Jahrestagung in Hoyerswerda Wie sächsische Museen die Digitalisierung meistern wollen

Corona hat gezeigt, wie wichtig der digitale Wandel für die Museen ist. Die Webpräsenz war über Monate der einzige Zugang. Es gab Online-Rundgänge durch Sonder- und Dauerausstellungen oder kreative Einblicke ins Depot, wo wiederum die Zeit zur Digitalisierung von Objekten genutzt wurde. So machte man auch in Leipzig, Dresden oder Weißwasser aus der Not eine Tugend. Wo liegen die Potenziale der Digitalisierung, wie können auch kleinere Museen sie zur Kommunikation mit dem Publikum nutzen? Eine Zwischenbilanz hat jetzt der Sächsische Museumsbund auf der Jahrestagung in Hoyerswerda gezogen. Auskunft darüber gibt Gisbert Postmann, Direktor der Städtischen Museen Dresden und der Städtischen Galerie sowie Sprecher des Verbands.

Eine Mitarbeiterin des Museums der bildenden Künste in Leipzig (Sachsen) steht unter dem Deckengemälde "Leipziger Firmament" von Ben Willikens, 2014 7 min
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Was die Chancen für Museen in den sozialen Netzwerken sind, worin das Potenzial der Digitalisierung für die Museumsarbeit liegt, darum ging es auf der Jahrestagung in Hoyerswerda. Sprecher Gisbert Postmann gibt Auskunft.

MDR KULTUR - Das Radio Di 22.03.2022 06:00Uhr 06:58 min

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MDR KULTUR: Vom kleinen Heimatmuseum bis zu den großen, weltweit ausstrahlenden Sammlungen – Praxis und Erfahrungen mit der Digitalisierung sehen ja bestimmt sehr unterschiedlich aus. Worauf konnte man sich bei der Jahrestagung des Sächsischen Museumsbundes in Hoyerswerda einigen?

Dr. Gisbert Porstmann: Darauf, dass das Digitale immer von Anfang mitgedacht werden muss und dass es ein gleichberechtigter Teil der musealen Arbeit ist. Anders als vor Jahren, da war es noch ein Add-on. Nun ist der grundlegende Tenor, dass Social Media, die digitale Kommunikation zu unseren Besucherinnen und Besuchern von Anfang mit im Konzept sein muss.

Um die Leute ins Museum zu bekommen oder sie zuhause zu "bespaßen"?

Museen digital
Ein Besucher spielt "Leipzig ’89 - Revolution reloaded". Dabei können Besucherinnen und Besucher in den Rollen von sieben Figuren während der Geschehnisse am 9. Oktober 1989 interagieren. Bildrechte: dpa

Beides: Das Zuhause ist ein gemütlicher Ort. Auf dem Sofa bin ich entspannt, warum soll ich mir da nicht noch das eine oder andere Exponat ansehen können? Social Media ist Marketing, erlaubt uns aber ein Stück weit auch, unseren Bildungsauftrag zu realisieren. Über dieses Spannungsfeld haben wir diskutiert.

Vor Jahren gab es ja noch die Angst, dass uns die Digitalisierung Besucherinnen und Besucher wegnimmt. Das wird, glaube ich, nicht so sein. Es gibt vielmehr die Reaktion: "Dann gehe ich doch mal hin." Oder eine spannende Online-Präsentation führt dazu, dass junge Leute feststellen, dieses Museum ist ein cooler Ort. Sie werden nicht sofort losrennen. Aber ein Schüler, den wir zur Podiumsdiskussion eingeladen hatten, sagte: "Ich habe es dann im Hinterkopf und irgendwann greife ich darauf zu."

Als die Museen pandemiebedingt geschlossen waren, hat man aus der Not eine Tugend gemacht. Aber wo liegen denn die eigentlichen Potenziale der Digitalisierung?

Im Hinblick auf die Besucherinnen und Besucher ist es die Möglichkeit der Teilhabe. Ein Potenzial besteht in der weltweiten Sichtbarkeit eines Museums. Für die reine Museumsarbeit selber liegt das große Potenzial in dem komplett neuen Umgang mit Daten, die sich dann in Datenbanken oder Apps digital überspielen und nutzbar machen lassen.

Wird es denn aus Ihrer Sicht künftig von jedem Museum sozusagen zwei Ausgaben geben, neben der analogen eine digitale?

Auf einem Monitor im Deutschen Buch- und Schriftmuseum wird die interaktive Virtual Reality Experience "Goethe VR" gezeigt.
Auf einem Monitor im Deutschen Buch- und Schriftmuseum wird die interaktive Virtual Reality Experience "Goethe VR" gezeigt. Bildrechte: dpa

Eigentlich ist das die Perspektive: Es wird eine Verdoppelung des Museums geben. Das Museale findet mit den spezifischen Qualitäten dann auch im digitalen Raum statt.

Aber dazu braucht es auch personelle und technische Ressourcen: Sie haben bei den Städtischen Museen in Dresden ja die Stelle eines Projektverantwortlichen für Digitalisierung geschaffen, auch das Staatliche Museum für Archäologie in Chemnitz oder die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben Digitalmanager. Aber diese Möglichkeiten haben ja nicht alle ...

Im Glasmuseum in Weißwasser eine alte Schleifwerkstelle ausgestellt.
Einblick ins Glasmuseum Weißwasser Bildrechte: dpa

Das war natürlich eines der großen Themen und da tauchte ein schönes Bild auf: Social Media ist wie ein Marathon, einerseits gibt es wenig Pausen, andererseits muss man immer mal einen Sprint einlegen. Das ist also eine enorme Aufgabe für die, die es betreiben. Da es eher keine zusätzlichen Stellen gibt, muss man entscheiden, wie man Ressourcen umsortiert und sich konzentriert, also beispielsweise als kleines Haus eben nur einen Social Media Kanal bespielt, statt Facebook, Instagram, Twitter und Youtube wie manche großen Häuser.

Wir haben in der Diskussion festgestellt, egal ob es die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sind oder das Glasmuseum in Weißwasser, die digitalen Aufgaben sind die gleichen. Und in Weißwasser löst die Direktorin dieses kleinen Museum das in einer Art One-Woman-Show auf großartige Weise.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 22. März 2022 | 08:40 Uhr