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Der Maler Jan Buck (1922-2019) vor einem seiner Werke Bildrechte: dpa

Ausstellung"Alles ist Landschaft" – Retrospektive des sorbischen Malers Jan Buck in Bautzen

von Eva Gaeding, MDR KULTUR

Stand: 02. Oktober 2022, 13:00 Uhr

Jan Buck gilt als bedeutendster sorbischer Maler der Neuzeit. Lange Jahre hat er in der Nähe von Bautzen gelebt und auch den künstlerischen Nachwuchs der Region mitgeprägt. Erst 2019 ist er in der Nähe seines Geburtsortes Nebelschütz mit 96 Jahren gestorben. Anlässlich seines 100. Geburtstages gibt es nun eine Reihe von Ausstellungen an mehreren Orten in Deutschland und Polen. Den Anfang macht das Sorbische Museum in Bautzen. "Alles ist Landschaft - Der sorbische Maler Jan Buck" heißt die Schau.

Was zuerst auffällt, sind die leuchtenden Farben, die Bilder des sorbischen Malers Jan Buck scheinen förmlich zu vibrieren. Farbklänge von hellem Zitronengelb zu dunklem Ocker, ein warmes Rot, dann wieder Abstufungen in Blau. Und doch strahlt alles, was Buck mit dem Pinsel festgehalten hat, egal, ob ein Brotlaib, ein Acker, oder ein Arbeiter im Steinbruch, eine kraftvolle Ruhe aus.

Für mich ist Jan Buck der Meister der Farben. Das trifft ihn in seinem Kern.

Christina Bogusz, Leiterin des Sorbischen Museums in Bautzen

Für die große Jubiläumsausstellung im Sorbischen Museum in Bautzen hat dessen Chefin, Christina Bogusz, mit ihrem Team Arbeiten aus 60 Jahren zusammengetragen. Es ist der Auftakt einer ganzen Reihe von Ausstellungen der Werke Bucks, die anlässlich seines 100. Geburtstages in immer neuen Konstellationen unter anderem in Cottbus, Wrocław und Zielona Góra zu sehen sein werden.

Bogusz ordnet ein: "Jan Buck ist ja der älteren Generation absolut bekannt, ein großer Name, ein großer Künstler. Aber die mittlere und jüngere Generation, die wissen schon wenig über ihn. Wenig bis gar nichts." Deshalb war es Bogusz wichtig, in der Bautzener Schau möglichst viele Facetten seines künstlerischen Schaffens abzubilden.

Einem Künstlerleben auf der Spur – von den Anfängen bis zum Spätwerk

In vier Räumen kann manin der Ausstellung Bucks Entwicklung abschreiten, von den Anfängen als Student an der Kunsthochschule in Wrocławbis hin zu seinem Spätwerk. Das früheste Bild stammt aus dem Jahr 1947, das letzte ist 2004 entstanden.

Darunter finden sich persönliche Meilensteine wie jener "Korb mit Früchten", mit welchem Buck zum ersten Mal an der Kunstausstellung der DDR teilnehmen durfte – als erster Sorbe überhaupt. Oder die Resultate wichtiger Studienreisen nach Usbekistan oder Paris. Zu sehen sind große Stillleben in Öl, luftig aquarellierte Landschaften oder mit Feder und Tusche kühn skizzierte Stadtansichten.

In allen Bildern erkennt Bogusz das Bemühen, künstlerisch neue Wege zu beschreiten. Er selbst habe immer gesagt, er sei ein Suchender, ein Zweifelnder, einer, der nie fertig ist, sagt Bogusz. Für sie sagt das viel darüber aus, was Buck für ein Mensch war. Genau das wollte sie mit ihrer Auswahl spiegeln.

Er war kein Selbstgefälliger. Er hat sich immer wieder auf die Suche begeben.

Christina Bogusz

Abstraktion statt Folklore

Beim Durchwandern der Retrospektive fallen dennoch gewisse Konstanten auf: Neben der leuchtenden Farbigkeit ist das vor allem sein souveräner Umgang mit der Abstraktion. Auch wenn Buck stets dem Realismus verhaftet blieb, verlieren sich seine Darstellungen nie im Kleinteiligen oder sind gar volkstümelnd.

Trotzdem hat sich der Maler zeitlebens mit seiner sorbischen Identität auseinandergesetzt. "Er hat mal den Ausspruch geprägt: In allem, was ich male, empfinde ich sorbisch", erinnert sich Bogusz. "Aber er brauchte das einfach nicht, dieses Vordergründige, Plakative, dass auf jedem Bild eine sorbische Frau sein muss in sorbischer Tracht."

Jan Buck reduziert die Formen und Farben auf das Elementare Bildrechte: Sorbisches Museum Bautzen

Reduzierte Landschaften

Dass Buck auch folkloristische Motive wunderbar umsetzen konnte, zeigen die Mosaiken und Wandbilder in Sgraffito-Technik, die von Mitte der 60er-Jahre bis 1990 für Schulen, Betriebe, Pionier- oder Kulturhäuser entstanden sind. Zusammengetragen von der Kunsthistorikerin Silke Wagler kann man sie auf zwei Bildschirmen in digitaler Form betrachten. Man kann sich aber auch, angeleitet von Waglers Beitrag im begleitenden Katalog, selbst auf die Suche danach in Bautzen und Umgebung machen.

Vom Maler Buck schätzt Bogusz besonders eine auf wenige Elemente reduzierte Landschaft, in deren Mitte ein roter Baum steht. "Das sehe ich fast ein bisschen biografisch: Er hat sortiert, was er braucht und was er nicht braucht" sagt sie dazu. "Und dieses Abstrahieren, das Zusammenziehen, die Konzentration auf die Linie und auf die Formen, auf die Farben, das spiegelt auch so sein Alterswerk wieder." Die Farben, des sorbischen Malers Jan Buck jedenfalls, leuchten zeitlos.

Die AusstellungAlles ist Landschaft
Der sorbische Maler Jan Buck

02.10.2022 - 26.02.2023

Sorbisches Museum Bautzen
Ortenburg 3
02625 Bautzen

Rahmenprogramm:
09.10.2022
Führungen auf polnisch, ukrainisch und russisch im Rahmen der Interkulturellen Woche

15.11.2022
Vortrag: "Jan Bucks baugebundene Kunst"
Silke Wagler (Staatliche Kunstsammlungen Dresden, SKD)
und Vorstellung des Kataloges zur Ausstellung

20.11.2022
Exkursion zu Werken der baugebundenen Kunst mit Silke Wagler (SKD)

24.02.2022
Internationales Kolloquium zum Leben und Schaffen von Jan Buck

Redaktionelle Bearbeitung: op

Ausstellungen in Sachsen

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 02. Oktober 2022 | 07:15 Uhr