Eine Museumsmitarbeiterin berührt im Deutschen Hygiene-Museum in der Ausstellung Shine on me. Wir und die Sonne ein Modell der Sonne
Der Sonne ganz nah kommen - im Deutschen Hygiene-Museum Dresden ist das in der neuen Ausstellung möglich. Bildrechte: dpa

"Shine on me" Hygiene-Museum Dresden zeigt Ausstellung zur Sonne

Täglich bestimmt die Sonne unseren Tagesverlauf, doch oft verschwenden wir keinen Gedanken an sie. Sie spendet Wärme und ist für das Leben unabkömmlich, obwohl sie aus der Nähe betrachtet durch ihre Strahlung und Temperaturen tödlich ist. Das Hygiene-Museum Dresden widmet der Sonne nun eine Ausstellung und nähert sich ihr aus religiöser, künstlerischer und physikalischer Sicht.

von Heike Schwarzer, MDR KULTUR

Eine Museumsmitarbeiterin berührt im Deutschen Hygiene-Museum in der Ausstellung Shine on me. Wir und die Sonne ein Modell der Sonne
Der Sonne ganz nah kommen - im Deutschen Hygiene-Museum Dresden ist das in der neuen Ausstellung möglich. Bildrechte: dpa

Vor genau zehn Jahren schauten die Ausstellungsmacher im Deutschen Hygiene-Museum Dresden schon einmal auf das Klima und den Menschen. Jetzt gibt es eine Art Fortsetzung: Die große Sonderausstellung "Shine on me - wir und die Sonne". Sie scheint genau zu passen, nach diesem nicht enden wollenden Jahrhundertsommer.

Leuchtender Gasball voller poetischer Inspirationen

Ein Mann geht im Deutschen Hygiene-Museum in der Ausstellung Shine on me. Wir und die Sonne an den Farbfotografien Die Sonne um Mitternacht schauen von Katharina Sieverding vorbei
Farbfotografien von Katharina Sieverding: "Die Sonne um Mitternacht schauen" Bildrechte: dpa

Die Sonne wird bedichtet; besungen; angebetet in Tänzen, Gesängen und Bildern. Sie ist immer da, gibt uns Rhythmus und fasziniert - trotz oder gerade weil wir so wenig von ihr wissen. Aus wissenschaftlicher Sicht beschreibt sie der Max-Planck-Wissenschaftler und Sonnenforscher Manfred Schüssler als einen großen Ball, der im Wesentlichen aus heißem Gas besteht. Die vorherrschenden Elemente sind Wasserstoff und Helium, dazu noch ein paar andere.

Sie ist ein großer Kernfusionsreaktor, in ihrem inneren werden Wasserstoffatome zu Heliumatmen verschmolzen, dadurch wird die Energie frei und sie wird an der Oberfläche der Sonne bei ca, 6.000 Grad abgestrahlt - und das bringt uns Licht und Wärme."

Manfred Schüssler, Sonnenforscher

Nicht erst seit Ikarus zieht es den Menschen zur Sonne. Auch für die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA bleibt die Sonne das letzte große Ziel. Sie ist Forschungsobjekt, Machtsymbol, aber auch vielgestaltige Gottheit. Ausstellungskuratorin Catherine Nichols bemerkt: "Ganz wichtig in dieser Abteilung ist mir die Tatsache, dass die Sonnenverehrung bei weitem nicht etwas ist, was zur Vergangenheit gehört, dass es hochaktuell ist. Wir begannen mit Surya, dem indischen Sonnengott. Und gleich daneben ist Amaterasu zu sehen, die japanische Sonnengöttin, die heute nach wie vor im Shintoismus eine der wichtigsten Göttinnen ist."

Verlässlicher Lebensspender

André Gelpke: Man with Sunglasses, 1978
André Gelpke: Man with Sunglasses, 1978 Bildrechte: Deutsches Hygiene-Museum Dresden / André Gelpke / Courtesy Kicken Berlin

Die Verlässlichkeit der Sonne über Tausende und gar Millionen Jahre hinweg, das macht einen großen Teil der Faszination aus. Und ihre Kraft, die uns Menschen anzieht und vor der wir uns - ganz praktisch - auch manchmal schützen müssen. Und zwar mit einer Sonnenbrille, die das gleißende Licht abschwächt.

In der Ausstellung gibt es auch eine kleine Evolution der Sonnenbrille zu sehen, von frühen Formen der Inuit über die Hundesonnenbrille bis zur Babysonnenbrille.

Als ich von den Hundesonnenbrillen erfahren habe, dachte ich erst, es sei eine absurde Modeerscheinung. Aber es stellte sich heraus, dass die Hundesonnenbrille schon bei Lawinensuchhunden benutzt wurde, bereits im 19. Jahrhundert.

Catherine Nichols, Ausstellungskuratorin
NASA-Sonde Solar Probe Plus
NASA-Sonde Solar Probe Plus Bildrechte: Deutsches Hygienemuseum Dresden/NASA Goddard Space Flight Center, JHU / APL

Über 450 Objekte gibt es in Dresden zu sehen, von der 29 Millionen Jahre alten Baumscheibe über sonneninspirierte Popsongs bis zu japanischen Hightech-Sonden. Auf 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche erzählen Objekte von der Strahlkraft und Allgegenwart der Sonne. Dabei geht es rund um den Erdball und quer durch die Menschheitsgeschichte, zum Sternenhimmel hinauf und wieder zurück.

Museumsdirektor Klaus Vogel merkt an: "Wir sind ja das Museum vom Menschen und deshalb geht es uns nicht um die letzten Geheimnisse der Astrophysik, sondern eigentlich um das Verhältnis von Mensch und Sonne. Und das ist vielfältig. Die Sonne ist ein Zeitmesser, sie ist gefährlich, sie hilft uns medizinisch, aber es geht tatsächlich auch um die Eigenschaft der Sonne als ein Stern unter vielen."

Wir sind nicht der Mittelpunkt der Welt, der Mittelpunkt unserer sichtbaren Welt ist die Sonne.

Klaus Vogel, Direktor des Deutschen Hygiene-Museums

Die Ausstellung: "Shine on me - wir und die Sonne" 28. September 2018 bis 18. August 2019

Deutsches Hygiene-Museum Dresden
Lingnerplatz 1
01069 Dresden

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, Feiertage: 10 bis 18 Uhr
Montag geschlossen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. September 2018 | 12:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2018, 18:20 Uhr