Empfehlungen Götter, Mumien und Sargkammern – die Ägypten-Sammlungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Die altägyptische Kultur und Geschichte fasziniert die Menschen seit Jahrhunderten. Diese alte Hochkultur hat einzigartige Kunstwerke, Bauten, schriftliche Überlieferungen und religiöse Welten hervorgebracht. Besonders markant natürlich die Mumien mit ihrer schaurigen Erhabenheit. Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden Sammlungen mit Aegyptiaca angelegt. Lernen Sie drei der interessantesten Sammlungen kennen.

Exponate im Ägyptischen Museum der Uni Leipzig im Krochhochhaus.
Exponate des Ägyptischen Museums der Uni Leipzig im Kroch-Hochhaus Bildrechte: imago/Stefan Noebel-Heise

Sachsen-Anhalt: Sammlung Julius Kurth – Archäologischen Museum der Uni Halle

Falkenmumie, Zeichnungen des Berliner Pfarrers und Forschers Julius Kurth (1870 - 1949)
Aus der Sammlung Julius Kurth Bildrechte: Archäologisches Museum der Uni Halle, Sammlung Julius Kurth

Julius Kurth (1870-1949) war ein Berliner Pfarrer und Forscher, der eine umfangreiche Aegyptiaca-Sammlung zusammengetragen hatte. Diese vermachten Kurths Erben Anfang der 1990er-Jahre dem Archäologischen Museum der Uni Halle.

Insgesamt bezog Kurth seinen ägyptische Sammlung aus elf verschiedenen Quellen. Eine davon stammt von dem Berliner Zigarettenhändler Franz Syrowatka, den Kurth 1892 kennengelernt hatte. Syrowatka hatte einige Jahre in Luxor gelebt und eine stattliche Kollektion von Aegyptiaca zusammengetragen, von ihm erhielt Kurth drei Kisten mit Aegyptiaca.

Ein besonderes Exponat der Kurthschen-Sammlung ist die Mumie eines Falken. Die Falkenmumie wurde von ihm aufgeschnitten und ist heute zusammen mit menschlichen Mumienteilen, einem Kopf, zwei Händen und einem Fuß in einer Vitrine ausgestellt. Teile von Mumien ließen sich im 19. Jahrhundert besser verkaufen als ganze. Im Rahmen von Tierkulten wurden in Ägypten viele Mumien gefertigt, beliebt waren dafür Katzen, Krokodile – und Falken.

Falkenmumie, Zeichnungen des Berliner Pfarrers und Forschers Julius Kurth (1870 - 1949)
Falkenmumie, Zeichnungen des Berliner Pfarrers und Forschers Julius Kurth (1870-1949) Bildrechte: Archäologisches Museum der Uni Halle, Sammlung Julius Kurth

In den Heiligtümern wurden ursprünglich auch Falken gehalten. Denn indem man sich um diese Falken kümmerte – und das auch über den Tod hinaus, indem man sie mumifizierte – tat man etwas, um dem Gott Horus zu gefallen. Denn Horus, der Sohn der Göttin Isis, galt in der ägyptischen Mythologie als mächtiger Gott und wurde meist als Falke dargestellt. Er war der Herrscher über das fruchtbare Land und der jeweilige Pharao seine menschliche Verkörperung. Nur Priester hatten zu Horus-Heiligtümern Zugang, wobei der Tempel von Edfu, unweit von Luxor, der bekannteste ist.

Der Falke wurde wie jede Mumie präpariert. Dann ist er sehr aufwändig in Mumienbinden eingewickelt worden, in mehreren Lagen und Mustern. Es ist eine Kassettierung zu sehen, die auch farbig gefasst war. Man sieht, welche Mühe auf die Mumie verwendet wurde.

Exponate im Ägyptischen Museum der Uni Leipzig im Krochhochhaus. 5 min
Bildrechte: imago/Stefan Noebel-Heise

Ulrike Thielmann anlässlich der Weimarer AIDA-Premiere mit einem Blick auf drei ausgewählte ägyptische Exponate in den ethnografischen Sammlungen in Mitteldeutschland.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 29.10.2021 06:00Uhr 04:44 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Exponate im Ägyptischen Museum der Uni Leipzig im Krochhochhaus. 5 min
Bildrechte: imago/Stefan Noebel-Heise
5 min

Ulrike Thielmann anlässlich der Weimarer AIDA-Premiere mit einem Blick auf drei ausgewählte ägyptische Exponate in den ethnografischen Sammlungen in Mitteldeutschland.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 29.10.2021 06:00Uhr 04:44 min

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Thüringen: Lindenau-Museum, Altenburg

Napoleons Begeisterung für das Land der Pharaonen hatte auch den Museumsbegründer, den Freiherrn von Lindenau erfasst. Er ließ sich vor allem in Gotha, auf Schloss Friedenstein, ägyptologisch inspirieren, was dadurch der einzige Ort in Thüringen ist, der heute eine menschliche ägyptische Mumie präsentiert.

Die Sammlung des Lindenau-Museums um 1890, in der Vitrine befinden sich Uschebtis und Amulette
Die Sammlung des Lindenau-Museums um 1890, in der Vitrine befinden sich Uschebtis und Amulette Bildrechte: Lindenau-Museum Altenburg

Unter der berühmten Gipsabguss-Skulpturensammlung des Lindenau-Museums befinden sich auch etliche hehre ägyptische Gottheiten, deren Formen von Lindenau im Pariser Louvre abnehmen ließ. Auch im thüringischen Altenburg besaß man eine komplette, wenn auch gefledderte menschliche Mumie samt Sarg. Man entschied sich aber in den 1990ern, sie als Dauerleihgabe nach Leipzig zu geben.

Heute besitzen die Altenburger nur wenige Aegyptiaca, darunter Grabbeigaben wie Amulette und Uschebtis, kleine Statuetten in Form von Mumien, auch aus ägyptischer Fayence (zermahlenem Sand[stein]). Diese Dienerfiguren sollten im Jenseits dem jeweiligen Toten dienen, für ihn arbeiten, denn im Jenseits wollte man selber nicht mehr arbeiten. Laut Inventarliste stammen die Uschebtis aus von Lindenaus Besitz, ganz geklärt ist ihre Herkunft aber nicht.

Sachsen: Ägyptische Museum der Uni Leipzig im Leipziger Kroch-Hochhaus

Das Ägyptische Museum der Uni Leipzig im Leipziger Kroch-Hochhaus begeistert seit seiner Neuinszenierung im Jahr 2010 mit einer Schau, deren Konzept jener im Metropolitan Museum of Art in New York ähnelt.

Viele Funde aus der Frühzeit Ägyptens präsentiert das Museum, gar eine Sargkammer von Priester Herischef-Hotep gibt es. Das Museum besitzt eines der wenigen, annähernd vollständigen, Grabensembles aus dem Mittleren Reich um 2000 vor Christus. Auch Mumien werden – in einer ethisch vertretbaren Präsentation – gezeigt, will heißen: Nur komplett eingewickelt. Sogenannte "Leichenteile" bleiben im Magazin. Doch auch das kann besichtigt werden.

Exponate im Ägyptischen Museum der Uni Leipzig im Krochhochhaus.
Blick in die Sammlung des Ägyptischen Museum der Uni Leipzig Bildrechte: imago/Stefan Noebel-Heise

Auch die Grab-Statue des Neferihi "Beauftragter für die Angelegenheiten des Königs" gehört zu den besonderen Exponaten. Andere Privatstatuen aus der Zeit der ersten Pyramiden sind häufig aus Kalkstein, Neferihi besteht aus Rosengranit. Das Museum besitzt viele Statuen, die stehen oder schreiben oder sitzen. Aber keine repräsentiert diese Schreiberhaltung!

Viele Stücke des Museums kamen direkt von Ausgrabungen in die Sammlung, was diese gegenüber anderen Kollektionen überlegen macht. Dort kaufte man auf dem Kunstmarkt einzelne Stücke. Das Ägyptische Museum der Uni Leipzig hat alle Provenienzen klären können, nicht zuletzt durch Anfragen der Jewish Caims Conference nach der Wende. Sammlungsbegründer Georg Steindorf war Jude und musste während der Nazizeit in die USA emigrieren. Die komplette Sammlung verblieb an der Leipziger Universität. Während seiner Zeit als Ägyptologe in Leipzig formte Steindorf die kleine Lehrsammlung zu einem Museum. Auf Forschungsreise nach Ägypten erwarb Steindorf auch weitere Aegytiaca.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. Oktober 2021 | 08:40 Uhr

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