Gespräch Neue Chefin am Bauhaus Dessau: Barbara Steiner als "ungewöhnliche Wahl"

Nach langer Suche steht die Nachfolge fest am Bauhaus Dessau. Auf dem
Chefsessel sitzt nach Claudia Perren wieder eine Frau: Die promovierte Kunsthistorikerin Barbara Steiner setzte sich gegen 32 internationale Bewerberinnen und Bewerber durch. Am 1. September tritt sie ihr Amt als neue Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus Dessau an. Warum die gebürtige Österreicherin längst keine Unbekannte in der Region ist und was die Kunsthistorikerin mit Architektur verbindet:

Bauhaus in Dessau
Bauhaus-Gebäude in Dessau Bildrechte: MDR/Sven Stephan

MDR KULTUR: Zunächst einmal die schlichte Frage, wer ist Barbara Steiner?

Andreas Höll
MDR KULTUR-Kunstredakteur Andreas Höll Bildrechte: MDR/Hendrik Kirchhof

Andreas Höll, MDR KULTUR-Kunstredakteur: Barbara Steiner ist alles andere als eine Unbekannte in Mitteldeutschland. Sie hat von 2001 bis 2011 die Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst geleitet, als Nachfolgerin des legendären Gründungsdirektors Klaus Werner. Und sie hat in dieser Zeit das Ausstellungshaus auf ganz eigene Weise fürs Zeitgenössische geprägt.

Im Anschluss hatte sie eine Vertretungsprofessur und zwar einen Steinwurf weit entfernt von der Galerie, nämlich an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Sie konzentrierte sich da auf die Ausbildung angehender Museumsmacher und Kuratorinnen.

Außerdem hat sie gelehrt in Linz, Kopenhagen und Wien. 2016 wurde die gebürtige Österreicherin dann Direktorin des Kunsthauses Graz. Jetzt kehrt sie also zurück nach Mitteldeutschland.

Damit wird eine promovierte Kunsthistorikerin nun Chefin des Bauhauses. Da geht es ja vor allem um Architektur und Städtebau. Ist die Wahl also ungewöhnlich?

Ja, in den vergangenen 30 Jahren waren die Leitungsleute alles studierte Architekten oder Städteplaner. Ob Rolf Kuhn, Omar Akbar, Philipp Oswalt oder zuletzt eben auch Claudia Perren. Als Museumsmacherin zeigte Barbara Steiner allerdings immer ein großes Faible für die Architektur, für urbanistische Fragestellungen. Und denen ist sie immer wieder in ihrer Ausstellungspraxis nachgegangen.

Können Sie Beispiele nennen?

Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig
Das Café der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig Bildrechte: imago stock&people

Anfang der Nullerjahre hat sie in der GfZK eine große Ausstellung gemacht zu dem damals schwer angesagten Thema der Shrinking Cities, zu Deutsch also der schrumpfende Städte. Sie hat sich aber auch intensiv auseinandergesetzt mit der DDR-Moderne. Da gab es das wunderbare Projekt mit dem Titel "Heimat Moderne". Das war ein interdisziplinäres Projekt zu den damals noch existierenden Plattenbauten am Leipziger Brühl. Die sind ja mittlerweile leider verschwunden bzw. einem Shoppingcenter gewichen. Ja, und bei diesem Projekt, da waren Urbanisten beteiligt, Architektinnen, Theaterleute, Künstlerinnen. Das Thema wurde auf fantasievolle Art ausgelotet.

Außerdem hat sich Barbara Steiner sozusagen auch als Bauherrin profiliert. Es ist ihr gelungen, einen zweiten Ausstellungsbau auf die Beine zu stellen für die Galerie für Zeitgenössische Kunst. Der wurde 2004 eingeweiht. Den hat sie gemeinsam mit entwickelt gehabt mit dem Architekturbüro as-if aus Wien und Berlin. Da ging es dann vor allem um ein veränderbares Raumnutzungskonzept. Sie interessiert sich also sehr für die Schnittstellen von Kunst, Architektur, aber auch für Design. Das hat sich auch gezeigt, zum Beispiel bei der Gestaltung des Cafés in der GfZK, das alle paar Jahre von Designern und Künstlern umgestaltet wird.

In Dessau wurde 2019, zum 100. Bauhaus-Jubiläum auch das neue Bauhaus-Museum eröffnet. Da geht es ja dann vor allem um die Ausstellungspraxis. War das auch ein Grund für ihre Berufung?

Blick auf das neue Bauhaus Museum Dessau.
Das 2019 eröffnete Bauhaus-Museum in Dessau Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra hat vor allem ihre langjährige Leitungserfahrung hervorgehoben und auch ihre Verbindung zu Mitteldeutschland. Aber klar ist, dass am Bauhaus nicht nur geforscht und gelehrt wird, sondern es wird auch ausgestellt. Und da kann sie sicherlich ihre Kompetenzen einbringen als international gut vernetzte Ausstellungsmacherin.

Die Kunst hat ja nun am Bauhaus immer eine herausragende Rolle gespielt, auch noch in Dessau. Denken wir an Paul Klee, an Feininger, an Moholy-Nagy. Auch die Vorgängerin von Barbara Steiner, Claudia Perren, hat in ihrer Amtszeit immer die Verbindung zur Kunst gesucht. Sie hat immer wieder den Brückenschlag gesucht zu zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern.

Man kann da definitiv gespannt sein, mit welchen Projekten Barbara Steiner aufwarten wird als neue Bauhaus-Chefin.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 23. April 2021 | 12:10 Uhr

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