Konzeptkunst Kunstmuseum Magdeburg zeigt Werke von Michael Hofstetter: verspielt und radikal

Der Münchner Konzeptkünstler Michael Hofstetter hinterfragt mit seinen Werken die Rahmenbedingungen der Kunst und lotet ihren gesellschaftlichen Wert aus. Seine Arbeiten sind nun im Magdeburger Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen zu sehen, in der Sonderausstellung "gefühle, abgründe, zufälle, unglücke". Die Schau sollte bereits im März öffnen, doch dann kam die Corona-Krise. Nun ist die Ausstellung bis zum 30. Juni 2020 zu sehen.

Lichtinstallation in der Ausstellung Michael Hofstetter in Magdeburg
Michael Hofstetters Lichtinstallation "upcyling" bleibt dauerhaft am Magdeburger Kunstmuseum. Bildrechte: Kunstmuseum Magdeburg.

An der Ostfassade des Kunstmuseums in Magdeburg sieht man neuerdings einen etwas schwer zu entziffernden Schriftzug. Zusammengesetzt aus gebrauchten Neonbuchstaben hat der Münchner Künstler Michael Hofstetter hier Theodor W. Adorno zitiert.

'Die Wirklichkeit der Kunstwerke steht für die Möglichkeit des Möglichen' – das kommt von Adorno. Die Kunst steht für die Realität und für alles, was man machen könnte und zumindest als Möglichkeit in Erwägung ziehen sollte.

Uwe Gellner, Kurator der Ausstellung

Bilder und Skulpturen in der Ausstellung Michael Hofstetter in Magdeburg
Ein Blick in die Ausstellung "gefühle, abgründe, zufälle, unglücke", im Vorderund die "toxic sculpture", im Hintergrund "Are you working on anything else right now?" Bildrechte: Kunstmuseum Magdeburg.

Ein Satz, der auch die Arbeitsweise von Michael Hofstetter beschreibt. Denn er lotet mit seinen Werken die Rolle der Kunst in der Gesellschaft immer wieder neu aus. Beispielsweise steht in der Ausstellung "gefühle, abgründe, zufälle, unglücke" ein raumgreifendes Holzkonstrukt. Kuratorin Theresia Köhring beschreibt die Skulptur als Tempel:

"Es sind im Prinzip Buchstaben in Kastenform ausgesägt worden: 'Are you working on anything else right now?' (deutsch: Arbeitest du gerade auch an etwas anderem?) Er hat diese Arbeiten geschaffen, weil es ihn genervt hat, dass Menschen, wenn er eine Ausstellung eröffnet hat, sich gar nicht mit ihm über seine Arbeit unterhielten, sondern sofort fragten: 'Herr Hofstetter, woran arbeiten Sie jetzt gerade?' Er dachte dann: 'Ich habe doch gerade ganz viel geschafft, warum können wir nicht darüber sprechen? Warum geht es immer nur darum, was ich sonst noch mache?'"

Kunst über das Kunstmachen

Auf diese Weise denkt Hofstetter durch seine Kunst über das Kunstmachen nach. Das beschreiben seine Texte, die in der Ausstellung mit einem QR-Code nachzuhören sind. Aber auch die Titel seiner Arbeiten deuten es an: "War nicht so gemeint" oder "Toxic Sculpture". Manches Werk ist tatsächlich höchst radikal. So hat Hofstätter einen Druck von Kasimir Malewitschs "Schwarzen Quadrats" nicht nur in einen Plastikbeutel gesteckt, sondern auch noch darauf geschossen. Das ist Kritik an jeglicher Form von Kunst und Kunstmarkt, meint Uwe Gellner: "Er durchschießt die Ikone und drapiert sie in einer Einkaufstüte. Das ist die totale Infragestellung dessen, was Kunst weit, teuer, großartig, einmalig machte."

Künstler, so das Selbstverständnis Hofstetters, sind Zerstörer und arbeiten gegen die Konvention. Insofern verweigert sich der 1961 Geborene auch jeglicher Einordnung in die Kunstgeschichte, meint Gellner. Dem Münchner geht es kaum darum, mit traditionellem Instrumentarium Bilder zu malen oder Skulpturen herzustellen. Stattdessen will er Aktivitäten in die Welt setzen, mit denen er die Betrachter in den gedanklichen Austausch ziehen möchte.

Verspielt, flüchtig, radikal zerstörerisch

Exponate in der Ausstellung Michael Hofstetter in Magdeburg
Ein Blick in die Ausstellung "gefühle, abgründe, zufälle, unglücke" mit Werken von Michael Hofstetter Bildrechte: Kunstmuseum Magdeburg.

Dazu verwendet er Fotografien, Interviews, Filme, Objekte, Räume, aber auch Kleidungsstücke, erklärt Uwe Gellner: "Das ist für ihn eine Formel geworden, künstlerisch sichtbar zu werden. Er zieht die Dinge an oder lässt sie andere anziehen, sodass sie quasi diese Trägerschaft des Bildes übernehmen, indem sie seine Kleidung tragen. Da sind manchmal Botschaften drauf, die manchmal lustig aussehen, aber die manchmal auch etwas ganz Bedrohliches an sich haben. Wir haben hier so eine gelbe Felljacke, die eine Frau getragen hat, und das Ornament auf dem Rücken stellt eine Zündschnur dar. Wenn man die Jacke dann öffnet, sieht man da Attrappen von einem Sprengsatz."

So wirken manche Ausstellungsstücke verspielt und flüchtig, andere radikal zerstörerisch. Doch alle laden dazu ein, sich zu den einzelnen Werken zu verhalten, sich in die Kunst hineinzubegeben und das zu erleben, was auch der Titel der Schau schon andeutet: "gefühle, abgründe, zufälle, unglücke". Wie gut passt das alles in die momentane Zeit.

Infos zur Ausstellung "gefühle, abgründe, zufälle, unglücke"
Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg
Sonderausstellung mit Werken von Michael Hofstetter

Vom 14. Mai bis 30. Juni 2020

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag von 10-17 Uhr
Samstag und Sonntag von 10-18 Uhr

Eintritt: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro

Beim Besuch des Museums ist auf geltende Corona-Schutzregelungen zu achten.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 02. Juni 2020 | 07:40 Uhr