Weihnachtsausstellung Spiele-Ausstellung im Schloss Altenburg: von der ägyptischen Antike bis ins digitale Zeitalter

"Monopoly", "Siedler von Catan" oder – der Klassiker – "Mensch ärgere Dich nicht": Wenn die Abende kälter und dunkler werden, holen viele Familien oder WGs gerne wieder die Gesellschaftsspiele hervor. Ganz klar: Winterzeit ist Spielezeit. Doch Spiele sind mehr als nur ein Zeitvertreib. Sie sind Kulturgut – ein Spiegel der Zeit, in der sie entstanden sind und gespielt wurden. In die Welt der Brettspiele entführt diesen Winter auch das Schloss- und Spielkartenmuseum in Altenburg.

Das Spiel Paleo ist in einer Glasvitrine aufgebaut.
"Paleo" ist eines Spiele, die die Schau als Mittel der Wissensvermittlung zeigt. Bildrechte: Altenburger Museen

Wer die historischen Räume des Altenburger Schlosses betritt, begibt sich in ein Schlaraffenland für Spielfans. Vitrinen mit Gesellschaftsspielen soweit das Auge reicht. Die neue Sonderausstellung verwandelt das Museum in einen großen, gut sortierten Spieleschrank. Beliebte Klassiker wie "Risiko" oder "Cluedo", aber auch Schach und Kartenspiele – hier findet sich alles, was das Spieleherz begehrt.

Brettspiele als Produkt der Populärkultur

"Am Anfang war das Spiel" – so der Titel der diesjährigen Weihnachtsausstellung im Residenzschloss. Die Schau nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise durch die Geschichte des Brettspiels. Sie ist dabei chronologisch aufgebaut – von den Anfängen in der ägyptischen Antike bis ins digitale Zeitalter.

Die Spiele Atom-Knacker und Energie-Poker in einer Vitrine
Schon in den 70ern und 80ern griffen Spiele das Thema Umweltschutz auf. Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler

Dabei deckt die Ausstellung verschiedenste Themenbereiche ab, wie Steven Ritter vom Museum erklärte: "Neben klassischen Spielen wie 'Mensch ärgere Dich nicht' oder 'Monopoly' und deren Geschichte, werden auch Spiele thematisiert, die gesellschaftlich relevante Sachverhalte aufgreifen, zum Beispiel Diversität, Umweltschutz, Umweltbewusstsein oder auch Kolonialismus."

Skat-Karten in einer Vitrine, auf denen Bube, Dame und König eine diverse Gesellschaft abbilden.
Das Kartendeck einer diversen Gesellschaft Bildrechte: Altenburger Museen

Die Brettspiele "Atomkraft-Knacker" und das "Energie-Poker" aus den 70er und 80er Jahren greifen beispielsweise in Westdeutschland schon damals die Themen Umweltschutz und Atomkraft auf.

Zwei Kartendecks dagegen beschäftigen sich mit dem Thema Diversität. Das Minderheiten-Quartett und ein gendergerechtes und vielfältiges Skat-Deck wollen mit alten Strukturen brechen: Auf diesen Karten sind Bube, Dame und König nicht mehr nur klassisch weiß und der ranghöchste männlich. Hier hat die Dame auch mal eine rote Kurzhaarfrisur, der König ist schwarz oder gar eine Königin mit Kopftuch.

Brettspiele fast 5.000 Jahre alt

Eine historische Mensch-ärgere-Dich-nicht-Ausgabe und das indische Spiel Parcheesi in einer Vitrine
Das indische Spiel "Parcheesi" ist der Vorgänger des Spiele-Klassikers "Mensch ärgere Dich nicht". Bildrechte: Altenburger Museen

Zwei besondere Highlights hat das Museum im ersten Ausstellungsraum mitten im Zentrum aufgebaut: Das Spiel Senet und das Königsspiel von Ur gelten als früheste Varianten des Brettspiels. Die Spiele stammen aus Mesopotamien beziehungsweise Ägypten und sind fast 5.000 Jahre alt. In Altenburg stehen Nachbildungen. Wer die Originale sehen will, muss nach London ins British Museum.

Das Museum erzählt die Geschichte des Brettspiels anhand von 50 Exponaten. Die meisten stammen aus der Sammlung de Cassan, von einem Ehepaar aus Österreich, wie Ritter erzählt: "Dieses Ehepaar hat über Jahrzehnte hinweg knapp 40.000 Spiele gesammelt und diese dann vor einigen Jahren an das Institut für Ludologie nach Berlin gegeben." Das Institut, das sich mit der Geschichte des Spiels auf wissenschaftliche Art und Weise beschäftigt, hat diese Sammlung Ritter zufolge als Leihgabe nach Altenburg in das Residenzschloss übergeben.

Von der Idee zum fertigen Spiel

An einer Wand hängen drei Illustrationen.
In einer Galerie wird anhand mehrerer Illustrationen die Entstehung eines Spiels dargestellt. Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler

Zum Abschluss gibt es in der Ausstellung noch einen Einblick, wie ein Spiel überhaupt entsteht – von der Idee bis zum Endprodukt. Dafür präsentiert das Museum Illustrationen des österreichischen Spielentwicklers Klemens Franz in einer Galerie, so Ritter. "Anhand mehrerer Abbildung sieht man eben wie das Spiel auch als künstlerisches Produkt sozusagen startet und dann ein fertiges Objekt und Mittel zum Zeitvertreib wird."

Wermutstropfen der kleinen, aber breit aufgestellten Schau: Momentan sind alle Spiele hinter Vitrinen verschlossen. Eigentlich sollten Museumsgäste Figuren, Würfel oder Spielkarten selbst in die Hand nehmen können. Das ist wegen der aktuellen Corona-Regeln vorerst nicht möglich. Im Museum hofft man aber, diese Option irgendwann doch anbieten zu können – schließlich ist die Sonderschau bis in den März geöffnet.

Mehr zur Ausstellung "Am Anfang war das Spiel. Brettspiele – Geschichte und Gesellschaft spielend entdecken!"
vom 28. November 2021 bis 6. März 2022 im Residenzschloss Altenburg


Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr

Ab dem 2. Januar 2022:
Dienstag bis Sonntag und Feiertage: 9.30 bis 17 Uhr

Öffnungszeiten zwischen Weihnachten und Neujahr:
Freitag, 24. Dezember 2021, geschlossen
Samstag 25. Dezember 2021, 13 bis 17 Uhr
Sonntag, 26. Dezember 2021, 10 bis 17 Uhr
Montag 27. Dezember 2021, geschlossen
Dienstag, 28. bis Donnerstag, 30. Dezember 2021, 10 bis 17 Uhr
Freitag, 31. Dezember 2021, 10 bis 15 Uhr
Samstag, 1. Januar 2022 geschlossen

Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 6 EUR

Es gelten die entsprechenden Verordnungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Dezember 2021 | 07:15 Uhr

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