450. Jubiläum Immersive Schau über das Leben auf der Augustusburg bei Chemnitz

Kurfürst August von Sachsen hat sein Land nachhaltig geprägt: Er gilt als Begründer der kurfürstlich-sächsischen Kunstkammer, Vorläufer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Er organisierte die Versorgung der Bevölkerung. Und er war ein großer Bauherr: Neben dem Dresdner Residenzschloss vollendete er auch das Schloss Augustusburg. Zum 450. Jubiläum gibt es eine große Sonderausstellung zum Leben des Fürsten.

Schloss Augustusburg in Sachsen
Bildrechte: dpa

Er nahm die Dinge gern selbst in die Hand: Kurfürst August von Sachsen. Das gilt auch für das Schloss Augustusburg bei Chemnitz – die Entwürfe dazu soll der Wettiner selbst erstellt haben. Anlass für den Bau war eine Auseinandersetzung mit seinem ernestinischen Rivalen, der die verloren gegangene Kurwürde von den Albertinern, denen August angehörte, wiedererlangen wollte. Ein Streit, den letztlich der sächsische Kurfürst für sich entschied.

"Das Schloss Augustusburg ist ein Zeichen seiner Macht, dass er die Kurfürstenwürde gesichert hat und auch ein Zeichen des Friedens." – So beginnt die Geschichte des Renaissancebaus, der in nur fünf Jahren auf dem über 500 Meter hohen Schellenberg errichtet und 1572 vollendet wurde.

Ausstellung blickt auf unterschiedliche Interessen des Fürstenpaars

Das Bauwerk ist eng verknüpft mit dem Wirken von Kurfürst August. Das war tatsächlich vielfältig: "Der Kurfürst August war nicht auf Konflikte und Krieg aus. Er hat in religionspolitischen Sachen ein gutes Geschick an den Tag gesetzt", beginnt Claudia Glashauser, Museumleiterin und Kuratorin der neuen Ausstellung, die Aufzählung seiner Interessen. "Er hat selber vermessen. Er hat sich in der Architektur, in der Geometrie in der Mathematik ausgekannt." Auch seine Frau, Kurfürstin Anna von Sachsen, beschäftigte sich auf vielen Feldern: "Landwirtschaft war ein ganz großes Thema, wo auch sie mit dabei war. Sie hat auch viel mit Arznei und Medikamenten gemacht und sie haben sich um ihr Volk gekümmert – also absolute Allround-Talente."

Talente, die in den 13 Themenräumen der Ausstellung "Kurfürst mit Weitblick" auf der Augustusburg aufgegriffen werden. Spannend ist beispielsweise der Obstbau, als dessen Vater August in Sachsen gilt. Der Kurfürst hatte nämlich 1577 ein Ehestands-Baumgesetz erlassen, das alle Brautpaare dazu verpflichtete, zwei Obstbäume zu pflanzen. Schon allein darin zeigt sich sein Weitblick, auf den der Ausstellungstitel verweist. In einer Vitrine sieht man dazu passend originale Gartengeräte aus der Zeit, die das Kurfürstenpaar selbst benutzt haben soll.

Das Modell eines Schlosses.
Ein Modell von Schloss Augustusburg, wie es im Jahr 1572 ausgesehen haben soll. Bildrechte: dpa

Ungehörte Stimmen aus der Vergangenheit der Augustusburg

In gleicher Weise widmet sich die Schau dem Bau des Schlosses, dem auf einem über 500 Meter hohem Berg nicht ganz leicht zu stemmenden Brunnenbau, aber auch dem Leben bei Hofe. All das wird erzählt anhand von wertvollen Exponaten, Leihgaben zumeist und auf Texttafeln – die auf einer Art Bühne inmitten der historischen Räume inszeniert werden.

In jedem Themenraum gibt es Touchscreens, auf denen man mit sogenannten Protagonisten chatten und historische Hintergründe erfahren kann. "Die Protagonisten sind Persönlichkeiten rund um Kurfürst August und Schloss Augustusburg, die einen anderen Blick auf die Geschichte werfen", erklärt Alexandra Hörtler vom büro wien, Gestalterin der Ausstellung, "also nicht immer nur die prominenten Persönlichkeiten wie der Kurfürst selber, sondern der Brunnenbauer, ein Hofmeister – Persönlichkeiten, die sonst nicht gehört werden."

Blick auf ein Smartphone
Auch einer App führt durch die neue Ausstellung "Kurfürst mit Weitblick- Das Leben und Wirken von Landesvater August von Sachsen".  Bildrechte: dpa

Ausstellung mit interaktiven Highlights

Ähnlich funktioniert die App, mit der man sich via Chat durch die Ausstellung führen lassen kann. Zudem wurde eine technisch aufwendige 360-Grad-Projektionsshow installiert, die Besucherinnen und Besucher den Kosmos des Kurfürsten und seines Schlosses – angefangen bei der Jagd bis hin zum üppigen Festmahl – nahebringt.

Wer möchte, kann hier tiefer eintauchen oder aber einfach nur Verweilen und die Eindrücke der Ausstellung auf sich wirken lassen. "Für mich ist es wichtig, das eine Ausstellung auf verschiedenen eben funktioniert", sagt Patrizia Meyn, Geschäftsführerin der für die Augustusburg zuständigen Gesellschaft. "Man kann sich mit der Historie beschäftigen, man geht in die Tiefe oder ich wähle Protagonisten aus, kann da interaktiv mit denen agieren und ich habe diese 360-Grad-Show, die Emotionen hervorruft. Ein Gast geht raus und hat für sich die Ebene mitgenommen, die er braucht, um zu wissen: Was ist die Augustusburg." – Und natürlich wer ihr Erbauer war – August von Sachsen, der Kurfürst mit Weitblick.

Weitere Informationen Die Ausstellung "Fürst mit Weitblick" ist bis zum 8. Januar 2023 zu sehen.

Adresse:
Schloss 1
09573 Augustusburg

Öffnungszeiten:
April bis Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr
November bis März täglich von 10 bis 16 Uhr
vom 6. bis 24. Dezember geschlossen

Mehr Ausflugstipps um Chemnitz und Sachsen

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. April 2022 | 08:15 Uhr