Schlummernde Venus
Giorgione, Tizian: "Schlummernde Venus" um 1508-10 Bildrechte: Staatliche Kunstsammlung Dresden/Klut Estel

Sonderausstellung im Semperbau Dresden Gemäldegalerie Alte Meister zeigt ihre "Glanzlichter"

Die berühmte Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden wird seit 2013 umfangreich saniert. Vom 2. August bis 3. November 2019 präsentiert eine Schau nun ein Konzentrat aus der rund 3.800 Werke umfassenden Sammlung. Hierzu zählen Raffaels "Sixtinische Madonna" ebenso wie Giorgiones "Schlummernde Venus", Vermeers "Bei der Kupplerin" oder Bellottos berühmte Ansicht der Dresdner Stadtsilhouette. Die große Wiedereröffnung findet dann im Dezember statt.

von Birgit Fritz, MDR KULTUR

Schlummernde Venus
Giorgione, Tizian: "Schlummernde Venus" um 1508-10 Bildrechte: Staatliche Kunstsammlung Dresden/Klut Estel

Interimsausstellung klingt so nach Improvisation. Aber diese temporäre Schau hat so überhaupt nichts Beiläufiges und schnell Gemachtes. Wie im Gobelinsaal und drei weiteren Räumen im Erdgeschoß des Westflügels die rund 60 Gemälde inszeniert, beleuchtet und zu sinnfälligen Gruppen arrangiert sind, ist so viel mehr als nur einfach ein Best-of.  

Ja, das war unser Ziel, es sollte so elegant wie möglich aussehen, es sollte auch einen Vorgeschmack geben auf das Erscheinungsbild der Gemäldegalerie, wenn sie eröffnet wird. Es wird diese edlen Wandfarben geben, die Beleuchtung ist uns extrem wichtig, die wird sich also entscheidend verbessern.

Stephan Koja, Direktor Gemäldegalerie Alte Meister

So beschreibt es Dr. Stephan Koja, Direktor der Gemäldegalerie Alte Meister und der Skulpturensammlung bis 1800.

Auch der Titel dieser Glanzlichter soll das zum Ausdruck bringen. Das sind wirkliche Juwelen, die wir besitzen und die wir dem lokalen und internationalen Publikum wieder vorführen wollen.

Stephan Koja, Direktor Gemäldegalerie Alte Meister

Das "Who is Who" der Malerei

Schon wenn sich die große Doppeltür öffnet, ein neuer gläserner Windfang schützt das Innere, zieht den Besucher Raffaels "Sixtinische Madonna" an der Stirnwand geradezu in ihren Bann. Nach langen oft vom Scheitern bedrohten Verkaufsverhandlungen kam das Bild 1754 in Dresden an. Es gibt die schöne Anekdote, dass August der III. bei der Ankunft des Bildes seinen Thronsessel eigenhändig beiseitegeschoben haben soll, um Platz für den großen Raffael zu machen.

Nicht minder berühmt die "Schlummernde Venus" von Giorgione, Dürers "Bildnis eines jungen Mannes", Mantegnas "Heilige Familie", Werke von Vermeer, Rembrandt und Rubens – man könnte noch viel mehr aufzählen und trotzdem würden man sein Lieblingsbild vielleicht vermissen – kein Wunder bei einem Bestand von 3.800 Werken.

Aufwendige Restaurierung der Werke

Viele konnten in den letzten Jahren restauriert werden. Erst unlängst wurden die spektakulären Befunde bei der Arbeit an Vermeers "Brieflesendem Mädchen" veröffentlicht. Auch der linke Flügel von Cranachs "Katharinenaltar" hat eine notwendige Kur hinter sich. Kroja erläutert die Technik: "Wo wir die Parkettierung auf der Rückseite abgenommen haben und ein neues System anwenden, das der Tafel erlaubt, sich nur gehalten durch den Rahmen frei zu bewegen, weil Holz ja immer Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen folgt, also eben ein lebendiger atmender Werkstoff. Diese Tafel ist früher immer wieder gerissen. Das ist seither vorbei, sie wurde sozusagen holztechnisch saniert und dann natürlich auf der Oberfläche maltechnisch restauriert."

Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke
Bernardo Bellotto: "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke", 1748 Bildrechte: Staatliche Kunstsammlung Dresden

Die Galerie Alte Meister ist mit rund einer halben Million das besucherstärkste Museum der Kunstsammlungen. Ein solcher Andrang hinterlässt Spuren und verursacht Abnutzungserscheinungen, aber es gab auch bauphysikalische Probleme, die die große Sanierung nötig machten.

Im Dezember große Wiedereröffnung

Auch eine inhaltliche Neukonzeption kündigt Galeriedirektor Koja für die große Wiedereröffnung an: wieder eine Hängung nach geografischen Schulen, farbige Wandbespannungen statt einheitlichem Grau, vor allem aber werden Skulpturen von der Antike bis zum Klassizismus – auch hier natürlich nur ausgesuchte Einzelstücke – wieder Einzug in den Semperbau halten. Und die Besucher können sich auf eine abwechlungsreiche Gemäldegalerie freuen, so Kroja. "Die Osthalle, die wir in Zukunft Antikenhalle nennen werden, wird wirklich ein fantastischer Auftritt der griechischen und römischen Antike. Wir werden über das ganze Haus verteilt Renaissance- und Barockskulptur aber teilweise auch Antiken den Gemälden gegenüberstellen. Es wird einen wirklich wunderbaren Raum geben mit den flämischen Tapeterien, die wir permanent in Vitrinen zeigen werden, kombiniert mit spätgotischen sächsischen Schnitzfiguren", so Kroja.

Am 7. Dezember 2019 soll es dann soweit sein: dann wird die ganze alt-neue Galerie wieder eröffnet. Die Ausstellung der Glanzlichter ist dafür ein gelungener Prolog.

Infos zur Ausstellung Sonderausstellung im Semperbau
"Glanzlichter der Gemäldegalerie Alte Meister"

02.08.2019 bis 03.11.2019

Öffnungszeiten:
Di-So: 10:00 bis 18:00 Uhr,
Montag geschlossen

Zwinger
Theaterplatz 1
01067 Dresden

Zum Weiterlesen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Glanzlichter der Gemäldegalerie Alte Meister | 02. August 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2019, 18:06 Uhr

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