Kollision der Künste "Kodekü" in Bischofswerda: Wie Kunst die Lausitzer Kleinstadt belebt

"Kodekü" ist eine besondere Residenz für Künstlerinnen und Künstler in Bischofswerda. Filmemacher, Artistinnen, Autoren, bildene Künstlerinnen und Musikerinnen aus Breslau, Prag, Granada und Berlin kommen in die Lausitz und arbeiten bis zum 12. September im East Club. Doch die Kunstschaffenden sollen nicht einfach neue Arbeiten schaffen, sondern mit der Lausitzer Stadt in Berührung kommen. So soll Bischofswerda bunter und lebendiger werden.

Der Marktplatz von Bischofswerda
Das "Kodekü" will Bischofswerda mit Kultur beleben. Bildrechte: imago images/Westend61

Anja Herzog und ihr Team vom "Kodekü" haben den Ofen geheizt im Eastclub in Bischofswerda. Lange standen die Räume leer: Seit zwei Jahren ist es still im Club – keine Veranstaltungen, keine Konzerte. Mit Kodekü soll sich das ändern, sagt Toni Bufé: "Weil schnell klar war, dass verschiedene Künste aufeinandertreffen, nannten wir die Aktion 'Kodekü' – Kollision der nste."

Toni Bufé kommt aus Bautzen, macht Musik und arbeitet sonst als Fernmeldemechaniker. Seine Mitstreiterin Anja Herzog ging nach dem Kunststudium in Dresden wieder nach Bischofswerda zurück. "Ich habe mein Atelier hier mit dem Ziel gegründet, Kunst und Kultur in meine Heimat zu bringen", erklärt Herzog. "Hier gibt es viel Raum zu bezahlbaren Preisen. Die kulturellen Angebote wie Malkurse oder Workshops für Kinder und Erwachsene, die ich anbiete, werden dankbar angenommen."

Mehr Kunst für Bischofswerda

Es war die Idee von Anja Herzog, noch ein bisschen mehr zu wagen: mit "Kodekü". Am Montagabend kamen die ersten der insgesamt 13 Künstlerinnen und Künstler an, die für zwei Wochen an vielen Orten in Bischofswerda arbeiten.

Das Kunstfestival Kodekü in Bischofswerda.
Bis zum 12. September verwandelt sich Bischofswerda in eine Kunstresidenz. Bildrechte: Anja Herzog

"Im Open Call haben wir nach partizipativen Kunstideen gesucht", erklärt Anja Herzog. "Denn das Konzept von 'Kodekü' fußt darauf, dass möglichst viel Interaktionen zwischen unseren Gästen und den Anwohnerinnen und Anwohnern in der Stadt stattfinden sollen." So kam der Prager Filmemacher Pavel Ruzyak mit einer konkreten Idee in die Lausitzer Kleinstadt: "Ich will Jugendliche an den Film heranführen. Wir sind gerade erst gestartet."

Lausitzer Kulturorte beleben

Das Kunstfestival Kodekü in Bischofswerda.
Stück für Stück wird das Gelände hergerichtet. Bildrechte: Anja Herzog

Neben Anja Herzog und Toni Bufé gehören noch vier weitere Kulturbegeisterte zum Team. Und viele lokale Unterstützer stehen hinter der Idee von "Kodekü". "Es wurde auch langsam mal Zeit, dass was passiert hier", meint zum Beispiel der Gerüstbauer, während er hinter dem Eastclub Gerüststangen ablädt.

Toni Bufé erklärt, dass das Team von "Kodekü" eine Art Patenschaft ins Leben gerufen hat. "Die hilft uns sehr, zum Beispiel bei der professionellen Stadtführung für die Künstler, beim Catering, bei den Räumarbeiten“. Anja Herzog ergänzt: "Das ist richtig schön zu sehen, wie uns Menschen hier mit Leidenschaft unterstützen."

Kunst für überall

Das Kunstfestival Kodekü in Bischofswerda.
Beim "Kodekü" soll die ganze Stadt teilnehmen können. Bildrechte: Anja Herzog

Anja Herzog freut sich über die Blickerweiterung für beide Seiten – die Menschen vor Ort und die Künstler. "Das wollen wir: dass Menschen hierherkommen, die von Bischofswerda sonst nie etwas in ihrem Leben erfahren hätten."

Martina Janßen und Ismail Karayakupoglu kommen beispielsweise aus Berlin und arbeiten mit Fundstücken und Mitbringseln von Bischofswerdaern. Sie entscheiden letztlich, was daraus entsteht. Ismail Karayakupoglu freut sich, jenseits der Großstadt arbeiten zu können: "Gerade durch die Globalisierung hat man den Eindruck, Kultur und Kultur gehöre nur in Hauptstädte. Nein! Kultur gehört überall hin."

Weitere Informationen Die Residenz "Kodekü" in Bischofswerda findet vom 30. August bis zum 12. September statt.

Besondere Veranstaltungen:
Am 5. September gewähren die Künstlerinnen und Künstler von 13 bis 18 Uhr Einblick in ihre Arbeiten.
Am 10. und 11. September können Interessierte das Löten probieren. Es wird um Anmeldung gebeten.
Am 12. September gibt es die Abschluss-Ausstellung von 13 bis 18 Uhr, mit der Präsentation von Kunstwerken, Performances und Musik.

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