Kunstmarkt Absage der artthuer: "Die Rückabwicklung ist genauso aufwendig

Die arthuer in Erfurt gilt als die größte Kunstmesse in Mitteldeutschland, auf der Interessierte neue Arbeiten entdecken und auch kaufen können. Eigentlich würde sie aktuell stattfinden, musste dann aber wegen steigender Infektionszahlen und des Lockdowns abgesagt werden. Dass zumindest die Galerien geöffnet bleiben dürfen, hält die Organisatorin, Michaela Hirche vom Verband der bildenden Künstler, für ein wichtiges Zeichen.

Erfurt - artthuer 05.11.16 , Erfurt, Messehalle, 10. artthuer, Kunstmesse in Thüringen mit Thüringer Künstlern
Eindrücke von der 10. artthuer in Erfurt Bildrechte: imago/Karina Hessland

MDR KULTUR: Was bedeutet die Absage der artthuer für die Künstlerinnen und Künstler?

Michaela Hirche: Das ist eine große Plattform, die uns da entgeht, ein großer organisatorischer Aufwand, der da versinkt und die Chance, sich mit dem Publikum zu begegnen, aktuelle Kunst zu zeigen und zu verkaufen. Das ist alles hinfällig.

Wie waren die Reaktionen und welche Auswirkungen hat das für die Künstlerinnen und Künstler?

Was auf so einer Messe passiert, ist etwas, was man erwartet und nicht wirklich weiß: Was kommt auf mich zu, mit wem kann ich Verkäufe abschließen, welche Ausstellung kann ich verabreden? Natürlich hat jeder etwas in den Transport, die Anfahrt und die Standgestaltung investiert. Da gehen zwischen 100 und 1000 Euro verloren.

Erfurt - artthuer 05.11.16 , Erfurt, Messehalle, 10. artthuer, Kunstmesse in Thüringen mit Thüringer Künstlern
Dieses Jahr wird es in Erfurt keinen großflächigen Austausch zwischen Kunstschaffenden und -interessierten geben. Bildrechte: imago/Karina Hessland

Was machen Sie als Organisationsteam? Suchen Sie noch nach Alternativen, die Messe zu verschieben oder online zu präsentieren?

Wir haben sehr auf diesen Termin hingearbeitet. Wir hatten ein Hygienekonzept und die Hoffnung, dass das stattfinden kann. Wir versuchen, im Messekalender einen Ausweichtermin zu finden. Jetzt geht es darum, Druckerzeugnisse einzulagern in der Hoffnung, dass man sie nochmal braucht, alles rückabzuwickeln und zu schauen, ob die Aussteller doch etwas von ihren Gebühren zurückbekommen. All diese Dinge rückwärts zu organisieren, ist der gleiche Aufwand.

Im Gegensatz zum Frühjahr dürfen Galerien während des Lockdowns vorerst geöffnet bleiben. Ist das ein Erfolg?

Ja. Es geht darum, dass normale Verkaufsflächen wie der Baumarkt offenbleiben, weil das wirtschaftliche Handeln weiter möglich sein soll. Wenn man dann sagt, dass Galerien, die sich schon um ein kuratiertes Ausstellungsprogramm bemühen, aber auch Platz für den Kunsthandel sind, geöffnet bleiben, finde ich das positiv.

Ist es für Sie dann zu verstehen, dass eine Messe, auf der gehandelt wird, abgesagt wird?

Das muss man vielseitig betrachten dürfen und wir sind schon enttäuscht, dass wir unter den Freizeitcharakter fallen. Andererseits sind wir keine Messe mit beschränktem Publikum, wo man die Kontakte stark beschränken könnte. Wir haben auf das Publikum gebaut und gezählt, wir wollen auch unserem Bildungs- und Vermittlungsanspruch gerecht werden. Wir sind also eher Ausstellung oder Verkaufsausstellung.

Erfurt - artthuer 05.11.16 , Erfurt, Messehalle, 10. artthuer, Kunstmesse in Thüringen mit Thüringer Künstlern
Eindrücke von der 10. artthuer Bildrechte: imago/Karina Hessland

Viele große Kunstmessen wie die Art Basel oder die Art Cologne wurden abgesagt. Müssen wir uns vorerst von diesem Format verabschieden?

Ich befürchte schon, dass wir uns für eine längere Zeit auf diese größeren Begegnungsstätten nicht freuen kann. Wir hatten die Hoffnung, dass wir die artthuer mit beschränktem Publikum veranstalten dürfen, aber wir sehen, dass in dieser Jahreszeit das Konzept nicht aufgeht. Vielleicht findet man andere Formate und andere Plätze. Als Kunstmesse ist das schwierig, denn wir brauchen geschlossene Räume. Insofern sind wir etwas kritisch, was die nahe Zukunft betrifft. Wir müssen einfach schauen, wie sich das regional entwickelt: Wir sind in Thüringen in einer anderen Situation als andere Regionen, wo es mehr Begegnungen gibt und mehr Internationalität herrscht. Wie gucken einfach optimistisch in die Zukunft.

Das Gespräch führte Moderatorin Julia Hemmerling für MDR KULTUR.

Kultur-Lockdown in Thüringen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. November 2020 | 08:40 Uhr