmann, denn es gab keine Bauzeichnungen oder Unterlagen, sondern man musste sämtliche Bausubstanz erforschen und ingenieurtechnische Lösungen für ihren Erhalt entwickeln. So drang in die Fassade aus Findlingen immer wieder Wasser ein und führte in den vergangenen Jahrhunderten zu Frostschäden. Zur Reparatur mussten die Findlinge vorübergehend abgebaut werden.

Letztlich hat man es sogar geschafft, den ältesten künstlichen Vulkan Europas wieder ausbrechen zu lassen – seit 2005 gibt es immer mal wieder diese Feuer-Licht-Inszenierung als publikumswirksames Spektakel.

Villa Hamilton von Grund auf saniert

Am aufwendigsten war allerdings die Grundsanierung der im klassizistischen Stil erbauten Villa Hamilton – terrakotta-weiß leuchtet sie wieder von außen, die drei Innenräume sind reich ausgestattet mit Wandmalereien und Gemälden. Aber auch die Grotten mit ihren unterirdischen Gängen oder das Amphitheater, denn beide Orte werden bereits seit einigen Jahren bespielt. Die gesamte Haustechnik musste überarbeitet und Toiletten für Touristen gebaut werden.

Insgesamt wurden 12 Millionen Euro verbaut – zuletzt für die Ertüchtigung des Grotte der Egeria, sagt Hartmann, und am Ende gehört auch die touristische Zuwegung zur Baudenkmalpflege. Gerade bei einem Weltkulturerbe müsse man sie unbedingt mitdenken, zumal bei der Insel Stein die Bildungsabsicht des Fürsten besonders gut zum Ausdruck kommt. Das sollte auch die Förderer überzeugen.

"Tourismus ist natürlich erforderlich, auch für die Vermittlung. Und es gibt ja auch einen Erzählstrang. Und wenn man das nicht erzählt, was es hier an Geschichte gibt, dann gibt es auch keinen Grund, es zu erhalten."

Redaktionelle Bearbeitung: Hendrik Kirchhof

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 12. August 2022 | 07:10 Uhr