Ausstellung Gewandhausorchester. Ein Raum mit verschiedenen Aufstellern.
Blick in die Ausstellung zum 275-jährigen Bestehen des Gewandhausorchesters Bildrechte: Gewandhaus Leipzig

Ausstellung | 275 Jahre Gewandhausorchester Geschichte des Gewandhausorchesters in 27,5 Köpfen

Eine Ausstellung zum 275. Jubiläum des Gewandhausorchesters stellt historisch prägende Personen des Klangkörpers vor. Große Namen wie Felix Mendelssohn Bartholdy oder Kurt Masur sind ebenso vertreten, wie der des Orchesterwarts Achim-Joachim Günther.

Ausstellung Gewandhausorchester. Ein Raum mit verschiedenen Aufstellern.
Blick in die Ausstellung zum 275-jährigen Bestehen des Gewandhausorchesters Bildrechte: Gewandhaus Leipzig

Das Gewandhausorchester feiert in diesem Jahr sein 275. Jubiläum. Aus diesem Anlass gibt es auch eine Ausstellung unter dem Titel "27,5 Köpfe erzählen die Gewandhaus-Geschichte". Seit dem 22. Januar werden dort Personen gezeigt, die das Orchester geprägt haben. Dazu zählen Musiker, Kapellmeister, Kantoren und Komponisten, aber auch Kaufleute, Verleger und Stifter.

Das Orchester besteht nicht nur aus Musikerinnen und Musikern, sondern aus sehr vielen Persönlichkeiten, die das Orchester mitgestaltet und geprägt haben.

Verena Naegele, Kuratorin der Ausstellung
Historische Zeichnung zeigt Innenansicht des Gewandhauses in Leipzig
So musizierte das Gewandhausorchester in seinem früheren Gebäude Bildrechte: IMAGO

So liest man in der Ausstellung bekannte, aber auch weniger bekannte Namen und erfährt so einiges über sie. Wie zum Beispiel über Daniel Friedrich Kreuchauff. Gemeinsam mit Gottlieb Benedict Zemisch gründete er 1743 das "Große Concert" in Leipzig. Die beiden gehören zu den wichtigen Musikförderern und waren auch die Gründer des ältesten bürgerlichen Orchesters der Stadt, meint Kuratorin Sibylle Ehrismann, und weiter: "Das waren damals aufklärerische Geister, junge Kaufleute", durch sie wurden hier erstmals die Leute angestellt und bezahlt, dass sie Musik machen".

Theater gehört dazu

Auch der erste Gewandhauskapellmeister, Thomaskantor, Komponist und Musikschriftsteller Johann Adam Hiller ist in der Ausstellung zu sehen. Er veranstaltete nach dem Siebenjährigen Krieg 1762 auf eigenes Risiko die ersten Konzerte. Und er war auch ein Theatermensch, komponierte viele Singspiele, die dann vom Gewandhausorchester im ersten Leipziger Theater begleitet wurden.

Das ist auch die Besonderheit, dass das Gewandhausorchester nicht nur ein Konzertorchester ist, sondern auch ein Theaterorchester. Und das war schon sehr früh der Fall, durch Johann Adam Hiller.

Verena Naegele, Kuratorin der Ausstellung

Aufstieg und Nierdergang von Stars

Der italienische Geigenvirtuose Bartolomeo Campagnoli wurde 1797 als Vorspieler für das Große Concert engagiert. Damit war er zur damaligen Zeit der wichtigste Musiker im Gewandhaus. Sie haben die Proben geleitet und meist ohne Dirigent gespielt.

Sie waren wichtige Leute damals. Das hat sich erst geändert als Felix Mendelssohn kam. Er wollte dirigieren. Er hatte die Vorspieler degradiert. Und dann hatten sie nicht mehr so viel zu sagen, wie der Dirigent.

Kuratorin Sibylle Ehrismann über die Vorspieler

Große Namen voller Klang

Portrait von Felix Mendelssohn Bartholdy, deutscher Komponist.
Felix Mendelssohn Bartholdy prägte den Klangkörper nachhaltig Bildrechte: imago/Leemage

Felix Mendelssohn Bartholdy nahm 1835 erst nach einigem Zögern die Stelle als Kapellmeister im Gewandhaus an. Überzeugt hatten ihn damals die Leipziger Pianistin Henriette Voigt und ihr Mann, der Textilhändler Carl Voigt. Die beiden waren mit Mendelsohn befreundet. Und für Henriette Voigt komponierte Felix Mendelssohn Bartholdy auch sein Lied ohne Worte in fis-Moll.

Ausstellung Gewandhausorchester. Ein gelber Kreis mit Datum und Schrift.
Die Ausstellung ist zweisprachig Bildrechte: Gewandhaus Leipzig

Auch den Namen von Max Brockhaus findet man in der Ausstellung. Der Verlagsgründer war erst Mitglied, dann der Vorsitzende der Gewandhaus-Konzertdirektion. Er holte 1923 Wilhelm Furtwängler und 1929 Bruno Walter als Kapellmeister ans Gewandhaus. Brockhaus führte bis 1936 das Haus durch turbulente Zeiten. Auch die NS-Zeit wird in der Ausstellung thematisiert.

Kurt Masurs Orchesterwart

Für Leipzig und das Orchester war selbstverständlich auch der langjährige Gewandhauskapellmeister Kurt Masur bedeutsam. Der Orchesterwart Achim-Joachim Günther hat ihn auch hinter den Kulissen erlebt. 42 Jahre lang war Günther im Gewandhaus aktiv, prägte auf seine Weise das Gewandhausorchester. Und so findet sich nicht nur Masur in der Ausstellung, auch Günther hat einen Platz gefunden.

Er war eine Seele von Mensch gewesen. Er hat sich um alles gekümmert. Er war vor allem ein wichtiger Tourneebegleiter. Und hat geschaut, dass alles seine Ordnung hatte und hatte für alles eine Lösung.

Kuratorin Sibylle Ehrismann über den Orchesterwart Achim-Joachim Günther

Blick in die Zukunft

Das Gewandhaus zu Leipzig bei Nacht
Das Gewandhaus und sein Orchester sind fest in der internationalen Kulturlandschaft verankert. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Die Ausstellung verspricht 27,5 Köpfe zur Geschichte des Gewandhausorchesters, der halbe Kopf entspricht dabei einem Mädchen, das sinnbildlich für die Zukunft steht. Und an diese künftige Generation richtet er sich auch, die Säule des Mädchens ist kleiner gestaltet, so dass Kinder hier aktiv werden können. Spielerisch erkunden sie die Geschichte und haben dabei die Chance auf einen ganz besonderen Hauptgewinn:

Wir haben ein wunderbares Wimmelbild, das zeigt die drei Gewandhäuser von innen. Und hier dürfen die Kinder die Mäuse suchen, die sich in den Sälen eingenistet haben. Die ganz findigen Köpfe finden dann einen Code, dahinter versteckt sich Musik, die wir alle kennen. Welche verraten wir aber nicht.

Kuratorin Verena Naegele

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. Januar 2018 | 10:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2018, 16:32 Uhr

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