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WiederentdeckungChemnitz entreißt den Maler Max Peiffer Watenphul dem Vergessen

von Wolfgang Schilling, MDR KULTUR

Stand: 05. März 2022, 04:00 Uhr

Der in der Börde geborene Maler Max Peiffer Watenphul war einer der innovativen, am Bauhaus aktiven Künstler. Die Nazis brandmarkten sein Schaffen als entartet. In den 50ern hatte er noch etwas Erfolg, doch dann geriet er in Vergessenheit. Im Museum Gunzenhauser zeigt eine Ausstellung nun sein vielfältiges Schaffen – eine Einladung zur Wiederentdeckung.

Für ein Kind aus der Börde ist der 1896 in Weferlingen geborene Maler Max Peiffer Watenphul ganz schön weit rungekommen in der Welt. Hoch in den Harz zum Abitur, zum Studium nach Straßburg, Frankfurt und München. Auf dem "zweiten Bildungsweg" zum Maler zog es ihn ans frühe Bauhaus. Später nach Mexiko und immer wieder nach Italien, wo er 1976 mit fast 80 Jahren in Rom auch gestorben ist und seine letzte Ruhe fand.

Ein langes und intensives Leben für die Kunst. Doch trotzdem kennt ihn heute und hierzulande kaum noch jemand. Was sich mit der umfassenden Ausstellung im Chemnitzer Museum Gunzenhauser ändern könnte.

Wiederentdeckung eines Vergessenen

Ausgehend von drei Gemälden aus der Sammlung Gunzenhauser hat Anja Richter, die Kuratorin der Chemnitzer Ausstellung, ein großes Konvolut von Zeichnungen, Gemälden, Grafiken und Fotos Peiffer Watenphuls zusammengetragen und lässt sein Künstlerleben in der Chronologie des Schaffens Revue passieren.

Das beginnt mit frühen Werken aus seiner Bauhauszeit von 1919 bis 1922. Nachdem er in München das Werk von Paul Klee und auch den Maler selbst kennengelernt hatte, entschied er sich nach seinem Jura-Studium, selbst Maler zu werden. Er ging nach Weimar und genoss unter Bauhaus-Direktor Walter Gropius das Privileg eines eigenen Ateliers und der Erlaubnis zum Hospitieren in allen Werkstätten. Was wohl seine spätere Universalität als Maler, Zeichner, Fotograf, Textilgestalter und Plastiker begründete.

Max Peiffer Watenphul: Weimar, 1920, Öl auf Leinwand, 56 x 59 cm, Von der Heydt-Museum, Wuppertal Bildrechte: Diana Pasqualucci, Rom

Vom Bauhaus in die südliche Sonne, nach Mexiko

Das frühe Werk Peiffer Watenphuls lebt von gedeckten Farben und einer fast naiven Vereinfachung in der Gestaltung.

Nach dem Studium zog es den Maler ins Rheinland und im Jahr 1924 für mehrere Monate nach Mexiko. Das andere Licht der neuen Welt, die Menschen, die Architektur verführten ihn zu einer ganz neuen Bildsprache. "Er ließ es richtig krachen" kommentiert Kuratorin Anja Richter, diese Explosionen an Farbigkeit.

Max Peiffer Watenphul: Akte, 1922, Öl auf Leinwand, 93,5 x 98,5 cm, Privatsammlung Bildrechte: Diana Pasqualucci, Rom

Doch er fand zurück zum alten Duktus, in der alten Heimat, wo ihn sein Bauhausnetzwerk auffing. Der enge Kontakt zu Künstlern wie Johannes Itten, Paul Klee, Otto Dix oder Alexander Jawlensky verschafften Standing und Stellen. Der Galerist Alfred Flechtheim sorgte für Verkäufe.

Doch dann kommen die Nazis an die Macht und es wird eng. Peiffer Watenphul gilt als entartet. Er weicht nach Italien aus, kommt aber zurück nach Deutschland, wo er von kleineren Lehrtätigkeiten lebt. Dann ist Salzburg sein Ziel, wo er nach dem Krieg wiederum als Deutscher schlechte Karten hat. Wohin mit mir? – ist da die große Frage.

Max Peiffer Watenphul: Häuser im Ruhrgebiet, 1919, Öl auf Leinwand, 46 x 61 cm, Von der Heydt-Museum, Wuppertal Bildrechte: Diana Pasqualucci, Rom

Sehnsuchtsort Italien als letzte Heimat

Zu Fuß flüchtet der Künstler über die Alpen gen Süden, zu seiner Schwester, die in Venedig lebt. Hier hat er es zunächst nicht leicht, kann sich aber mit seinen Bildern von der Lagunenstadt durchsetzen. Er stellt sie 1948 und 1950 auf der Biennale aus, lernt Peggy Guggenheim kennen und langsam geht es wieder bergauf mit ihm und seiner Kunst.

Er erlebt, gerade mit seinen eindrucksvollen venezianischen und italienischen Bildern, die auch in der Chemnitzer Ausstellung zu sehen sind, ein Comeback in der Kunstszene der alten Bundesrepublik. Dem Museum Gunzenhauser und der Ausstellungskuratorin Anja Richter gebührt Dank für die Wiederentdeckung dieses Werkes für ein neues und junges Publikum.

Max Peiffer Watenphul: Venedig – S. Marco, 1947, Öl über Bleistift auf Karton, 52,4 x 70,8 cm, Kunstsammlungen Chemnitz-Museum Gunzenhauser, Eigentum der Stiftung Gunzenhauser Bildrechte: Diana Pasqualucci, Rom

Die AusstellungMax Peiffer Watenphul – Vom Bauhaus nach Italien

6.März 2022 bis 12.Juni 2022

Museum Gunzenhauser
Stollberger Str. 2A, 09119 Chemnitz

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag-Sonntag | 11 bis 18 Uhr
Mittwoch | 14 bis 21 Uhr

Öffentliche Führungen:
Samstag | 14:30 Uhr
Sonntag | 16 Uhr

Bauhaus-Künstlerinnen

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 05. März 2022 | 08:10 Uhr