Wassily Kandinsky, Beruhigt, 1931
Wassily Kandinsky, Beruhigt, 1931 Bildrechte: Privatbesitz, Foto: Andreas Diesend

Kunst Ausstellung "Zukunftsräume": Spannendes Spiel mit Sehgewohnheiten

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zeigen die abstrakten Meisterwerke von Kandinsky, Feininger und Klee – ebenso wie von Lissitzky und Mondrian inspirierte Installationen, die mit Sehgewohnheiten, Raumgefühl und Wahrnehmungen spielen. Die Ausstellung "Zukunftsräume" ist bis zum 2. Juni 2019 im Albertinum in Dresden zu sehen.

Wassily Kandinsky, Beruhigt, 1931
Wassily Kandinsky, Beruhigt, 1931 Bildrechte: Privatbesitz, Foto: Andreas Diesend

Dresden war in den 20er-Jahren ein Hotspot für die Avantgarde Europas. Hier traf die Kunst des Bauhauses auf russischen Konstruktivismus und die niederländische De-Stijl-Bewegung. Nach Dresden kamen Künstler wie El Lissitzky, Piet Mondrian, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Lászlò Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer, um der traditionellen Kunst, von der man im Elbflorenz übersättigt war, neue Ausdrucksformen entgegenzusetzen. Ihre Ausstellungen sorgten für Aufsehen in der Presse und unter Kunstliebhabern.

El Lissitzky, Raum für abstrakte Kunst, Internationale Kunstausstellung Dresden 1926 55 min
Bildrechte: SKD, Foto: Alexander Paul Walter, Repro: Andreas Diesend
El Lissitzky, Raum für abstrakte Kunst, Internationale Kunstausstellung Dresden 1926 55 min
Bildrechte: SKD, Foto: Alexander Paul Walter, Repro: Andreas Diesend

Mondrians visionäre Raumidee

Piet Mondrian, Farbentwurf für den Salon der Ida Bienert, (Axonometrie I), 1926
Piet Mondrian, Farbentwurf für den Salon der Ida Bienert, (Axonometrie I), 1926 Bildrechte: SKD/Herbert Boswank

Die ausgestellten abstrakten Bilder und Stahlrohrmöbel kamen in gehobenen bürgerlichen Kreisen gut an – so auch bei der Dresdner Sammlerin Ida Bienert, die Mondrian 1925 damit beauftragte, einen Wohnraum in der familieneigenen Villa zu gestalten. In seinem Entwurf spiegelt sich ein visionäres Lebensgefühl wieder – auch wenn er nie umgesetzt wurde. Für die Wände des Zimmers hatte Mondrian ein Raster mit Farbflächen vorgesehen. Im Albertinum sind nun die Entwurfszeichnungen ausgestellt. Zudem ließ sich der österreichische Künstler Heimo Zobernig von Mondrian inspirieren und entwickelte für den Lichthof des Albertinums eine begehbare Rauminstallation.

Lissitzkys Spiel mit Sehgewohnheiten

Naum Gabo, Model for ‘Rotating Fountain‘, 1925, wieder zusammengesetzt 1986
Naum Gabo, Model for ‘Rotating Fountain‘, 1925, wieder zusammengesetzt 1986 Bildrechte: Tate, London 2018

Auch der in Moskau lebende Künstler Lissitzky wurde 1926  nach Dresden eingeladen, um anlässlich der Internationalen Kunstausstellung einen Raum zu gestalten, in dem abstrakte Kunst präsentiert werden sollte. Mit seinem Raum stellte er die Sehgewohnheiten des Publikums auf den Kopf: Lissitzky wollte einerseits die Überladenheit üblicher Ausstellungsräume vermeiden und die Besucher dazu anregen, sich die modernen Kunstwerke ganz bewusst anzusehen. Senkrecht montierte, verschiedenfarbig gestrichene Holzlamellen lassen die Bilder je nach Standpunkt auf weißem, grauen oder auf schwarzem Grund erscheinen.

Für die Ausstellung "Zukunftsräume" wurde der Raum rekonstruiert. Da die 1926 darin ausgestellten Bilder heute zerstört, verschollen, übermalt oder zu fragil für den Transport sind, werden in der aktuellen Ausstellung nun Gemälde ungarischer, russischer und rumänischer Künstler gezeigt, darunter Ljubow Popowa, Alexander Rodtschenko und Lajos d’Ebeneth.

El Lissitzky, Raum für abstrakte Kunst, Internationale Kunstausstellung Dresden 1926
El Lissitzky, Raum für abstrakte Kunst, Internationale Kunstausstellung Dresden 1926 Bildrechte: SKD, Foto: Alexander Paul Walter, Repro: Andreas Diesend

Die Kunst der 20er-Jahre wurde von gesellschaftsutopischen Idealen bestimmt – und damals heftig diskutiert. Auch das thematisiert die Ausstellung, ebenso wie die Geschichte der Dresdner Kunstsammler, welche sich für diese neue Kunst begeisterten.

"Zukunftsräume. Kandinsky, Mondrian, Lissitzky und die abstrakt-konstruktive Avantgarde in Dresden 1919 bis 1932" umfasst rund 180 Werke, darunter Gemälde von Klee bis Schlemmer, Zeichnungen und Grafiken, Reliefs, Skulpturen, Fotografien, Bücher und Dokumente, die aus bekannten Kunstmuseen Europas wie dem Centre Pompidou in Paris, dem mumok in Wien oder der Staatlichen Tretjakow-Galerie in Moskau zusammengetragen wurden.

Besucher können selbst experimentieren

Oskar Schlemmer, Gruppe am Geländer, 1931
Oskar Schlemmer, Gruppe am Geländer, 1931 Bildrechte: bpk | Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf | Lutz Braun

In den verschiedenen Räumen des Museums finden sich auch künstlerische Interventionen – Arbeiten, die den Fokus auf jene Elemente der Ausstellung lenken, die sonst leicht übersehen werden: Sitzbänke, Licht, Sockel und die gläsernen Wände des Schaudepots. Diese zeitgenössischen Arbeiten setzen sich so mit Sehgewohnheiten und dem räumlichen Wahrnehmen auseinander.

Im "Raum_Labor" können Besucher sich auch selbst gestalterisch ausprobieren. Begleitend zur Ausstellung werden Vorträge und Kunstgespräche angeboten, um über die Arbeiten zu reflektieren und in Stadtrundgängen durch Dresden kann man sich auf die Spuren der Architektur der 20er-Jahre begeben. Tanzperformances u.a. der Palucca-Tanzhochschule runden das sinnliche Kunsterlebnis ab.

Infos zur Ausstellung: "Zukunftsräume. Kandinsky, Mondrian, Lissitzky und die abstrakt-konstruktive Avantgarde in Dresden 1919 bis 1932"

Eine Ausstellung des Albertinums in Zusammenarbeit mit dem Kupferstich-Kabinett und dem Archiv der Avantgarden

kuratiert von Heike Biedermann, Birgit Dalbajewa und Mathias Wagner

Ausstellungsort:
Albertinum, Salzgassenflügel
Tzschirnerpl. 2
01067 Dresden

Laufzeit: 2. März bis 2. Juni 2019

Öffnungszeiten:
täglich 10 bis 18 Uhr
montags geschlossen

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. März 2019 | 08:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. März 2019, 04:00 Uhr

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