Digitale Ausstellung Kunstmuseum Moritzburg: Alte Meister als Rundgang im Netz erleben

Das Kunstmuseum Moritzburg präsentiert seine Alten Meister online. Nach einigen Jahren des Umbaus, war der komplett neu gestaltete Teil der Dauerausstellung Ende Oktober eröffnet worden und stand den Besuchern nur für eine Woche offen. Jetzt kann man die Kunstwerke aus dem 16. bis 19. Jahrhundert erstmals bei einem virtuellen Rundgang im Netz erleben.

Blick in die virtuelle Ausstellung des Kunstmuseum Moritzburg
Der virtuelle Rundgang "Kunst des 16. bis 19. Jahrhunderts" des Kunstmuseums Moritzburg Bildrechte: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

Wer im neuen, virtuellen Rundgang durch die Alten Meister des Kunstmuseums Moritzburg streift, dem klingen kleine Hörbeiträge entgegen, mit denen manche Exponate vorgestellt werden. Daneben gibt es längere und kürzere Beschreibungen zum Lesen. Klickt man ein Kunstwerk seiner Wahl an, öffnet sich ein kleines schwarzes Fenster – wie etwa jenes in dem Raum, der Kunst aus Barock und Rokoko zeigt. Zu einem Ziertischchen etwa aus der Königlichen Porzellan-Manufaktur in Sèvres aus der Zeit von Louis VI, dessen gönnerhaft lächelndes Konterfei man auf der Tischplatte aus Porzellan beim realen Museumsbesuch natürlich auf sich wirken lassen kann, in der virtuellen Besuchsvariante leider nicht.

Scrrenshot aus dem virtuellen Rundgang "Alte Meister" im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Beim Klick auf ein Kunstwerk erhält man im virtuellen Rundgang mehr Informationen dazu, Bildrechte: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

"Die Aura des Originals ist unersetzbar"

Dass Online-Spaziergänge durch Museen ihre Grenzen haben, weiß auch Thomas Bauer-Friedrich, Direktor der Moritzburg: "Die Aura des Originals, wie es Walter Benjamin gesagt hat, die ist unersetzbar. Also keine Kunstreproduktion im Buch oder im Digitalen ersetzt das Erlebnis des Originals im Raum."

Seit 1935 ist das Rokokotischchen im Besitz der Moritzburg, wurde in den letzten Jahren aufwändig restauriert und kann nun in seiner alten Pracht erlebt werden. Wenn nur das Museum nicht geschlossen wäre. Erst Ende Oktober 2020 eröffnete die Moritzburg die komplett neu gestaltete Präsentation ihrer "Kunst des 16. bis 19. Jahrhunderts" im Südflügel des Hauses, im "Talamt". Ein Novum, denn vor der Generalüberholung waren etliche Werke viele Jahrzehnte lang nicht ausgestellt gewesen. Und jene, die ausgestellt waren, sah das Publikum auch lange nicht: seit 2013, dem Beginn der Umbauarbeiten.

Thomas Bauer-Friedrich, Leiter des Kunstmuseums Moritzburg in Halle, geb. 1976
Thomas Bauer-Friedrich, Leiter des Kunstmuseums Moritzburg in Halle Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Neu hinzugekommen in die öffentliche Präsentation sind etwa zwei Gemälde in jenem Raum, der sich der Kunst der Renaissance und des Manierismus widmet, etwa ein barockes Vanitas-Stillleben von Damien L’homme, genannt "Meister des Almanachs", eher in französischen als in deutschen Sammlungen vertreten. Thomas Bauer-Friedrich beschreibt es so: "Ein fantastisches Vanitas-Stillleben, mit einem Auszug aus einem biblischen Psalm, der das Thema aufgreift, einen Totenschädel, man hat einen angebrochenen Krug, der auch schon bessere Zeiten erlebt hat, eine Kerze, die erlischt, die Sanduhr im Hintergrund, also alles Symbolik, die für die Endlichkeit des Lebens steht, ist hier in perfekter barocker Manier zusammengefasst."

Die historischen Zimmer aus dem 1882 abgerissenen Talamt wurden zwei prachtvolle Räume, das Gerichts- und das Festzimmer geborgen und in das neue Museum integriert.
Prachtvolle Räume: Die historischen Zimmer aus dem ehemaligen Talamt Bildrechte: imago images/VIADATA

Näher dran am Kunstwerk

Durch die Zoom-Funktion im virtuellen Ausflug vermag man dem Gemälde nun näher zu kommen als beim leibhaftigen Rundgang. Wie auch den anderen rund präsentierten 200 Werken, die die Abteilung "16. bis 19. Jahrhundert" in Halle jetzt umfasst. So lässt sich etwa der Petersberg bei Halle nun stark vergrößert ins Auge fassen, in einem Gemälde von Carl Adolf Senff, biedermeierlicher Blumenmaler mit Star-Qualitäten, dem die neue Schau einen eigenen Raum widmet.

Ein Online-Rundgang hat also Vorteile, weiß auch Bauer-Friedrich: "Es ist ja auch nicht einfach nur ein Abfotografieren, sondern es sind 360-Grad-Rundgänge und nicht einfach nur das Raumerleben, sondern jedes einzelne ausgestellte Werk wird kommentiert und das Schöne ist, bei den vielen kleinteiligen Arbeiten, die wir präsentieren, die Medaillen, die Münzen, das Kunsthandwerk, das man sich en Detail gar nicht in der Ausstellung angucken kann, das sieht man in dem virtuellen Teil wesentlich besser."

Klassiker von Caspar David Friedrich

Natürlich zeigen die Alten Meister in Halle virtuell auch ihre bekanntesten Werke: Caspar David Friedrichs "Klosterruine Oybin" und die "Hallesche Perlhaube", gefertigt im 16. Jahrhundert aus Süßwasserperlen. Jene Mona Lisen der Sammlung ergänzt der Online-Rundgang mit Bildreproduktionen, auf dass der leuchtende Mond bei Friedrich und die Naturperlen, die vermutlich aus der Saale stammen, noch besser zum Tragen kommen.

Ausstellungen und Kunst in Sachsen-Anhalt

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Dezember 2020 | 13:15 Uhr

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