Sanierung mit Querelen Altenburg: Warum das Lindenau-Museum seine Eingangstreppe verlieren soll

Derzeit wird gestritten um die Sanierung des Altenburger Lindenau-Museums, einen der vier kulturellen Leuchttürme Thüringens. Verschiedene Expertinnen und Experten aus den Bereichen Architektur und Denkmalpflege haben sich dagegen ausgesprochen, dass die neobarocke Freitreppe vor dem Museum abgerissen wird und durch ein gläsernes Untergeschoss ersetzt wird. Aber genau das haben die Beteiligten weiterhin vor, wie auf einer Pressekonferenz zu erfahren war.

Lindenau Museum mit geplantem gläsernen Unterbau (Entwurf) 4 min
Bildrechte: Pietsch/Lindenau Museum
4 min

Denkmalschutz vs. Barrierefreiheit – diese Frage stellt sich beim Umbau des Altenburger Lindenaumuseums. Nun gab es einen Vor-Ort-Termin mit Landeskonservator Reinhardt. Mareike Wiemann berichtet.

MDR KULTUR - Das Radio Fr 11.02.2022 06:00Uhr 03:51 min

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Es gibt wohl angenehmere Dinge, als ein Projekt zu verteidigen, das in der Fachwelt geradezu mit Verachtung gestraft wird. So äußerte jüngst die Klasse Baukunst der Sächsischen Akademie der Künste, eine Realisierung der Umbaupläne würde die Integrität dieses "Denkmals von nationaler Bedeutung" in höchstem Maße beschädigen. Und so ist es Architekt Markus Sabel vom Erfurter Büro Kummer Lubk und Partner wichtig zu betonen: Man habe lange versucht, ein Zukunftskonzept zu erarbeiten und gleichzeitig die äußere Anmutung beizubehalten.

Es habe aber nicht funktioniert: "Das geht leider nicht unter Beibehaltung dieser Treppe von 1910. Das haben wir tatsächlich versucht, in mehreren Varianten. Ob wir sie in der Kubatur oder im Material mit einbeziehen können in eine neue Gestaltung. Aber das ist uns nicht überzeugend gelungen. Und insofern war dann irgendwann der Punkt, wo wir gesagt haben: Okay, wir müssen und dürfen es neu denken."

Lindenau-Museum mit ursprünglicher Eingangssituation von 1876
So sah das Lindenau-Museum in Altenburg ursprünglich aus, im Jahr 1876 Bildrechte: Pietsch/Lindenau Museum

Transparente Eingangszone statt barocke Freitreppe

Durch den Wegriss der Freitreppe wird das Untergeschoss des Museums freigelegt. Die Außenwände sollen verglast werden, um eine Art transparente Eingangszone zu schaffen. Neben dem Kassenbereich soll auch das Studio Bildende Kunst dort einen Platz finden, die traditionsreiche Kunstschule des Museums. So, dass also von außen beobachtet werden kann, wie die Bürgerinnen und Bürger Altenburgs dort kreativ tätig sind. Für Museumsdirektor Roland Krischke war dies bei der gesamten Planung ein zentraler Punkt – er will einerseits der Spitzenkunst die Bühne bieten, aber auch – wie das in Museumskreisen mittlerweile üblich ist – die Kunstvermittlung mehr in den Fokus stellen.

"Wir können Menschen ansprechen, die wegen Altenburg kommen oder der italienischen Renaissance, haben aber gleichzeitig diese Kunstschule von Anfang an in der Idee des Stifters mit dabei. Und ich finde da überhaupt keinen Widerspruch. Denn sie richtet sich ja auf das gesamte Spektrum unserer Sammlungen. Das ist immer das Entscheidende gewesen. Dass wir keine Jugendkunstschule haben, die neben dem Museum existiert. Sondern sich immer auf das Museum bezieht."

Ein radikaler Umbau - dem Zeitgeist geschuldet

So spricht sich auch Museumsdirektor Roland Krischke für diesen Umbau aus, der durchaus als radikal bezeichnet werden darf und die Anmutung des Museums von außen wohl stark verändern wird. Der herrschaftliche Ausdruck wird mit dem Treppenabriss schwinden, es wird, ganz im Sinne der Zeit, offener und zugänglicher werden. Dieser Wandel wird vom obersten Denkmalschützer Thüringens, Landeskonservator Holger Reinhardt, offensiv mitgetragen: "Wir haben harte Diskussionen gehabt bei uns im Haus. Letztendlich hat uns aber das funktionale Konzept dahingehend überzeugt, dass wir gesagt haben: Okay, wir werden uns einer solchen Entwicklung nicht entgegenstellen."

Ein zentrales Argument ist für Reinhardt, dass es beim Denkmalschutz nicht nur um den Erhalt äußerer, ästhetischer Werte gehe, sondern eben auch um ideelle Aspekte. Hier bringt auch er die Tradition des Museums mit ein: "Und wenn wir das Stiftervermächtnis, das Sammlervermächtnis, und insbesondere auch diese kulturelle Arbeit, Bildungsarbeit weiter befördern wollen, dann müssen wir diese Auseinandersetzungen auch führen. Und dann sollten wir diese Auseinandersetzungen auf sachlicher Ebene auch mit der Bevölkerung führen und vor allem auch mit der Jugend."

Lindenau-Museum mit veränderter Eingangssituation ab 1910
Derzeit besitzt das Lindenau-Museum die veränderte Eingangssituation ab 1910 Bildrechte: Pietsch/Lindenau Museum

Altenburger dürfen mit abstimmen über den Umbau

Es wird ein Beteiligungskonzept geben für die Bevölkerung vor Ort, verspricht der Bauherr, Landrat Uwe Melzer. Zudem sei ein wissenschaftliches Kolloquium im März geplant, bei dem man über den aktuellen, angepassten Entwurf diskutieren wolle. Es sei aber ausgeschlossen, zurück auf Null zu gehen, das betont er auch. Das gläserne Untergeschoss werde kommen. Denn, so führt er aus: "Wir müssten diesem Büro, was keine Fehler gemacht hat, weil wir im Team gearbeitet haben, den Auftrag entziehen und einen Architektenwettbewerb machen und neu beginnen. Das werden wir nicht tun, aus heutiger Sicht. Sondern wir stehen zum Projekt. Und warten auf die Genehmigung."

Bei den angereisten Architekturkritikern stößt das auf wenig Zustimmung. Was die Bevölkerung Altenburgs davon hält? Das wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 11. Februar 2022 | 06:15 Uhr

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