Dresden Ausstellung "Tot wie ein Dodo" zeigt Artensterben

Die Ausstellung "Tot wie ein Dodo" in Dresden zeigt die Ausrottung von Tierarten durch den Menschen, von den Anfängen bis zur heutigen Zeit. Bis zu einer Million der weltweit geschätzten acht Millionen Arten sind vom Aussterben bedroht, so der Berichts zur Weltbiodiversitätsrat aus dem Jahr 2019. Arten wie der Dodo, die Stellersche Seekuh oder der Riesenalk sind für immer verloren.

Ausstellung "TOT wie ein Dodo", Entdecker mit Dodo
Eine Szene aus der Ausstellung "TOT wie ein Dodo" Bildrechte: Henry Heidecke

Die Ausstellung "Tot wie ein Dodo - Arten.Sterben.Gestern.Heute." im Dresdner Japanischen Palais beleuchtet das Artensterben. "As dead as a Dodo" ist eine im Englischen gebräuchliche Redenwendung dafür, dass etwas völlig verloren ist oder eben mausetot – wie der Dodo selbst. Dieser flugunfähige Vogel war einst in Mauritius heimisch, bis vor etwa 300 Jahren Seefahrer die Insel für Zwischenstopps nutzten auf ihrem Weg nach Indien. "Der Dodo ist ein willkommener 'Reiseproviant', weil er nicht wegläuft oder leicht zu greifen ist", so Kai Füldner, der Leiter des Naturkundemuseums im Ottoneum in Kassel und Kurator der Ausstellung. "Innerhalb von 30, 40 Jahren waren die weg und das war schon für die damaligen Europäer so eindrücklich, dass sie dieses Sprichwort 'dead as the Dodo' erkannt haben. Denn erstmals in der Menschheitsgeschichte ist es bewusst gewesen, dass die von Gott erschaffenen Lebewesen aussterben können."

Die Plastikfigur eines Dodos liegt zwischen den lebensgroßen Nachbildungen von Dodo-Füßen 4 min
Bildrechte: dpa
Die Plastikfigur eines Dodos liegt zwischen den lebensgroßen Nachbildungen von Dodo-Füßen 4 min
Bildrechte: dpa

Artensterben früher und heute

Die Sonderschau "Tot wie ein Dodo" ist zweigeteilt – in einen historischen Teil mit Arten, die unwiederbringlich ausgestorben sind, und in einen Teil, der die gegenwärtige Situation beschreibt. Hier sieht man beispielsweise Szenen, wie ein Ranger neben einem erschossenen Nashorn kniet, dessen Hörner abgesägt wurden. Oder auch einen Eisbären auf einer Scholle im Meer, umringt von Plastikabfällen.

Ein ausgestopfter Eisbär in einem Museum
Der Eisbär ist das Symbol des Artensterbens durch den Klimawandel. Bildrechte: Henry Heidecke

Dass das Artensterben keine Erscheinung der Neuzeit ist, zeigt ein Zeitstrahl über mehrere Millionen Jahre hinweg. Die prominentesten Beispiele sind darauf sicher die Dinosaurier. Allerdings sollen die einem Meteoriteneinschlag zum Opfer gefallen sein und nicht der Hand des Menschen, wie Dodos, Moas oder der Riesenalk, dem Pinguin der Nordhalbkugel. In der Ausstellung wird ihre Ausrottung inszeniert – als Lebensrauminstallationen mit authentischen Nachbildungen von Jägern und Gejagten.

Problem Lebensraumvernichtung

Die Bedrohung geht heute zuallererst von veränderten Umweltbedingungen aus, bei denen der Mensch wiederum seine Hand im Spiel hat. Füldner betont den großen Anteil der Lebensraumvernichtung, beispielsweise durch intensive Landnutzung: "Man muss unterscheiden zwischen der Vernichtung des Lebensraumes und der Vernichtung der Art. Kleine Lebewesen, das ganze Insektensterben ist reine Lebensraumvernichtung, die Wiese wird gegüllt und dann sind die Fliegen und die Schmetterklinge und die Käfer weg und wenn ich noch Gift draufspritze erst recht." Auch wenn ein Wald in den Tropen weggebrannt wird, verschwindet der Lebensraum für viele Arten. Das mechanische Töten von großen Tieren spielt heute nur am Rande eine Rolle, zum Beispiel bei Elfenbeintötungen von Nashörnern oder Elefanten.

Ausstellung "TOT wie ein Dodo", Nashorn
Die Szene zeigt, wie einem Nashorn die Hörner entfernt wurden. Bildrechte: Henry Heidecke

Füldner lenkt die Aufmerksamkeit auf eher unscheinbare, inzwischen besonders und streng geschützte Arten hierzulande wie Feldhamster, Rebhuhn oder Ringelnatter. Oder auch seltene heimische Schnecken, die im Dresdner Senckenberg-Institut erforscht werden.

Als Partner vor Ort haben die Kollegen von den hiesigen Naturhistorischen Sammlungen eigene Exponate zur Kasseler Wanderausstellung beigesteuert. Spektakulär dabei das Skelett der seit dem 18. Jahrhundert ausgestorbenen Stellerschen Seekuh, das als Vorlage für ein mehr als fünf Meter langes massiges Modell in der Schau diente und von dem es weltweit nur zehn Exemplare gibt.

Bewusstwerdung der Probleme

Ausstellung "TOT wie ein Dodo", Kartenhaus
Das Kartenhaus zeigt, wie sehr der Mensch vom Artensterben bedroht ist. Bildrechte: Henry Heidecke

Aber auch Biber und Fischotter sind darunter, berichtet Birgit Walker von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen: "Hier in Sachsen hat sich die Population ja doch sehr gut erholt, als Beispiel eben, dass unsere Flüsse saubrer geworden sind und man ja auch wirklich an der Elbe, den Biber wirklich sehen kann. Das ist auch so ein Lichtblick, wo man sagt, wenn wir ein bisschen was tun, dann kann man schon einige Dinge schaffen."

Dass Leute kommen, sich das angucken und sagen: Ja, auch dafür müssen wir was aufwenden, allein das Interesse der Menschen, dass hier Bedarf ist, ist schon der erste Schritt.

Kurator Kay Füldner zum Ausstellungsziel

Die Ausstellung "Tot wie ein Dodo - Arten.Sterben.Gestern.Heute."
3. Juli 2020 bis 17. Januar 2021
Japanisches Palais in Dresden

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag jeweils 10:00–18:00 Uhr,
Montag geschlossen

Jeden ersten Dienstag im Monat für Rentner freier Eintritt
jeden Sonnabend/Sonntag "Kultur am Mittag" von 12 bis 13 Uhr freier Eintritt.

Freier Eintritt für Familien, die mit Eisbären- oder Tigerkindern (Kostüm oder geschminktes Gesicht) an der Kasse erscheinen.

Mehr zu Umwelt und Naturschutz

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. Juli 2020 | 16:10 Uhr