"Chow Chow" Baumwollspinnerei Leipzig: Wie Ausstellungen trotz Corona möglich sind

Auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei lassen sich rund 40 Positionen zeitgenössischer Kunst in Augenschein nehmen. Trotz der Corona-Beschränkungen. Der Kniff dabei: Es handelt sich letztlich um eine Verkaufsausstellung, die die ansässigen Galerien auf dem Gelände der Spinnerei gestemmt haben – als Ersatz für den ausgefallenen Frühjahrsundgang. Es gilt das Prinzip "Click & meet". Dafür muss bei einer der 14 Galerien angerufen werden, um nach dem Hygiene-Konzept ein Ausstellungsfenster buchen zu können.

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jede Menge Herbstlaub raschelt, als gäbe es keinen Frühling. Das Laub ist der Unterbau für Philipp Kummers Installation in der Werkschauhalle, die das "Spinnerei archiv massiv" eingebracht hat. Es sind düstere Fabeln und Metamorphosen von Mensch, Natur und Materie, die Kummer (Nomen est Omen) verhandelt – in seinen Gemälden und in Plastiken, in einer gegenständlich-abstrahierten, symbolistischen Bildsprache.

Obwohl Kummer in Nürnberg an der Akademie der bildenden Künste ausgebildet wurde, fügt sich seine Kunst-Position nahtlos in die Leipziger Ausstellung "Chow Chow" ein, in der die Galerien der Baumwollspinnerei Kunst von rund 40 Künstlerinnen und Künstlern präsentieren, die sie in ihren Programmen führen.

Werkschau in der Spinnerei
Eingang zur Werkschau in der Leipzgier Spinnerei Bildrechte: Studio H18, Leipzig, Courtesy Galerie Tobias Naehring

Auslosung von Wandflächen

Eine geöffnete Ausstellung in Corona-Zeiten? Eine Seltenheit! Elke Hannemann von der Galerie EIGEN + ART erklärt die Lösung: "Wir haben einfach gelost. Wir haben die einzelnen Wandflächen aufgeteilt und dann hat jeder eine Wandfläche gezogen, durfte selber entscheiden, welche Künstlerinnen und Künstler die jeweilige Galerie präsentiert. Und das sieht insgesamt sehr gut und sehr harmonisch aus – und das ist so, weil wir doch Profis sind!" Und so gibt es nur deshalb Kunst in der Werkschauhalle zu sehen, weil die Ausstellung eine Verkaufsausstellung der 14 Galerien der Baumwollspinnerei ist. Wer rein will, bucht über Click & Meet.

Arne Linde
Arne Linde Bildrechte: Arne Linde

Die Möglichkeit zur Schau ergab sich, weil die Werkschauhalle leer stand. Meist ist sie an Gäste vermietet, doch die können in Corona-Zeiten nicht ausstellen. Arne Linde von der ASPN-Galerie betont: "Irgendjemand hat dann gesagt: 'Los geht’s! Jetzt nehmen wir die Werkschauhalle mal wirklich für uns Galerien in Anspruch, wo wir doch auch in den letzten Monaten so wenige Möglichkeiten hatten, Dinge zu zeigen.' Und alle sind sofort jubelnd an die Decke gesprungen."

Leipziger Kunstszene

Atelier vom Maler Johannes Rochhausen
Johannes Rochhausen in seinem Atelier Bildrechte: MDR/Andreas Höll

So begegnen dem Publikum ausgewählte aber vertraute Leipziger Kunst-Positionen, die die Galerien der Baumwollspinnerei an die Kundschaft bringen wollen: gewaltig-fröhliches Linoleum von Christoph Ruckhäberle etwa; Architektur-Collagen, die virtuelle Welten anklingen lassen von Martin Kobe; Matthias Weischer vereint gegenständliche Motive und abstrahierte Flächen.

Annika Kleist (vertreten durch die Galerie Kleindienst) malt Interieurs aus Jugendzimmern, Kleiderständer und blühende Orchideen, die Lieblingsblumen der jungen Generation, die es sich zu Hause im Bett, mit ihren Bildschirmen, gemütlich macht - und ihnen erliegt, wie man bereits auf früheren Bildern Kleists sehen konnte. Diesmal sind die Protagonistinnen jedoch abwesend. So wie auch bei Johannes Rochhausen, bekannt für seine großformatigen Atelierbilder in gedeckten Farben, dem Mensch und Natur schon länger abhanden gekommen sind.

Ausstellungsansicht in der Galerie Kleindienst
Blick auf die Ausstellung der Leipziger Galerie Kleindienst mit Werken von Annika Kleist und Christoph Ruckhäberle Bildrechte: Galerie Kleindienst

Asiatische Künstler

Unter den weniger bekannten Kunst-Positionen sind etliche Arbeiten von asiatischen Künstlern. So präsentiert die Galerie Josef Filipp mit Rui Zhang einen Künstler aus China; die Aki-Galery aus Taiwan wiederum, Gast-Galerie auf dem Gelände der Spinnerei, zeigt Malerei von drei taiwanesischen Künstlern. Elke Hannemann betont.

Aki sind das zweite Jahr bei uns, konnten natürlich ihr gesamtes Programm durch die Pandemie noch nicht so zeigen. Und so freuen wir uns, dass sie entschieden haben, noch ein Jahr zu verlängern und auch Teil dieser Ausstellung sind – mit Malerei.

Elke Hannemann, Galerie EIGEN+ART
Werkschau der Eigen+Art Bitte das Bild "Eigen und art.jpg" im heutigen Tagesordner einpflegen. Rechte: Galerie Eigen + Art Vielen Dank, thilo sauer
Li Qing: "Neighbour’s Window. Statue of A Poet" Bildrechte: Galerie Eigen + Art

Die Galerie EIGEN + ART präsentiert schließlich, erstmals in Leipzig, Arbeiten des Chinesen Li Qing, der in großen Ausstellungen gern die opulente Dimension eines Gesamtkunstwerkes anstrebt. Die Werkschauhalle hat es etwas kleiner: Traditionell orientierte Malerei in alten Bilderrahmen ist zu sehen, die aus Abrisshäusern stammen, ergänzt um eine Fotoserie, die in Form einer Gesellschaftsstudie Häuser des gehobenen chinesischen Mittelstandes portraitiert. Für unseren mitteleuropäischen Geschmack kommen sie unfreiwillig komisch daher – aber wer hat sich noch nicht lächerlich gemacht, war er erst mal dem dunklen Drange der Selbstdarstellung erlegen.

Die Schau

Werkschau Chow Chow

Werkschauhalle auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei

24.04.2021 - 22.05.2021

Öffnungszeiten: 30.04. + 07./08.05. + 14./15.05. + 20./21.05.
Freitags von 13-18 Uhr | Samstags von 11-16 Uhr

Coronasicherheit:
- Click and Meet: Registrierung an der Tür, Check-in mit LUCA-App möglich
- Testcenter in der Spinnerei Mo & Fr von 7-15 Uhr.
- Onlineterminbuchung

Kunst in Leipzig

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Mai 2021 | 12:10 Uhr

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