Brehm-Haus in Renthendorf Alfred Brehm: Neue Ausstellung zeigt Leben und Werk des Tierforschers

In Renthendorf in der Nähe von Jena ist der berühmte Tierforscher Alfred Edmund Brehm aufgewachsen, hier hat er auch seine letzten Lebensjahre verbracht. Bereits seit 1946 gibt es in Renthendorf eine Brehm-Gedenkstätte. Nach einem ausgiebigen Dornröschenschlaf ist sie in den vergangenen acht Jahren restauriert worden und nun wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet.

Jochen Süß, Leiter von Brehms Welt Tiere und Menschen, lehnt am Gartenzaun vor dem rekonstruiertem Wohnhaus des Tierforschers Alfred Brehm.
Will zeigen, welche Gedanken Brehms in die Zukunft weisen: Prof. Jochen Süß, Leiter der Brehm-Gedenkstätte Renthendorf Bildrechte: dpa

Als der alte Brehm starb – das war im Jahr 1864 – musste dessen Witwe Bertha Platz machen im Pfarrhaus für den neuen Pastor und ließ gleich nebenan auf den Kirchhügel von Renthendorf ein Backsteinhaus bauen. Man hat dieses eher kleine Haus in den 150 Jahren seither nur notdürftig instand gehalten. In den vergangenen acht Jahren nun wurde bei einer Generalsanierung vom Fundament bis zum Dach eine stattliche Summe verbaut. Der Gedenkstättenleiter Prof. Jochen Süss findet das gerechtfertigt:

Es ist ein nationales Kulturerbe, was hier in der Provinz steht. Dieser Kultur- und Wissenschaftsstandort der beiden Familien Brehm, also Brehms Vater, der sogenannte Vogelpfarrer, und Alfred der Tierschriftsteller und international bekannt als Schöpfer von Brehms Tierleben – also da gehören wir schon dazu.

Gedenkstättenleiter Prof. Jochen Süss

Brehms Erbe lebendig halten

Wobei man einräumen muss, dass Alfred Edmund Brehm und sein "Tierleben" den Jüngeren kaum noch ein Begriff sein dürfte und erst recht nicht die Arbeit des großen Ornithologen Christian Ludwig Brehm. Genau dagegen wolle die Gedenkstätte ankämpfen, meint Süss. So sei die Ausstellung auch "Brehms Welt – Tiere und Menschen" betitelt und thematisiere das Verhältnis von Tier und Mensch in Gegenwart und Zukunft. "Wir fragen danach, welche großen Gedanken, Werke sind hier von den Brehms gemacht worden, die in die Zukunft weisen", meint Süss weiter.

Dem alten Brehm, dem Vogelpastor, war noch die Schöpfungsgeschichte Gesetz. Aber der Jüngere dachte schon über die Beziehung der Arten im Sinne des heutigen Begriffes vom Ökosystem nach. Der Wolf zum Beispiel war zu Brehms Zeiten bereits ausgerottet. Was das bedeutet, zeigt im ersten Museumsraum eine Installation: Unten sitzt ein Wolf und auf dem Ast darüber ein schöner Kolkrabe. Sie arbeiteten im Team beim Beuteerwerb. Der Zusammenhang wird nicht mit erhobenem Zeigefinger kommentiert, sondern im Objekt anschaulich gemacht.

Präparierte Vögel sind in einer Ausstellung im Brehm Haus zu sehen
Präparierte Vögel in der neuen Ausstellung im Brehm-Haus Bildrechte: dpa

Nach diesem Prinzip gibt es nebenan eine weitere Vitrine, mit rund 100 Brutvogelarten aus der heimischen Flur um Renthendorf. Dabei stehen auf schwarzen Ständern Arten, die schon nicht mehr vorhanden sind, auf roten Ständern gefährdete Arten und auf weißen Ständern Arten, die noch gut vertreten sind.

Dem Tierforscher höchstselbst begegnen

Hier hat man um jeden Quadratzentimeter Originlalsubstanz gerungen, um Fussbodenfliesen, Fenster, Tapeten und Wandfarbe – insofern ist das Haus selbst ein Museumsstück. Doch der einzig authentisch eingeräumte Raum ist Brehms Arbeitszimmer, das nach Beschreibungen entstanden ist, wie Brehm am Schreibtisch saß und auf die benachbarte Kirche blickte. Die anderen Biedermeiermöbel aus dem Besitz der Familie Brehm sind museal inszeniert. Das gewaltige Kanapee zum Beispiel, auf dem sitzt – mit einem Illusionstrick Alfred Brehm höhstselbst, neben sich einen Flusspferdschädel mit Einschussloch auf der Stirn.

Der Schreibtisch von Alfred Brehm im rekonstruiertem Wohnhaus des Tierforschers
Der Schreibtisch von Alfred Brehm im rekonstruiertem Wohnhaus des Tierforschers Bildrechte: dpa

Im Raum "Brehms Tierleben" reihen sich in langer Vitrine Übersetzungen des "Tierlebens" in allen europäischen Sprachen, daneben eine Schützengrabenausgabe von 1917, reich illustrierte Heftchen für Kinder, und natürlich die große, zehnbändige Erstausgabe aus den 1860er-Jahren. Sie begründete Brehms Ruhm, der letztlich bis in die Tälerdörfer nach Renthendorf gereicht hat.

Angaben zur Ausstellung "Brehms Welt - Tiere & Menschen" Adresse:
Brehm-Haus
Dorfstraße 22
07646 Renthendorf

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag, 14 bis 17 Uhr
Samstag und Sonntag, 11 bis 17 Uhr
Montag geschlossen

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 29. August 2020 | 13:45 Uhr