Sonderinvestitionen für Thüringer Schlösser Digitalisierung und Provenienz: Pläne für das Lindenau-Museum in Altenburg

Das Lindenau Museum (Aufnahme mit einer Drohne) 8 min
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Das Lindenau-Museum in Altenburg wird eine Holzwerkstatt für junges Publikum einrichten. Außerdem sollen die Bestände digitalisiert und ihre Herkunft erforscht werden. Dafür werden die Fördergelder des Bundes genutzt.

MDR KULTUR - Das Radio Di 12.01.2021 15:30Uhr 08:16 min

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Das Lindenau-Museum in Altenburg will in Zukunft in die Digitalisierung und Erforschung der eigenen Sammlung investieren. Das gab die Museumsleitung am Dienstag bei einer Pressekonferenz bekannt. Zuvor wurden dem Haus in Ostthüringen jährlich ungefähr 2 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt versprochen.

Wichtige Themenfelder

Der Direktor des Lindenau-Museums, Roland Krischke (2017)
Direktor des Lindenau-Museums, Roland Krischke Bildrechte: dpa

Das Museum wendet sich damit zwei aktuell besonders wichtigen Fragen zu, die allerdings als Richtlinien für die Fördergelder vorgegeben waren, wie Direktor Roland Krischke im Gespräch mit MDR KULTUR erklärte. So sollen die Bestände in den nächsten Jahren umfassend digitalisiert werden. "Das heißt nicht, dass wir Scans machen, die keiner sieht. Es wird damit verbunden sein, dass wir unsere Online-Präsenz stärken, dass wir in die internationale Forschung gehen wollen, damit insbesondere unsere italienischen Tafelgemälde, die größte Sammlung nördlich der Alpen, sichtbarer wird", erklärt Krischke den Anspruch.

Außerdem soll die Provenienz der eigenen Sammlung weiter erforscht werden: In Altenburg wird laut Krischke derzeit bereits untersucht, welche Werke während des Nationalsozialismus beispielsweise von jüdischen Familien geraubt wurden. In Zukunft soll nun auch erforscht werden, welche Objekte aus ehemaligen Kolonien stammen und welche Exponate in DDR-Zeiten unrechtmäßig in die Sammlung kamen.

Lindenau-Museum in Altenburg
Blick in die Ausstellungsräume des Lindenau-Museums Bildrechte: IMAGO

Zuerst will sich das Lindenau-Museum jedoch auf Vermittlungsarbeit vor Ort konzentrieren: "Kulturelle Vermittlung ist vielleicht das Attraktivste nach außen hin. Da wollen wir auch in dem Bereich Soziokulturen einsteigen und auch mehr Zeitgemäßes machen", erklärt Krischke. Erste Werkzeuge für eine Holzwerkstatt wurden bereits 2020 beantragt und sollen jungen Besucherinnen und Besuchern einen direkten Kontakt zur Kunst ermöglichen. Außerdem soll auch ein Medienlabor eingerichtet werden.

Weitreichende Auswirkungen

"Mit den zusätzlichen zwei Millionen können wir erstmals in der Geschichte des Museums unsere Arbeit in einer Weise und einem Umfang erledigen, die den international bekannten Sammlungen angemessen ist", erklärte das Museum in einer Mitteilung. Dass das Lindenau Museum von der Förderung durch den Bund profitiert, liegt auch am Blaubuch, in dem Paul Raabe wichtige Kultureinrichtung in der ehemaligen DDR erfasste. Auf den Vorwurf, dass so Gelder immer an die gleichen großen Einrichtungen gehen, entgegnet Krischke bei MDR KULTUR, dass Altenburg sonst mit wenig Mitteln arbeite: "Wir haben seit Jahrzehnten ein eher betrüblichen Mitarbeiterstand und können den mit der neuen Förderung so vergrößern, dass wir anständig arbeiten können." Darin sieht Krischke auch eine Chance für die Region, in der dadurch neue Arbeitsplätze und Infrastruktur entstehen könnte.

Ein Gipsabguss der antiken Figurengruppe des "Laokoon" nach dem griechischen Original aus der Werkstatt des Hagesandros, Polydoros und Athanadoros (verm. Mitte des 1.J. v.Chr.) steht im Eingangsbereich des Lindenau-Museums in Altenburg.
Gipsabguss der antiken Figurengruppe des "Laokoon" nach dem griechischen Original Bildrechte: dpa

Denn Krischke will das Lindenau-Museum zu einem "Leuchtturm" machen und so Besucher aus dem nahen Leipzig sowie ganz Deutschland nach Altenburg locken. Davon erhofft sich der Museumsdirektor auch eine weitreichende Wirkung für andere Einrichtungen der Stadt. "Es muss unbedingt so sein, dass aus diesem Geld auch eine Verantwortung erwächst, dass wir uns um die kleinen, kleineren Museen auch mit kümmern", erklärte Krischke. So gibt es Pläne, ein Restaurierungszentrum einzurichten, das Museen im Umland mit Wissen und Kontakten unterstützen soll.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Januar 2021 | 17:10 Uhr

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