Pink Floyd Schlagzeuger Nick Mason steht im sogenannten "Dortmunder U" in der Ausstellung The Pink Floyd Exhibition vor einer Nachbildung des Bühnenbildes zu der Tournee "The Wall".
Pink Floyd-Schlagzeuger Nick Mason steht in der Ausstellung "Pink Floyd – Their Mortal Remains" vor einer Nachbildung des Bühnenbildes zur Tournee "The Wall". Bildrechte: dpa

Über 350 Exponate Pink Floyd-Ausstellung: 50 Jahre Rockgeschichte multimedial erleben

"The Pink Floyd Exhibition: Their Mortal Remains“ heißt die neue Ausstellung über die britischen Rock-Größen, die die Herzen der Fans höherschlagen lassen dürfte. Nach Stationen in London und Rom ist sie nun auch in Deutschland zu sehen, im "Dortmunder U“, der bislang einzigen deutschen Station. Passend zu Pink Floyd ist es eine multimediale Schau: Auf 1.000 Quadratmetern erinnern 350 Exponate an die Band, die neue Klangmöglichkeiten auslotete und Konzerte zu Gesamtkunstwerken machte.

von Michael Kuhlmann, MDR KULTUR

Pink Floyd Schlagzeuger Nick Mason steht im sogenannten "Dortmunder U" in der Ausstellung The Pink Floyd Exhibition vor einer Nachbildung des Bühnenbildes zu der Tournee "The Wall".
Pink Floyd-Schlagzeuger Nick Mason steht in der Ausstellung "Pink Floyd – Their Mortal Remains" vor einer Nachbildung des Bühnenbildes zur Tournee "The Wall". Bildrechte: dpa

2017 war es 50 Jahre her, dass die britische Popmusik ihre vielleicht kreativste Phase erlebt hat. Im Jahr 1967 brachten nicht nur die Beatles ihre wegweisende "Sergeant Pepper"-LP heraus, sondern in der Londoner Szene machte auch eine obskure Band von sich reden, die später tiefe Spuren in der Popmusik und in der zugehörigen Kultur hinterlassen sollte. Die Gruppe aus drei Architekturstudenten und ihrem Kollegen von der Kunsthochschule nannte sich The Pink Floyd. Pink Floyds Geschichte mit Verkaufsrekorden an der Plattentheke und Bombast-Rekorden bei Konzerten ist bekannt – 50 Jahre nach dem Plattendebüt der Band ist sie allerdings zum ersten Mal auch in einer Ausstellung erzählt worden.

Instrumente, Konzertplakate, persönliche Erinnerungsstücke

Figuren die an das Plattencover von «Delicate Sound of Thunder» erinnern (Zwei Männer in Glühlampenanzügen)sind im «Dortmunder U» in der Ausstellung The Pink Floyd Exhibition zu sehen.
Die beiden Figuren erinnern an das Plattencover von "Delicate Sound of Thunder". Bildrechte: dpa

Schon der Empfang zeigt, wie groß diese Ausstellung dimensioniert ist: Da hängt das riesige rosafarbene Plastikschwein, das 1977 für die LP "Animals" geschaffen wurde. Ob es Ian Emes skurrile Trickfilme zur LP "Meddle" sind oder ein vorsintflutliches Quadrofonie-Mischgerät, ob alte Konzertplakate und Notenblätter oder die abgegriffene Orgel, die Richard Wright 40 Jahre lang auf der Bühne spielte – Ausstellungskurator Aubrey Powell schwärmt von der Suche nach Exponaten.

Es war eine emotionale Freude und eine emotionale Reise, den ganzen Bestand zu durchforsten, den speziell Schlagzeuger Nick Mason zusammengetragen hatte – Nick war der einzige bei Pink Floyd, der wirklich alles sammelte. Es gibt andere Mitglieder, die buchstäblich nichts mehr haben. Die Ausstellung zeigt letztlich das, was ich bei der Zusammenarbeit mit der Band erlebt habe – das war fabelhaft.

Ausstellungskurator Aubrey Powell
Pressevertreter gehen «Dortmunder U» durch einen Raum der Ausstellung The Pink Floyd Exhibition. Die in London mit Mitgliedern der Band konzipierte Ausstellung wird innerhalb des deutschsprachigen Raumes nur in Dortmund gezeigt.
Die in London mit Mitgliedern der Band konzipierte Ausstellung wird innerhalb des deutschsprachigen Raumes nur in Dortmund gezeigt. Bildrechte: dpa

Aubrey Powell war schon in der Pink Floyd-Frühzeit verantwortlich für die Bühnenbeleuchtung. So legt auch seine Ausstellung Wert auf das Optische: Nicht nur, wenn man urplötzlich direkt vor einer großen weißen Mauer steht, gleich derjenigen aus "The Wall", durch die die Figur des Lehrers hindurchbricht. Powell hatte von vornherein ein breites Museumspublikum im Auge. Er erklärt: "Heute gibt es viele Jüngere, die nichts mit Pink Floyd verbinden können. Ihnen zeigen wir eine sehr interessante Geschichte: von den Anfängen mit Syd Barrett über die David-Gilmour-Periode und "Dark Side of the Moon" bis hin zu der Trennung und Davids Gilmours und Nick Masons Versuchen, die Band weiterzuführen. Das kann man auf viele verschiedene Arten erzählen, die chronologische Art schien mir die geeignete."

Langspielplatten als roter Faden durch die Ausstellung

So bilden die LPs der Gruppe den roten Faden der Geschichte – bis hin zu "The Endless River" (2014). Zahlreiche Filmsequenzen beleuchten die Arbeitsweise der Band und analysieren die Musik. Anhand des Hits "Money" (1973) kann man selbst am Klang herumtüfteln und an kleinen Pulten das Stück neu abmischen. Der Clou sind Kleinigkeiten am Rande, wie etwa das vergilbte Sofortbild, das einen früh gealterten, übergewichtigen Mann zeigt. Dieser Mann stand während der Aufnahmen zu "Wish You Were Here" 1975 plötzlich im Studio. Keiner erkannte ihn – aber es war der bereits erwähnte Syd Barrett, einst treibende Kraft von Pink Floyd, der aber nach einer persönlichen Krise 1968 ausgeschieden war. Ohne Syd Barrett hätte es Pink Floyd musikalisch und visuell so nie gegeben.

Pink Floyd Schlagzeuger Nick Mason steht im sogenannten "Dortmunder U" zum Fototermin zur Ausstellung The Pink Floyd Exhibition im Treppenhaus unter einem aufblasbaren Schwein.
Pink Floyd Schlagzeuger Nick Mason ist zum Fototermin ins "Dortmunder U" gekommen. Im Hintergrund: Das riesige rosafarbene Plastikschwein, das 1977 für die LP "Animals" geschaffen wurde. Bildrechte: dpa

Nicht zur Sprache kommen freilich zeitgenössische Debatten über künstlerische Durchhänger: Schon die LP "The Atom Heart Mother", 1970 der kommerzielle Durchbruch, war dem "Rolling Stone" zu substanzlos. Die deutsche Presse machte Roger Waters "The Wall" 1990 in Berlin geradezu nieder, und 1994 galt "The Division Bell" vielen Kritikern als leere Materialschlacht. Eine kritische Einordnung sucht man in der Schau also meist vergebens, dafür liefert der opulente Katalog viele Hintergründe. Bei der deutschen Übersetzung der Ausstellungstafeln allerdings hatte das Lektorat mehrmals einen, um es mit Pink Floyd zu sagen, "Momentary Lapse of Reason". Da muss man dann die englischen Originale lesen. Entschädigt wird der Besucher mit einem ausgefeilten akustischen Konzept: Im Kopfhörer wird automatisch zu jedem Detailthema die zugehörige Musik oder eine Interviewsequenz eingespielt. Das ist denn auch für Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason die Stärke der Schau:

Ja, denn neben den vielen Requisiten, Kunstwerken und Schriftstücken kann man sehr viel Musik hören. Gerade weil wir heute die Möglichkeiten mit Audio- und Videotechnik haben, kann man Geschichte wieder erlebbar machen. Diese Ausstellung ist relativ fortschrittlich darin, den Leuten zu zeigen, was einmal passiert ist.

Pink-Floyd-Schlagzeuger Nick Mason

Zur Ausstellung "Pink Floyd – Their Mortal Remains" ist noch zu sehen bis zum 10. Februar 2019. Ausstellungsort ist das sogenannte "Dortmunder U", ein früheres großes Brauereigebäude (etwa fünf Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt). Der Katalog "Pink Floyd – Their Mortal Remains" ist auf Deutsch erschienen bei Edel Books, hat 320 großformatige Seiten mit mehreren hundert Fotos und Illustrationen. Preis: 39,95 Euro.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. September 2018 | 15:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2018, 04:00 Uhr

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