Ausstellung Im Gleimhaus Halberstadt Münchhausens Abenteuer erleben

Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, der "Lügenbaron", wurde vor 300 Jahren geboren. Das Jubiläum wurde 2020 vielerorts begangen. Auch das Gleimhaus Halberstadt hatte eine Ausstellung vorbereitet, die Corona-bedingt allerdings nie wirklich gezeigt werden konnte. Einige Museen in Sachsen-Anhalt haben mittlerweile wieder geöffnet, auch das Gleimhaus. Hier kann man nun live den phantastischen Geschichten des Lügenbarons nachspüren, von denen man wahrscheinlich viel weniger weiß, als man glaubt.

Historische Zeichnung zu Baron Münchhausen
Filmplaket mit Hans Albers als Baron Münchhausen Bildrechte: Gleimhaus Halberstadt

Es ist eines der prägenden Bilder der Filmgeschichte: Schauspieler Hans Albers fliegt mit einer Kanonenkugel durch die Lüfte – auch als Plakatmotiv wurde es immer wieder aufgegriffen, durchaus auch polit-satirisch. So sieht man in der Ausstellung auch Ex-Kanzler Helmut Kohl auf der Kugel. Das Bild von Münchhausen auf der Kugel sei typisch für die Darstellung des "Lügenbarons", erklärt die Gleimhaus-Direktorin Ute Pott. "Und gerade weil Münchhausen auf der Kugel das Bild für Münchhausen ist, ist natürlich eine Figur – welche auch immer sie sein mag – auf der Kugel mit Lüge verbunden. Ob das nun Kohl ist, ob das Trump ist oder selbst Angela Merkel war schon zweimal auf der Kugel."

Historische Zeichnung zu Baron Münchhausen 4 min
Bildrechte: Gleimhaus Halberstadt

MDR KULTUR - Das Radio Di 30.03.2021 06:00Uhr 04:00 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Historische Zeichnung zu Baron Münchhausen 4 min
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Der Autor war selbst ein Abenteurer

Im Gleimhaus in Halberstadt kann man gleich selbst zum Lügenbaron werden – und sich mit Kostüm und Fernrohr auf die Kugel setzen. Nur einer der spielerischen Zugänge, die die Kuratorinnen und Kuratoren gefunden haben, um uns nochmal auf die phantastischen Geschichten des Freiherrn von Münchhausen aufmerksam zu machen. Denn, was viele wahrscheinlich nicht wissen: allein die Genese der Geschichten ist im doppelten Wortsinn abenteuerlich.

Münchhausen als literarische Figur sei ein Tausendsassa, und derjenige, der das erste Münchhausen Buch verfasst habe, sei es ebenso gewesen, erzählt Ute Pott. "Rudolf Erich Raspe, ein unglaublich gelehrter Mensch, sehr vernetzt, nicht nur in der deutschen, auch in der europäischen Aufklärung, muss durch einen Diebstahl Deutschland verlassen. Er kommt nach England und versucht, sich auf vielfältige Weise zu etablieren, mit geologischen Studien, mit kunstgeschichtlichen Betrachtungen, mit Sammlungs-Zusammenstellungen und mit diesen Geschichten."

Der Baron wird auch im deutschsprachigen Raum bekannt

Historische Zeichnung zu Baron Münchhausen
Historische Illustrationen zu Münchhausens Abenteuern Bildrechte: Gleimhaus Halberstadt

Münchhausens Seeabenteuer und Mondreisen verbreiteten sich in kürzester Zeit. Doch weil Raspe nur in England publizieren durfte, griff der findige Gottfried August Bürger – ein Weggefährte des Dichters Johann Ludwig Wilhelm Gleim – in einer äußerst prekären Lebenslage die populären Geschichten auf und übertrug sie ins Deutsche. Wie sich herausstellte: auch hier ein Erfolgsschlager! So habe Gottfried August Bürger den Baron Münchhausen auf dem deutschen Markt bekanntgemacht, es seien weitere Auflagen und neuerfundene Geschichten gefolgt.

Die [Münchausen-Geschichten von Gottfried August Bürger] sind für die Bildwerdung Münchhausens ganz zentral gewesen, nämlich der Ritt auf der Kanonenkugel oder auch die Selbstrettung aus dem Sumpf.

Ute Pott, Direktorin vom Gleimhaus Halberstadt, über die Münchausen-Geschichten von Gottfried August Bürger

Münchhausens Abbild ist weltbekannt

Historische Zeichnung zu Baron Münchhausen
Ein Puzzle mit dem Motiv des die Kanonenkugel reitenden Barons Bildrechte: Gleimhaus Halberstadt

Als "Münchhausiaden" wurden sie zum Welterfolg mit Millionenauflage. In 60 Sprachen übersetzt, für Erwachsene aber auch für Kinder. Und nicht nur die Bücher wurden populär, auch die entsprechenden Bilder. Dem jeweiligen Geschmack des Jahrhunderts angepasst, gab es unterschiedlichste Illustrationen. Münchhausen quasi für alle Lebenslagen: ob auf Kaffeedosen, als Schlüsselanhänger, als Verpackung für kleine Böller, als Zigarrenbauchbinden, bei Notgeld oder auch als Puzzle. Ute Pott findet, spätestens an der Kanonenkugel erkannt man Münchhausen. Kuriositäten, die einen Staunen und Schmunzeln lassen: Auch, wenn man sieht, wie die Geschichten in anderen Kulturen Einzug hielten – so hat die Rezeptionsgeschichte viele Facetten, obwohl sie nur ein Vorbild hat.

Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen hat in Bodenwerder gelebt an der Weser, hat wunderbare Geschichten erzählt, hat diese aber nie veröffentlicht.

Ute Pott, Direktorin vom Gleimhaus Halberstadt

Und diese Geschichten seien dann erst durch Rudolph Erich Raspe und Gottfried August Bürger zu Literatur gemacht worden.

Historische Zeichnung zu Baron Münchhausen
Historische Zeichnungen der Abenteuerreisen Münchhausens Bildrechte: Gleimhaus Halberstadt

Und all das wird in der Ausstellung auf durchaus unterhaltende Weise versinnbildlicht. So sollte man sich Zeit nehmen, um die vielen Details zu entdecken, in den Zeitschriften und Comics, den Bilderbüchern, den Zinnfiguren. Sie alle bezeugen, wie fantasievoll die Geschichten und wie gegenwärtig das Phänomen Münchhausen immer noch ist.

Mehr Informationen Gleimhaus – Museum der deutschen Aufklärung
Domplatz 31
38820 Halberstadt

Die Münchhausen-Ausstellung kann mit vorheriger telefonischer Anmeldung besucht werden.
Außerdem sind auf dem Youtube-Kanal des Museums regelmäßig neue Videos zur Ausstellung verfügbar.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. März 2021 | 07:40 Uhr

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