Leipzig Grassimesse im Corona-Jahr – Verkaufsobjekte zwischen Ausstellungsexponaten

Auch unter Corona-Bedingungen bietet das Leipziger Grassimuseum für angewandte Kunst allerhand auf, um eine schöne Auswahl an Kunsthandwerk und Design zu bieten. Um Menschenansammlungen zu vermeiden, zeigen die Handwerkerinnen und Handwerker ihre Arbeiten in den normalen Ausstellungsräumen. Dieses Jahr feiert die Traditionsmesse ihr 100. Jubiläum.

Die Grassi-Messe, eine Verkaufsmesse für Design und Kunst, öffnet am Freitag, 23.10., für die Besucher.
Blick in die Grassimesse 2020 Bildrechte: MDR/Raja Kraus

Es ist anders auf dieser ersten Grassimesse unter Corona. Wer alle Verkaufsstände besuchen will, wird sich irgendwann in jenem prächtigen Teil der Dauerausstellung wiederfinden, der das Kunsthandwerk von der Antike bis zum Historismus in den Blick nimmt. Das gabs noch nie: Eine ständige Ausstellung mit ihren wertvollen Exponaten umrahmt die Grassimesse, die mit ihren hochwertigen Waren letztlich eine Verkaufsausstellung ist.

Kaufstände zwischen Exponaten

Die Grassi-Messe, eine Verkaufsmesse für Design und Kunst, öffnet am Freitag, 23.10., für die Besucher.
Die Grassi-Messe, eine Verkaufsmesse für Design und Kunst, öffnet am Freitag, 23.10., für die Besucher. Bildrechte: MDR/Raja Kraus

Die Corona-Hygiene-Regeln ließen das Museum zu dieser ungewöhnlichen Präsentation finden. Sabine Epple, Projektleiterin der Grassimesse, führt in den ersten Raum, der Dauerausstellung und Grassimesse vereint: "Das ist der Raum, wo wir mit antiken Kunstgegenständen anfangen. In der Mitte begrüßen einen die Tonfiguren von Robert Metzkes und hier sind die beiden ersten Grassimessestände: ein Stand mit Schuhen und einer mit Textilien. Das habe ich mir ein bisschen perfide ausgedacht, weil: Schuhstand zieht immer. Deswegen ist der hier im ersten Raum, damit man gleich vom Foyer aus sieht: Hier geht es weiter."

Wer erst einmal drin ist, im Rundgang der Dauerschau mit seinen 30 Räumen, kann fast in jedem einen Stand der Grassimesse finden. Passiert etwa eine Präsentation von kubistisch anmutendem, zeitgenössischem Glas des Litauers Antanas Gerlikas inmitten der Altäre aus dem obersächsischen Raum, bestaunt die kleinen, bunten mechanischen Objekte und Spielereien von Birgit Borstelmann (Nicht zum ersten Mal auf der Grassimesse!) gegenüber einem Gobelin aus dem frühen 18. Jahrhundert, der eine Jahrmarktszene zeigt. So entstehen Zwiegespräche zwischen neuer und alter Kunst bei dieser Corona-Variante der Grassimesse. Manche der ausstellenden Kunsthandwerker und Kunsthandwerkerinnen mögen sich durch die Meister im Museum gar herausgefordert fühlen.

100-jähriges Jubiläum im Corona-Jahr

Die Teilnahmegebühren wurden den Ausstellern in diesem Jahr erlassen, gleichzeitig will die Museumsleitung wieder Gegenstände kaufen und Preise verleihen. "Wir haben gesagt, im 100. Jahr der Grassimesse, da darf es nicht sein, dass wir kneifen, das muss über die Bühne gehen", erklärt Olaf Thormann, Direktor des Grassimuseums für angewandte Kunst.

Die Grassi-Messe, eine Verkaufsmesse für Design und Kunst, öffnet am Freitag, 23.10., für die Besucher.
Schmuckdesign bei der Grassimesse 2020 Bildrechte: MDR/Raja Kraus

Neben der Kunst der vielen Künstlerinnen und Künstlern, die nicht absagten, präsentiert dieses Jahr das Gastland Litauen Kunsthandwerk, das vor allem aus der Hauptstadt Vilnius stammt. Eine Foyer-Ausstellung in zwei Vitrinen zeigt zudem Goldboxen und Silbergefäße des Kunstschmiedepaares Ulla und Martin Kaufmann, was den besonderen Beitrag des Hauses zum 100. Jubiläum der Grassimesse darstellt. Denn die beiden sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass es auch 2020 eine Grassimesse gibt, erläutert Sabine Epple: "1997 haben sie die damalige Direktion massiv unterstützt, einfach mental den Mut aufzubringen und sie haben jede Jury seitdem überzeugt. Denn sie sind unglaublich gut. Sie haben innovative Techniken erfunden, die noch heute kopiert werden."

Alltagsgegenstände, Aktualisierung und Nachhaltigkeit

Kukucksuhr von Guido Zimmermann
Eine Kuckucksuhr von Guido Zimmermann Bildrechte: Guido Zimmermann

Und dann sind da noch die knapp 100 Aussteller. So präsentiert etwa die in Halle studierte Japanerin Sawa Aso Impressionen von Alltagsgegenständen wie Automuttern, Taschenlampen oder Teesieben als Schmuck in Holz und Metall. Der Wandgestalter Guido Zimmermann stellt seine modernen Interpretationen von Kuckucksuhren aus, gerne in einer aktualisierten Version mit Plattenbauten.

Oder man fasst ein minimalistisches Küchen-Etwas des Design-Studios Chmara Rosinke ins Auge, das sich darum bemüht, Handwerkskunst mit einem konzeptionellen und einem ökologischen Ansatz zu verbinden. Und so erwartet die Grassimesse in ihrem 100. Jubiläum trotz Corona die Besucher, mit einem ästhetisch reizvollem wie herausforderndem Ausstellungs-und Hygienekonzept – und natürlich mit den Objekten der Künstler und Künstlerinnen selbst.

Mehr Informationen Die Grassimesse findet vom 23. bis zum 25. Oktober statt.

GRASSI Museum für Angewandte Kunst
Johannisplatz 5-11
04103 Leipzig

Öffnungszeiten:
Fr und Sa von 10-19 Uhr
So von 10-18 Uhr

Ausstellungen in Leipzig und Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. Oktober 2020 | 12:10 Uhr