Thüringer Kunsthandwerk Töpfereien in Bürgel öffnen Werkstätten für Besucher

Mareike Wiemann
Bildrechte: MDR/Robert Kühne

Bürgel – dieser Name ist untrennbar verbunden mit der gleichnamigen Keramik, weiße Punkte auf blauem Grund. Noch immer spielt die Töpferei in dem kleinen Städtchen nahe Jena eine wichtige Rolle. Nun öffnen die Werkstätten ein Wochenende lang für Besucherinnen und Besucher. Ein kleiner Ersatz für den traditionellen Töpfermarkt, der coronabedingt erneut abgesagt werden musste.

Der Bürgeler Töpfermarkt
Der beliebte Töpfermarkt ist abgesagt – doch in Bürgel öffnen Werkstätten und Museum für Besucher. Bildrechte: imago/Steffen Schellhorn

In der Töpferei von Echt Bürgeler herrscht wieder ganz normaler Betrieb: Die Angestellten sind aus der Kurzarbeit zurückgekehrt, es werden Teller gedreht, Butterdosen gegossen, von Hand mit dem typischen Punktedekor versehen und gebrannt. Geschäftsführer Falk Wächter blickt skeptisch in die Schauregale, die in den Werksräumen stehen. Hier muss umgeräumt werden, denn noch ist die Weihnachtsdekoration zu sehen, die vor der Schließung im Herbst ausgelegt wurde: "Sieben Monate konnten wir weder durch unsere Töpferei führen, noch die Geschäfte in Binz und Berlin öffnen. Das hat uns ganz schön getroffen."

Töpfer Falk Wächter
Falk Wächter präsentiert einen Miniatur-Engel mit einem Bürgeler-Teller. Solche Sammlerstücke sind derzeit gefragt. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Die Töpferei hat eine turbulente Zeit hinter sich, vom ersten Lockdown im vergangenen Jahr bis heute. Im vergangenen Sommer sei das Geschäft wieder recht gut angelaufen, erinnert sich Wächter, vor allem, weil viele Inlandstouristinnen und -touristen vorbei geschaut hätten. Ein absoluter Tiefpunkt dagegen sei die kurzfristige Absage der Weihnachtsmärkte gewesen: "Das war ein Schock, weil wir schon viel Ware vorproduziert hatten", so Wächter. Diese stehe nun weitgehend immer noch im Lager.

Ein harter Arbeitsalltag

Nicht nur die Weihnachtsmärkte, auch Kunsthandwerkmärkte und Töpfermärkte sind für die sieben noch verbliebenen Bürgeler Töpfereien normalerweise der wichtigste Weg, um die eigene Ware zu verkaufen. Gerade die kleineren Töpfereien haben einen Wochenrhythmus, sie fangen Montag und Dienstag an zu drehen, bauen Mittwoch den Ofen, brennen Donnerstag und Freitag – und fahren am Wochenende dann auf den Markt. Doch die Pandemie hat diesen Rhythmus unterbrochen. Mit schwerwiegenden Folgen, erzählt Konrad Kessler, Leiter des Bürgeler Keramikmuseums: "Die Hauptverkaufswege sind weggebrochen, und das hat viele Töpfer an den Rand der Existenzfähigkeit gebracht. Ihr Handwerk aufgeben wollen sie aber nicht. Gerade hier in Bürgel kann man nicht einfach sagen, man geht in andere Bereiche und arbeitet dann dort."

Nachwuchsproblem hat viele Gründe

Kessler beobachtet die Entwicklung der vergangenen Monate mit Sorge, denn schon vor der Pandemie war die Bürgeler Töpferlandschaft alles andere als gut aufgestellt. Die stolze, über 500 Jahre alte Tradition droht auszusterben, einfach weil sich kein Nachwuchs mehr findet. Die meisten derzeitigen Töpfermeisterinnen und -meister haben ihre Ausbildung noch zu DDR-Zeiten gemacht.

Frau arbeitet in Töpfer-Werkstatt
Ein Blick in die Werkstatt von EchtBürgeler. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Wenn diese in den Ruhestand gingen, werde vermutlich niemand nachkommen, so Kessler: "Es wird aus verschiedenen Gründen nicht ausgebildet: Es gibt nur wenige interessierte junge Menschen. Außerdem ist es bei den intensiven Wochentakten schwierig, einen Lehrling zu beschäftigen." Ein weiterer Punkt, der für Kessler eine Rolle spielt, ist die Handfertigkeit, die man beim Töpfern aufbringen muss. Es sei ein Kunsthandwerk, weswegen Auszubildende erst lange lernen müssten, bis sie ansprechende Produkte herstellen könnten.

Gehen Traditionen verloren?

Auch Töpfermeisterin Antje Frömel, die ihre Werkstatt nur wenige Meter entfernt von Echt Bürgeler betreibt, weiß um diese Probleme. Sie stellt Keramik nicht nur im Bürgeler blau-weiß, sondern auch mit Ritzdekor her. Eine Technik, die durch den Keramiker Carl Fischer eingeführt wurde, und von den anderen Töpfereien im Ort mittlerweile aufgrund des hohen Arbeitsaufwands aufgegeben wurde. Wer weiß, was damit wird, wenn Frömel irgendwann in den Ruhestand geht, denn sie ist Einzelkämpferin. Auch, wenn sie sich Nachwuchs wünschen würde – es scheitere einfach an den Kosten: "Wir müssen die Ausbildung finanzieren, das ist nicht drin. Es gibt in der Nähe auch keine Berufsschule mehr. Deswegen ist hier leider alles rückläufig."

Töpferin Antje Frömel
Antje Frömel ist seit 1999 selbstständige Töpferin im Ort. Bildrechte: MDR/Mareike Wiemann

Antje Frömel hat die vergangenen Pandemiemonate überstanden, auch dank ihres Online-Shops, über den gerade die Stamm-Kundschaft immer wieder bestellt. Dennoch hofft sie auf viel Publikum an diesem Wochenende – Keramik anzufassen sei einfach etwas ganz anderes, als sie virtuell zu betrachten.

Wiedereröffnung des Keramik-Museums und Bürgeler Wochenende der offenen Werkstätten Termin: 19 und 20. Juni, 10 bis 17 Uhr
Adresse: Am Kirchplatz 2 | 07616 Bürgel

Im Außenbereich präsentieren an diesem Wochenende Töpfer aus der Umgebung ihre Keramik.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Juni 2021 | 07:15 Uhr

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