"The Mystery of Banksy – A Genius Mind" Banksy in Dresden: Ausstellung erforscht anonymen Graffiti-Weltstar

Das Plakat mit dem schwarzweißen Motiv eines Mädchens, das einen roten, herzförmigen Ballon fliegen lässt und ihm nachschaut, ist dieser Tage viel in Dresden zu sehen. Jung und Alt, ob mit Graffiti-Schablonentechnik vertraut oder nicht, erkennen den Urheber sofort: Banksy! Das Plakat für die Schau zur Kunst des globalen Street-Art-Rebells und Kunststars führt aufs Gelände des "Zeitenströmung"-Gebäudeensembles. Zudem wird mit dem Zusatz "an unauthorized exhibition" geworben – eine unauthorisierte Ausstellung. Was hat es damit auf sich?

Um es vorweg zu sagen: Die Ausstellung enthält nicht ein autorisiertes Werk von Banksy. Die Werke mit seinen weltberühmten Motiven, die sich in der Schau in der Art einer Perlenkette aufreihen, ganz gleich ob in Banksys allbekannter Schablonentechnik aufgesprüht oder in Öl gemalt, sind allesamt Fälschungen – von fähigen Sprayern und Malern ins Bild gesetzt, deren Namen die Schau zudem veröffentlicht. Virginia Jean, die Kuratorin der Dresdener Schau, erklärt: "Die Künstler, mit denen wir hier zusammengearbeitet haben, sind natürlich absolute Profis auf ihrem Gebiet. Die atmen wirklich jeden Tag Sprühdosenluft, verdienen damit ihr Geld und haben hier Banksy wirklich so nah dargestellt, wie man das nur machen kann."

Banksy-Ausstellung in Zeitenströmung Dresden
Replik aus Banksys Graffiti-Serie "Girl with Balloon" Bildrechte: Dominik Gruss

Banksy: Anonym und millionenschwer

Die Ausstellung mit dem Titel "The Mystery of Banksy – a genius mind" ist eine Wanderschau, die seit Jahren durch Europa tourt und hierzulande etwa schon in Heidelberg und München zu sehen war – und immer wo sie Halt macht, bewegt sie die Gemüter. Der deutsche Ko-Produzent, die Firma Cofo Entertainment, ist auf Musicals spezialisiert und produzierte etwa "Die Udo Jürgens-Story" oder "Die ABBA-Story".

Die Firma nutzt die Gesetzgebung im Bild- und Medienrecht, wonach illegal in den öffentlichen Raum eingebrachte Kunst, wie im Falle Banksys, keinen Eigentumsrechten unterliegt. Zudem ist der mindestens millionenschwere Künstler medienrechtlich durch seine Anonymität gehandicapt. Wollte er seine Urheber- und Markenrechte einklagen, müsste Banksy sich als zivilrechtlich existente Person anzeigen, müsste seine Anonymität, die einen Teil des Zaubers seiner Kunst ausmacht, aufgeben. 

Ausstellung erklärt das Phänomen Banksy

In diese rechtlichen Lücken springen die Macher der Ausstellung. Die einen nennen es schamlos, die anderen clever, wenn im umfangreichen Merchandising-Bereich auch jene Motive Verwendung finden, zu denen der Künstler jüngst zwei markenrechtliche Prozesse verloren hat: einerseits sein bekanntes "Flower Thrower"-Motiv, andererseits der beliebte Schimpanse mit der Tafel um den Hals.

Banksy-Ausstellung in Zeitenströmung Dresden
Replik des Banksy-Gemäldes "Devolved Parliament", dessen Original 2019 für mehr als elf Millionen Euro versteigert wurde. Bildrechte: Dominik Gruss

Gerade Jugendlichen und Kindern, die mit Banksys Kunst und Mythos im Netz aufgewachsen sind, dürften die medienrechtlichen Exkurse jedoch egal sein. Mindestens sie, da müssen reflektierte Erwachsene stark sein, werden die Schau lieben, die wirklich alles tut, um ihre Besucher abzuholen, ins Kunstwunderland "Banksy". Nach den Gesetzen eines Musical-Produzenten freilich. Gar Didaktik ist der Schau zu bescheinigen: sie versucht anschaulich, das Phänomen Banksy zu erklären.

Das einzige, das er braucht, ist eine Schablone, ein bisschen Sprühfarbe und dann sucht er sich die nächstbeste Hauswand und kreiert dort ein Werk, das mehr sagt als tausend Worte.

Kuratorin Virginia Jean über Banksy

Mit opulenten bühnenbaulichen Inszenierungen werden die Besucher an die Hand genommen, rund um die 100 präsentierten Banksy-Bilder, die – wären sie echt – allein eine Sensation sein würden. Kuratorin Virginia Jean über ihre persönliche Banksy-Faszination, die auch die Geschäftsgrundlage der Ausstellung ist: "Der erste Punkt ist der, dass Banksy in einem Zeitalter, in dem es unvorstellbar ist, anonym zu sein, es immer noch schafft, unerkannt zu bleiben. Die zweite Sache, wofür ich Banksy absolut bewundere, ist, dass er mit sehr wenig sehr viel kreiert. Das einzige, das er braucht, ist eine Schablone, ein bisschen Sprühfarbe und dann sucht er sich die nächstbeste Hauswand und kreiert dort ein Werk, das mehr sagt als tausend Worte."

Banksy-Ausstellung in Zeitenströmung Dresden
Die Banksy-Ausstellung in Dresden wartet mit opulenten bühnenbaulichen Inszenierungen auf. Bildrechte: Dominik Gruss

Was Banksys Kunst ausmacht

Mit einer Multimedia-Installation auf Großleinwand, die Banksys berühmteste Motive animiert, mit einzelnen Kabinetten, die in ihren Schaubildern an "Madame Tussauds" erinnern, werden die Besucherinnen und Besucher durch Banksys Bildwelt geführt. Auch die Figur des legendären Street-Art-Rebells selbst ist zu sehen, in seinem Atelier präsentiert, mit hochgezogener Kapuze und den Händen im Gebet. Jener Londoner U-Bahn-Waggon, in dem Banksy mit seinen Ratten-Bildern für das Tragen von Corona-Masken warb, vermittelt durchaus Atmosphäre.

Banksy-Ausstellung in Zeitenströmung Dresden
Rekonstruktion des 2020 von Banksy besprühten Londoner U-Bahn-Waggons. Bildrechte: Dominik Gruss

19 Euro zahlen Erwachsene am Wochenende – die Schauen in Heidelberg und München zeigen, dass es das vielen wert war. Was Banksys Kunst jedoch ausmacht, zeigt eines der wenigen groß aufgezogenen Fotos eines Grafittis am Sockel eines von Schwamm gezeichneten Hauses in Venedig. Jene Melange, die Haus, Mauerwerk und Bild hier eingehen, erzeugt eine Aura, die nicht reproduziert werden kann, im Kunstspektakel.

Banksy-Ausstellung in Zeitenströmung Dresden
Blick in Banksys nachgebautes Atelier mit der Figur des Künstlers. Bildrechte: Dominik Gruss

Informationen zur Ausstellung Wanderausstellung
"The Mystery of Banksy – A Genius Mind"

Zeitenströmung – Freiraum für Tradition & Inspiration
Königsbrücker Straße 96, 01099 Dresden

17. September bis 9. Januar 2022

Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch und Sonntag: 10 bis 18 Uhr

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. September 2021 | 10:10 Uhr

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