Warhol, Delacroix, Tischbein, Goethe Weimar zeigt große Namen der Kunstgeschichte

Die Ausstellung "Von Delacroix bis Warhol" im Schiller-Museum Weimar hält, was die großen Namen im Titel versprechen. Gezeigt werden ca. 90 Grafiken, Zeichnungen und Gemälde, sie stammen von Andy Warhol, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, aber auch von Literaten wie Victor Hugo, George Sand und sogar von Goethe. Die ausgestellten Kunstwerke sind Schenkungen des Sammlers Wilhelm Winterstein und anderer Stifter.

Ein Bild 4 min
Bildrechte: The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York

Die Ausstellung "Von Delacroix bis Warhol" in Weimar hält, was die großen Namen im Titel versprechen. Gezeigt werden ca. 90 Grafiken, Zeichnungen und Gemälde, u.a. von Tischbein, Victor Hugo und sogar von Goethe.

MDR KULTUR - Das Radio Sa 18.07.2020 12:00Uhr 04:11 min

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Im Schiller-Museum Weimar sind unter dem Titel "Von Delacroix bis Warhol" Kunstwerke der Extra-Klasse zu sehen. Es sind die wirklich großen Namen der Kunstgeschichte, die hier mit ihren Werken vertreten sind: Tischbein, Goethe oder Carl Gustav Carus zählen dazu. Dabei spannt sich der zeitliche Bogen von der Goethezeit bis ins 20. Jahrhundert, thematisch kreisen die meisten aber um die Goethezeit.

Tischbein - Esel
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Der Schwachmatikus auf dem Esel in der Campagna, vor/um 1799 Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar, Dauerleihgabe Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums e.V.

Das beginnt mit Eugene Delacroix. Viele kennen sein berühmtestes Gemälde "Die Freiheit führt das Volk", bei der eine Frau mit offener Bluse und der Tricolore Revolutionäre anführt.

Faust-Fan Delacroix

Delacroix war aber auch ein großer Anhänger von Goethes "Faust". Nachdem er eine Aufführung in London gesehen hatte, entstand 1825 eine der ersten Faust-Illustrationen überhaupt.

Also, das ist sozusagen der Urfaust von Delacroix, der auf eine Art von – heute würde man sagen 'Musicalfassung' – in London zurückgeht. Der ihn aber optisch auf das Sujet gebracht hat.

Hermann Mildenberger, Kurator

Jene Aufführung, die Delacroix in London gesehen hatte, muss sehr bildstark gewesen sein. Kurator Hermann Mildenberger merkt an, dass man sie heute als "Musicalfassung" bezeichnen würde. So war sie, wie damals üblich, auch von Feuerwerk begleitet. Delacroix war ebenfalls gleich Feuer und Flamme.

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Eugène Delacroix, Studie zu Goethes "Faust I", Trinkgelage in "Auerbachs Keller", um 1826 Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar

Kurator Mildenberger beschreibt die Entstehung der Bilder: "Delacroix hat zu dieser Lithografie, die er auch an Goethe geschickt hat, wohl diese früheste Skizze gemacht, wo vier Figuren drauf sind. Es geht wohl auf das Erlebnis einer Faust-Aufführung, einer eher etwas clownesken Faust-Aufführung in London zurück, also in der Art von Varieté-Aufführung, die ihn wohl so inspiriert hat, dass er den Goetheschen Faust, natürlich in der französischen Übersetzung, gelesen hat. Und dann diese Illustrationsfolge, diese Lithographienfolge zum Faust gemacht hat."

Rousseau - Rouen
Théodore Rousseau, Aussicht auf Rouen, 1830 Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar, Dauerleihgabe Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums e.V.

Übernatürliche Inspirationen

In der Weimarer Sommerausstellung sind auch Werke von Künstlern zu sehen, die man dort vielleicht nicht erwartet. So von der Schriftstellerin George Sand, bekannt durch ihre Liebesaffäre mit Chopin.

George Sand Tal Alpen
George Sand, Tal in den Alpen, 1874, Schenkung Wilhelm Winterstein Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar

Oder von Victor Hugo, von ihm stammt eine mystische Ruinenlandschaft, die auf sein Interesse am Paranormalen verweist, wie Mildenberger weiß: "Wobei man heute weiß, dass sehr viel darauf zurückgeht, dass Victor Hugo Séancen gemacht hat, also Tischrücken, Geister beschworen, Bilder sehen. Das heißt, das ist natürlich heute auch vor allem vom psychoanalytischen Gesichtspunkt hochinteressant." Aber nicht nur das. Auch auf nachfolgende Kunstrichtungen haben diese Bilder sehr anregend gewirkt, so auf die Surrealisten.

Victor Hugo ist ja dadurch immer bekannt geblieben, weil die französischen Surrealisten ja begeistert waren von diesem visionären Landschaften von Victor Hugo. Und sich auch direkt auf Victor Hugo bezogen haben.

Hermann Mildenberger, Kurator

Ein Bild
Victor Hugo, Landschaft mit Ruinen, um1847/51, Schenkung Rudolf-August Oetker-Stiftung Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar

Die Prominentenmaler

Auch ein Bild von Goethe findet sich unter den Werken. Die Darstellung eines italienischen Gehöfts von 1787 wurde noch bis zum vorigen Jahr für ein Bild des Goethe-Gefährten Friedrich Bury gehalten, mit dem er während seiner italienischen Reise unterwegs war und der Nachmieter seiner Wohnung in Rom geworden war. Friedrich Bury wurde später in Berlin der Star-Porträtist der Mächtigen und Berühmten.

Mir stockte noch ein bisschen das Herz, als ich dieses Aquarell sah. Das war nämlich nicht von Bury, und es ist auch mittlerweile akzeptiert, sondern von Burys Malerfreund Goethe.

Hermann Mildenberger, Kurator

Konstantinsbogen
Achille Bénouville, Blick auf den Konstantinsbogen in Rom, Aquarell, Gouache und Graphit auf Papier, um 1845 Bildrechte: Klassik Stiftung Weimar, Dauerleihgabe des Freundeskreises Bauhaus.Weimar.Moderne. Die Kunstfreunde e.V.

Andy Warhol dagegen war in den 70ern des folgenden Jahrhunderts Hofmaler der Schickeria. Marilyn Monroe, James Dean oder Franz Beckenbauer. Als Andy Warhol Anfang der 80er Tischbeins Gemälde "Goethe in der Campagna" in Frankfurt am Main sah, inspirierte ihn das zu einer Porträtserie. Zu sehen ist Goethes Kopf mit Schlapphut in unterschiedlichen, grellen Farben.

Ein Bild
Andy Warhol, Goethe, Siebdruck nach einer Vorlage von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1787), 1982, Schenkung Wilhelm Winterstein, Klassik Stiftung Weimar Bildrechte: The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Licensed by Artists Rights Society (ARS), New York

Die Ausstellung Von Delacroix bis Warhol
Sommerausstellung der Klassik Stiftung Weimar
18. Juli bis 11. Oktober 2020

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Juli 2020 | 12:15 Uhr