Dauerausstellung "Abfahrt!" Neue Eisenbahnausstellung im Dresdner Verkehrsmuseum eröffnet

Die mobile Welt, wie wir sie heute kennen, wäre ohne die Eisenbahn nicht entstanden. Sachsen spielte dabei eine entscheidende Rolle, denn auf der 115 Kilometer langen Strecke Leipzig-Dresden, die 1839 fertiggestellt wurde, fuhr die erste Ferneisenbahn Deutschlands und es war zudem auch die längste Eisenbahnstrecke der damaligen Welt. An diesem Punkt knüpft die neue Dauerausstellung im Dresdner Verkehrsmuseum an und startet eine Zeitreise durch die Geschichte des Schienenverkehrs.

Neue Dauerausstellung im Verkehrsmuseum
Blick in die überarbeitete Dauerausstellung zum Schienenverkehr Bildrechte: Anja Schneider

"Heute noch in Dresden auf der Promenade, morgen schon an der Themse Gestade" – solche euphorischen Lobeshymnen begleiteten die Einweihungsfahrt auf der ersten Ferneisenbahnstrecke Deutschlands von Leipzig nach Dresden am 7. April 1839. Der offizielle Zug wurde damals von englischen Loks angetrieben, hinter ihnen her dampfte jedoch Johann Andreas Schubert auf seiner "Saxonia", der ersten in Deutschland gebauten, fahrtüchtigen Lokomotive.

Virtueller Museumsführer

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Der Nachbau der Schubert-Werkstatt Bildrechte: Anja Schneider

Der Ingenieur Johann Andreas Schubert ist es denn auch, der im ersten Teil der Ausstellung durch eine Art Werkstatt führt. Lebensgroß als Projektion begleitet er die Besucher, verschwindet auf dem einen Monitor und taucht kurz darauf auf dem nächsten wieder auf, um dort entweder von den Pionierjahren der Eisenbahn zu erzählen oder sich mit dem aus England stammenden, ebenfalls projizierten Wagenbauer Thomas Clarke Worsdell zu streiten, wer von beiden sich an die größeren Verdienste an den Entwicklungen in dieser der Zeit hat.

Warum der Wagenbaumeister der Liverpool-Manchester-Railway nach Sachsen gegangen ist, kann nur vermutet werden. Die Bezahlung war ungefähr gleich, aber die Bedingungen waren schlechter. So bat er seinen Sohn darum, ihm indische Tinte und bessere Schraubenzieher zu schicken. "England ist die Werkstatt der Zeit", erklärt Kurator Sven Bracke. "Nach drei Jahren geht er wieder, weil er was aufgebaut hat und erreicht hat. Ich persönlich würde seine Motivation darin sehen, Neuland zu betreten, etwas Neues aufzubauen."

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Nachbau der "Saxonia" und der Schubert-Werkstatt Bildrechte: Anja Schneider

Zusammen mit einem originalgetreuen Nachbau der "Saxonia" ist diese mediale Inszenierung ein gelungener Auftakt, um im zweiten Teil der Ausstellung, selbst wenn man bisher nicht der Eisenbahnromantik verfallen war, tiefer in die Historie des Schienenverkehrs in Deutschland einzutauchen.

Mensch und Maschine

Anders als in der Vorgängerausstellung kann man einige Großobjekte jetzt auch von innen erkunden, wie den begehbaren Hofsalonwagen der Prinzessin Mathilde von Sachsen oder das Exemplar einer so genannte "Ferkeltaxe", eines Schienenbusses, wie er in der DDR und noch bis in die 90er-Jahre hinein unterwegs war.

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Blick in die neue Dauerausstellung Bildrechte: Anja Schneider

Noch ein entscheidender Unterschied zur alten Dauerausstellung – hier geht es nicht mehr nur um technische Details, sondern im Zentrum steht immer auch der Mensch. So verleihen gerade die zahlreichen Interviews an den Hör- und Videostationen der Schau ein Gesicht, vermitteln einen persönlichen Bezug – wie auch schon in den anderen seit 2012 überarbeiteten Dauerausstellung des Hauses: zur Luftfahrt, zum Straßenverkehr und zur Schifffahrt.

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Ein Prototyp wirft den Blick in die Zukunft Bildrechte: Anja Schneider

Diese Entstaubung, wenn man so will, und Neuausrichtung des Verkehrsmuseums ist das große Verdienst des ehemaligen Direktors Joachim Breuninger. Sein Nachfolger Michael Vogt, der seit Oktober im Amt ist, will weitere neue Akzente setzen und vor allem attraktive Sonderausstellungen entwickeln, "die vor allem interaktiv sein werden und nach Möglichkeit partizipativ. Das meint, wir wollen hier mit Dresdnerinnen und Dresdnern, mit Bildungseinrichtungen zusammen arbeiten und die Ausstellungen gemeinsam entwickeln. Das ist sehr aufwendig, aber wir wollen es zum Teil so umsetzen, dass wir hier Inhalte drin haben, die auch die Zielgruppe interessieren und betreffen." Die für 2021 bereits geplante Sonderschau "Generation Simson" bietet da sicher ausreichend Anknüpfungspunkte.

Weitere Informationen "Abfahrt!" ist die überarbeitete Dauerausstellung zum Schienenverkehr und wurde am 23. Oktober wieder eröffnet.

Verkehrsmuseum Dresden gGmbH
im Johanneum am Neumarkt
Augustusstraße 1
01067 Dresden

Öffnungszeiten:
Di bis So von 10-18 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Oktober 2020 | 07:10 Uhr

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