Kunsthalle der Sparkasse Leipzig Kuratorin Constanze Treuner – ein Leben für die Leipziger Kunst

Die Kunsthalle der Sparkasse in Leipzig zählt mittlerweile zu den Institutionen in der Stadt. 2001 wurde die noble Gründerzeitimmobilie am Leipziger Ring eröffnet, die seitdem auf 350 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihren Besuchern vor allem zeitgenössische Kunst – vorzugsweise aus Leipzig – vorstellt. Nun ist in diesem Frühjahr ein prägender Abschnitt zu Ende gegangen: Constanze Treuner, langjährige Leiterin der Kunsthalle der Sparkasse sowie Leiterin der Kunstsammlung des Geldinstituts verabschiedete sich in den Ruhestand – Zeit für eine Bilanz.

Constanze Treuner auf einem Kuratorengespräch in der Zitadelle Spandau 2019 5 min
Bildrechte: Theresa Treuner-Kaueroff

Die Kunsthalle der Sparkasse Leipzig besitzt die größte Sammlung zu Leipziger Kunst. Dort verabschiedete sich Theater-Dramaturgin und Kunst-Kuratorin Constanze Treuner nun in den Ruhestand – Zeit für eine Bilanz.

MDR KULTUR - Das Radio Mi 07.04.2021 12:00Uhr 04:36 min

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Es sind Ausstellungen, die teils neue Sichten auf die Leipziger Kunst befördert haben, die Constanze Treuner in den reichlich zehn Jahren ihrer Amtszeit verbuchen kann. Dazu zählt etwa die Fotoschau "Counterpoint" von 2014/15, die den Blick frei gab, auf die umfängliche, damals eher unbekannte, Fotosammlung, die Constanze Treuner als Teil der Kunstsammlung der Sparkasse Leipzig betreute.

Es geht um die Leipziger Kunst und nicht um den Blick links und rechts!

Constanze Treuner

Eingestellt wurde die studierte Theaterwissenschaftlerin einst, um die Sammlung des Hauses von damals rund 800 Arbeiten zu inventarisieren, die ihr Vorgänger Claus Baumann ab 1993 angefangen hatte, anzulegen: "Bis heute sind wir immerhin bei einer Zahl angekommen, die an die 5.000 reicht. Wir haben natürlich das Konzept sehr eng gefasst, es geht um die Leipziger Kunst und nicht um den Blick links und rechts", so Treuner.

Die größte Sammlung zu Leipziger Kunst

"Ein Blick in die Foroschau 'Counterpoint'"
Die Fotoschau "Counterpoint" (2014/2015) widmete sich der kritischen Durchsicht des fotografischen Bestands der Kunsthalle. Bildrechte: Kunsthalle der Sparkasse Leipzig

Heute besitzt die Sparkasse Leipzig die größte Sammlung zu Leipziger Kunst. In den vielen Filialen der Stadt hängen die Arbeiten, in der Zentrale in Löhrs Carré wird mit einer Art von "Best of" geklotzt. Und dann ist da noch die Kunsthalle der Sparkasse, mit jährlich drei bis vier Ausstellungen, die Constanze Treuner ebenfalls leitete. 2001 wurde das Haus eröffnet, von Anfang an dazu bestimmt, Blicke in die Sammlung zu vermitteln. Constanze Treuner rechnet sich zu, diese Ausblicke thematischer als ihr Vorgänger gestaltet zu haben. Dazu holte sie gern Gast-Kuratoren ins Haus. So auch 2014 Christoph Tannert, Instanz in Sachen ostdeutscher Kunst. In der Foto-Schau "Counterpoint" legte er den Schwerpunkt auf möglichst verschiedene fotokünstlerische Ansätze aus Leipzig: Viele Verfremdungen und Abstrahierungen gab es zu sehen. Wer in der Stadt der Leipziger Schule umfängliche Menschendarstellungen erwartete, wurde überrascht.

Eine legendäre Schau führt zur Gründung des Malerinnennetzwerks

Blick in die Ausstellung 'Die bessere Hälfte: Malerinnen aus Leipzig.
Die Ausstellung "Die bessere Hälfte – Malerinnen aus Leipzig" lieferte einen längst überfälligen Einblick in die Geschichte von Leipzigs Malerinnen. Bildrechte: Kunsthalle der Sparkasse Leipzig

Mittlerweile legendär ist die Schau "Die bessere Hälfte – Malerinnen aus Leipzig" aus 2015. Über 30 Künstlerinnen aus drei Generationen zeigte sie, kuratiert von der Kunstwissenschaftlerin Barbara John, und holte etwas nach, das schon länger fällig war: die Abrechnung damit, dass viele Malerinnen deutlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, weniger bekannt sind, gar als Gattin eines berühmten Leipziger Malers auf der Strecke bleiben. Etliche Künstlerinnen fühlten sich alarmiert und gründeten das "Malerinnennetzwerk", das heute noch agiert. "Der Effekt ist es gewesen, den wir uns zuvor eigentlich gar nicht erträumt hatten, dass diese Ausstellung die Initialzündung zur Gründung des Malerinnennetzwerkes werden würde. Wir waren erstaunt, dass es geradezu eine Welle ausschließlich mit Malerinnen gab", erinnert sich Treuner.

Das "Aus" am Theater

Constanze Treuner studierte Ende der 70er in Leipzig Theaterwissenschaften, ist Mutter einer Tochter. In den 80ern arbeitete sie als Dramaturgin am Volkstheater Rostock, dann zog es sie und ihren Mann Peter Treuner, bekannter Kabarettist und "Academixer", zurück in ihre Geburtsstadt Leipzig. Am hiesigen Schauspielhaus wurde sie als "Pressedramaturgin" angestellt, betreute den Kontakt zum Publikum. Die Inszenierungen der Regisseurin Constanze Lauterbach in den 90ern beschreibt Constanze Treuner als prägend. Das "Aus" am Theater bescherte ihr, der für seine Personalpolitik berüchtigte, Intendant Wolfgang Engel. Treuner ging Ende der 90er als Letzte des einst umfangreichen PR-Stabes: "Im nächsten Moment ist es eben eine große Chance, etwas Neues anzufangen. Und insofern bin ich jetzt Wolfgang Engel nicht komplett böse, selbst wenn es in dem Moment ein bisschen eigenartig war."

Die Kunsthalle an einem der ältesten Sparkassenstandorte in Leipzig - Otto-Schill-Straße.
Die Kunsthalle befindet sich an einem der ältesten Sparkassenstandorte in Leipzig, der Otto-Schill-Straße. Bildrechte: imago/Stefan Noebel-Heise

Vom Schauspiel Leipzig zur Kunstsammlung der Sparkasse

Mit Glück und guten Kontakten kam Constanze Treuner vom Schauspiel Leipzig zur Kunstsammlung der Sparkasse, hat sich viele Jahre lang eingearbeitet, bevor sie die Ämter übernahm. Als weitere glückliche Fügung bezeichnet Treuner, dass bis heute mit Harald Langenfeld ein kunstsinniger Vorstandsvorsitzender bei der Sparkasse Leipzig agiert: "Wir wissen ja alle: In dem Moment, wenn an der Spitze eines Unternehmens Personen sind, die sich für Kunst interessieren, ist das etwas anderes, als wenn das Interesse nicht vorliegt, man nicht in die Lage versetzt war, erst Dinge herleiten zu müssen, wenn das Verständnis und die Affinität zur Kunst ohnehin schon vorhanden ist."

Constanze Treuner weihte ihr Leben der Kunst. Dabei gehört zu ihren prägenden Erkenntnissen, dass eine gute Theater-Dramaturgin auch eine gute Kunst-Kuratorin sein kann.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 07. April 2021 | 13:40 Uhr

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