Rückgabe von Raubkunst Völkerkunde-Direktorin: Sächsische Museen bereit für Rückgabe von Benin-Bronzen

Schon 2022 sollen die ersten Benin-Bronzen nach Nigeria zurückkehren, das ist jetzt beschlossen. Am Donnerstag gab es dazu eine Verständigung zwischen Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Vertretern mehrerer Bundesländer. Nun stehen die Museen vor der Aufgabe, diesen Entschluss umzusetzen. Léontine Meijer-van Mensch ist Direktorin der Völkerkundemuseen in Leipzig (Grassi), Dresden und Herrnhut. Sie erzählt, warum sie den Beschluss für historisch hält und wie ihre Einrichtungen damit umgehen.

Léontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen
Léontine Meijer-van Mensch Bildrechte: MDR/Hanna Romanowsky

Wie haben Sie die Entscheidung zur Rückgabe der Benin-Bronzen aufgenommen? Wie geht es Ihnen damit?

Mir geht es sehr gut damit und ich habe das Gefühl, dass gestern echt ein historischer Abend war!

Wie viele Benin-Bronzen gibt es bei Ihnen im Grassi-Museum?

Ich habe die Ehre, nicht nur die Direktorin der Völkerkunde im Grassi zu sein, sondern auch in Herrnhut und in Dresden das Museum zu leiten. Wir haben in Sachsen die zweitgrößte Sammlung von Benin-Bronzen in Deutschland. Das ist schon eine große Aufgabe!

Bronze-Leopard aus dem früheren Königreich Benin im Museum für Völkerkunde Leipzig
Bronze-Leopard aus dem früheren Königreich Benin im Museum für Völkerkunde Leipzig Bildrechte: dpa

Und das heißt? Können Sie das irgendwie beziffern?

Das heißt, dass wir tatsächlich mehrere Hunderte von Objekten haben, nicht alle, aber viele sind im Raubkontext zu verorten. Dazu haben wir in den letzten Jahren sehr intensiv Provenienzrecherche betrieben und alles auch online gestellt.

Wir können jetzt loslegen, um tatsächlich 2022 auch die ersten Objekte zurückzugehen.

Léontine Meijer-van Mensch

Was wird es sein, was aus ihren Häusern zurückgegeben werden wird?

[…] Das ist gerade auch das Spannende und, finde ich, auch wichtige an diesem Beschluss, dass wir gemeinsam, auch deutsche Museen und politische Vertreter, natürlich schon länger in Kontakt stehen – aber jetzt nochmal intensiver und konkreter werden mit nigerianischen Kolleginnen, um gemeinsam zu beschließen, was zurückgegeben wird. Und dass das echt etwas ist, was von der nigerianischen Seite formuliert wird und dass wir, um das auch zu machen, deutschlandweit auch erstmal eine Gesamtübersicht digital erschaffen wollen.

In einer Ausstellung von Kunstwerken aus dem früheren Königreich Benin sind Skulpturen, Elefantenstoßzähne und Wandplatten zu einem Altar auf einer Lehmplattform zusammengestellt.
Kunstwerken aus dem früheren Königreich Benin in Leipzig Bildrechte: dpa

Und wie wird dann das Prozedere seien? Wer sind zum Beispiel auf nigerianischer Seite ihre Ansprechpartner?

Das weiß ich noch nicht konkret. Das ist natürlich auch spannend, da freue ich mich auch darauf. Aber meine Kolleginnen von den staatlichen ethnografischen Sammlungen sind schon seit zehn Jahren sehr intensiv involviert in der Benin-Dialogue-Group. Und diese Benin-Dialogue-Group wird auch in den nächsten Monaten, aber auch in den nächsten Jahren da eine sehr entscheidende Rolle spielen. Und da gibt es auf vor allem kollegialen Ebenen natürlich schon sehr viele und gute Kontakte, die wir noch weiter intensivieren werden. Und bestimmt werden da noch andere Personen dazukommen.

Und ja, darauf freue ich mich riesig. Weil wir damit auch so eine Art geteiltes Erbe, Multiperspektivität und ein gemeinsames Narrativ tatsächlich wirklich neu und innovativ denken können.

Das Gespräch hat Ellen Schweda für MDR KULTUR geführt.

Stichwort: Rückgabe der Benin-Bronzen 500 Jahre alten Skulpturen aus dem Königspalast von Benin wurden von den Briten gestohlen und an europäische Museen verkauft, sie gelangten auch nach Deutschland. Diese als Raubgut eingestuften Objekte sollen von deutschen Museen an Nigeria zurückgegeben werden. Die ersten Benin-Bronzen sollen ab 2022 zurückgegeben werden, das wurde am Donnerstagabend in Berlin beschlossen.

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Drei Raubkunst-Bronzen aus dem Land Benin in Westafrika sind 2018 in einer Vitrine ausgestellt. 8 min
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"Eine historische Wegmarke" nennt Monika Grütters die Entscheidung über Rückgabe der Beninz-Bronzen an Nigeria. Der Afrikawissenschaftler Jürgen Zimmerer spricht von "voreiligen und einseitigen Jubelberichten".

MDR KULTUR - Das Radio Mo 03.05.2021 06:00Uhr 08:08 min

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. April 2021 | 17:40 Uhr

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