Wilhelm Friedrich Philipp Pfeffer, Kinematografische Studien an Impatiens, Vicia, Tulipa, Mimosa und Desmodium
Die neue Ausstellung "Von Pflanzen und Menschen" im Deutschen Hygienemuseum Dresden widmet sich den Pflanzen. Bildrechte: istock foto / Brian Brown

Ausstellung Deutsches Hygienemuseum Dresden zeigt fragile Welt der Pflanzen

Wie wichtig Pflanzen für unser Leben sind, darüber wird oft viel zu wenig nachgedacht. Dabei gehen uns Themen wie Biodiversität, Hummelsterben und Genmais alle an. Unter dem Titel "Von Pflanzen und Menschen" eröffnet nun eine Ausstellung im Deutschen Hygienemuseum in Dresden. Sie betrachtet das Leben auf dem grünen Planeten von der Wurzel bis zur Blüte und geht unserem Verhältnis zu Pflanzen auf den Grund. Ein Rundgang.

von Heike Schwarzer, MDR KULTUR

Wilhelm Friedrich Philipp Pfeffer, Kinematografische Studien an Impatiens, Vicia, Tulipa, Mimosa und Desmodium
Die neue Ausstellung "Von Pflanzen und Menschen" im Deutschen Hygienemuseum Dresden widmet sich den Pflanzen. Bildrechte: istock foto / Brian Brown

Was lässt Pflanzen besser wachsen? Und was eigentlich ist das Geheimnis gesunder Pflanzen? Sechs Hörstationen mit Schallplatten aus den 70er-Jahren bieten nicht unbedingt wissenschaftlich fundierte Lösungen. Der Mensch und sein Verhältnis zur Pflanzenwelt ein weites, ein sehr fruchtbares Feld. Kathrin Meyer hat sich tief hindurchgearbeitet. "Pflanzen sind die Grundlage unseres Lebens. Wir sind in jeder Hinsicht von Pflanzen abhängig", so die Kuratorin.

Ursprünge der Menschheit

Im ersten Raum der Ausstellung sind überall Pflanzen an Rankhilfen zu sehen, sie reichen hoch bis zur Decke. Auch die Themen muten wie ein wild wucherndes Netzwerk an: vom Paradiesgarten zu den Horrorpflanzen, von der Agrarkultur zum Stadtbiotop, vom Reichtum, der Manipulation bis zum Verlust unserer Pflanzen.

Auf einer großen Videoleinwand entblättern sich im ersten Ausstellungsraum im Sekundentakt frische Blätter aus verschlossenen Samen. Es geht um große, existenzielle Themen, die zu den Ursprüngen der Menschheit zurückführen: "Pflanzen sind wesentlich länger auf dem Planeten als wir Menschen", weiß Kuratorin Meyer.

Die Natur im System

Trotzdem ist es der Mensch, der versucht, die Pflanzenwelt in sein System zu bringen, der sie bestimmt, sie ein- und zuordnet: "Denn bei über 390.000 Pflanzenarten stellt sich auch immer die Frage nach dem Auseinanderhalten und der Bestimmung."

Das Arzneimittelbuch des Dioskurides war 1.600 Jahre lang das Standardwerk der Pflanzenheilkunde. Es gelangte aus der Türkei nach Europa, wo es zur Grundlage hiesiger Kräuterbücher wurde. Und Emanuel Sweerts Florilegium von 1615 zeugt von der Manie nach Tulpen, die Nordeuropa erfasste, und gilt als der älteste Gärtnereikatalog.

Deutsches Hygienemuseum Dresden Impressionen von der Ausstellung "Von Pflanzen und Menschen"

Kliffkueste 01 (from the series “Woodlands” / aus der Serie “Woodlands”), C-Print, 2015 Courtesy Mat Hennek
Mat Hennek: Kliffkueste 01 (from the series “Woodlands” / aus der Serie “Woodlands”), C-Print, 2015 Bildrechte: Mat Hennek
Kliffkueste 01 (from the series “Woodlands” / aus der Serie “Woodlands”), C-Print, 2015 Courtesy Mat Hennek
Mat Hennek: Kliffkueste 01 (from the series “Woodlands” / aus der Serie “Woodlands”), C-Print, 2015 Bildrechte: Mat Hennek
Alessandro Holler: "Titanwurz", 2016, Multimediale Installation
Alessandro Holler: "Titanwurz", 2016, multimediale Installation Bildrechte: Deutsches Hygienemuseum Dresden
Volker Kreidler: "Prypjat", aus der Serie "Dritte Landschaft", 2016, Piezo-Pigmentdruck
Volker Kreidler: "Prypjat", aus der Serie "Dritte Landschaft", 2016, Piezo-Pigmentdruck Bildrechte: Volker Kreidler
The End of Mark Twain Log Fotografie, ca. 1892, Camp Badger, Tulare County, Kalifornien
"The End of Mark Twain Log", Fotografie, ca. 1892, Camp Badger, Tulare County, Kalifornien. Der Mark Twain-Mammutbaum war 1350 Jahre alt, 100 Meter hoch und hatte einen Stammumfang von fast 30 Metern, als er 1891 in 13 Tagen gefällt wurde. Bildrechte: Courtesy of the Library of Congress
Henri Matisse mit Monstera deliciosa und Hund um 1940, Fotografie
Henri Matisse mit Monstera deliciosa und Hund um 1940, Fotografie Bildrechte: Deutsches Hygienemuseum Dresden
Margret Mee  Gustavia pulchra, 1977, Amazonas, Wasserfarbe auf Papier
Margret Mee: "Gustavia pulchra", 1977, Amazonas, Wasserfarbe auf Papier Bildrechte: The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew
Wilhelm Friedrich Philipp Pfeffer, Kinematografische Studien an Impatiens, Vicia, Tulipa, Mimosa und Desmodium
Wilhelm Friedrich Philipp Pfeffer, Kinematografische Studien an Impatiens, Vicia, Tulipa, Mimosa und Desmodium Bildrechte: Deutsches Hygienemuseum Dresden
Karen Cantú: "The Knitting Stranger", 2018
Karen Cantú: "The Knitting Stranger", 2018 Bildrechte: Karen Cantú
Andreas Weinand Erwin, Unkraut (aus der Serie The Good Earth), 2001, Fotografie
Andreas Weinand: "Erwin, Unkraut", aus der Serie The Good Earth, 2001, Fotografie Bildrechte: Andreas Weinand
Fotografien aus dem Projekt „Gärten des Grauens – die erste Garten-Satire der Welt!“ redaktionell betreut von Ulf Soltau, seit 2017
Fotografien aus dem Projekt "Gärten des Grauens – die erste Garten-Satire der Welt!"
redaktionell betreut von Ulf Soltau, seit 2017
Bildrechte: Deutsches Hygienemuseum Dresden
John Baldessari Teaching a Plant the Alphabet, 1972, Film
John Baldessari: "Teaching a Plant the Alphabet", 1972, Film Bildrechte: Deutsches Hygienemuseum Dresden
André Bayard La Sensitive, Éclair, 1914, Film
André Bayard: "La Sensitive, Éclair", 1914, Film Bildrechte: Collection Cinémathèque Robert Lynen de la Ville de Paris – restauration CNC
Postkarte mit Blumensprache um 1900
Postkarte mit Blumensprache
um 1900
Bildrechte: Deutsches Hygienemuseum Dresden
Martin Claßen Die Todgeweihten – Hambacher Forst, 04.02.2018, Nr.1, Silbergelantine-Handabzug
Martin Claßen: "Die Todgeweihten – Hambacher Forst, 04.02.2018, Nr.1", Silbergelantine-Handabzug Bildrechte: Deutsches Hygienemuseum Dresden
Karl-Foerster-Garten Foto: pixabay
Karl-Foerster-Garten, Foto: pixabay Bildrechte: pixabay
Sprühflugzeug über einem Feld
Sprühflugzeug über einem Feld Bildrechte: istock foto / Brian Brown
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Schönheit und Schauer der Pflanzenwelt

Seltene Herbarblätter, Pflanzensammlungen und Sortenkataloge markieren den Drang nach Durchdringung. Doch der Mensch ist längst nicht in jeden Winkel des Pflanzendickichts vorgedrungen. Kuratorin Kathrin Meyer erklärt:

Pflanzen sind die besten Chemiker der Welt. Es gibt immer mehr Erkenntnisse, dass Pflanzen hochkomplexe Lebewesen sind, die sehr viel von ihrer Umgebung mitkriegen. Dieser Bedeutungswandel wird hier erzählt.

Kathrin Meyer, Kuratorin der Ausstellung "Von Pflanzen und Menschen"

Schönheit und Schauer liegen bei diesem Parcours eng beieinander: Videotrailer gegen Palmöl, Blossfeldts zauberhafte Pflanzenfotografien, Holzkisten für den frühen Pflanzenschmuggel, Pflanzengottheiten und Blumenspiele, die mehr sagen, als viele Worte.

Fragile Natur

Pflanzen sind unser Leben. Und gerade in Zeiten scheinbar totaler Verfügbarkeit von Nahrung, tut es Not, daran zu erinnern, wie fragil unser System des Lebens ist. Ausruhen gilt nicht mehr, deshalb sind die Sitzbänke in der Ausstellung gespickt mit Hinweisen, um selbst aktiv zu werden. Denn eine Botschaft nimmt jeder hier aus dem Hygienemuseum Dresden mit: Wir alle sind Gärtner hier auf Erden.

The Knitting Stranger, 2018
Aus der Ausstellung "Von Pflanzen und Menschen" im Deutschen Hygienemuseum Dresden: The Knitting Stranger, 2018 Bildrechte: Karen Cantú

Infos zur Ausstellung Ausstellung: "Von Pflanzen und Menschen"
im Deutschen Hygienemuseum Dresden
vom 19. April 2019 bis 19. April 2020

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. April 2019 | 07:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. April 2019, 04:00 Uhr

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