Auszeichnung Daniel Bahrmann: Engagierter Kunstpreisträger der Stadt Meißen

Daniel Bahrmann – so heißt der zehnte Meißner, der sich Kunst- und Kulturpreisträger der Stadt nennen darf. 2001 gestiftet und seit 2004 alle zwei Jahre vergeben, ist mit dem Meißner Kunstpreis nicht nur ein Preisgeld von 2.000 Euro verbunden, sondern auch ein Unikat aus Meissener Porzellan. Literaturfest, Graphikmarkt, Chorfest – an all diesen und weiteren Kunstprojekten, die über die Meißner Stadtgrenzen hinaus bekannt wurden, war Daniel Bahrmann mit beteiligt.

Daniel Bahrmann mit einem Preis
Stolzer Preisträger: Daniel Bahrmann Bildrechte: Claudia Hübschmann
Daniel Bahrmann mit einem Preis 4 min
Bildrechte: Claudia Hübschmann

Daniel Bahrmann hat schon an zahlreichen Kunstprojekten im sächsischen Meißen mitgewirkt. Nun ist er mit dem Kunst- und Kulturpreis der Stadt ausgezeichnet worden. Der freischaffende Künstler im Porträt.

MDR KULTUR - Das Radio Do 18.02.2021 09:35Uhr 04:12 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Daniel Bahrmann mit einem Preis 4 min
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Daniel Bahrmann hat schon an zahlreichen Kunstprojekten im sächsischen Meißen mitgewirkt. Nun ist er mit dem Kunst- und Kulturpreis der Stadt ausgezeichnet worden. Der freischaffende Künstler im Porträt.

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Seit Wochen kommt Daniel Bahrmann nur selten in sein Atelier auf der Webergasse in Meißen, gleich hinter dem Markt. Corona, Lockdown und vor allem sein zweijähriger Sohn halten ihn auf Trab. Erst seit Montag geht der Kleine wieder zur Tagesmutter. Dabei brennt Daniel Bahrmann so viel unter den Nägeln. "Es gibt ganz viele Sachen, die jetzt parallel laufen müssen. Ich habe eine Ausstellung in der Winzergenossenschaft für die Buchpräsentation. Ich habe letztes Jahr ein Buch gemacht, mit Werner Böhm zusammen: Sächsische Weinstraße und Wein-Fotos. Dann drängelt das Literaturfest. Ganz, ganz doll. Mitte Februar haben wir schon. Da darf ich gar nicht dran denken, das muss losgehen." Der freischaffende Künstler ist zuversichtlich, das Projekt umsetzen zu können, sich aber zugleich darüber bewusst, dass noch nicht sicher ist, ob es tatsächlich stattfinden wird, da die Finanzierung noch nicht final zugesichert ist.

Fehlende Planungssicherheit

Aktuell gestalte sich alles etwas schwierig für ihn - gerne würde er wieder als Fotograf arbeiten. "Ich habe ein paar Aufträge, aber auch die verzögern sich, weil keiner richtig was machen kann und Entscheidungen treffen will, kein Geld ausgeben will. Und alles ist irgendwie in Warteposition." Sein Unmut über die mangelhafte Planungssicherheit ist Daniel Bahrmann deutlich anzumerken.

Ungebrochen umtriebig

Literaturfest, Graphikmarkt, Chorfest, Kunstverein, Jahnsporthalle – was auch immer in den letzten zwei Jahrzehnten an wirklich großen und auch über die Meißner Stadtgrenzen ausstrahlenden Kulturprojekten in Gang oder neu in Gang kam, Daniel Bahrmann war mit dabei. Oder er gab den Anstoß, suchte Verbündete oder schuf neue Netzwerke, die sich im Laufe der zwanzig Jahre, die er jetzt in Meißen lebt, wie ein unsichtbares Energieband quer durch die Stadt ziehen. 28.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt seine Stadt, und ist doch auch klein.

Blick auf die Stadt Meißen vom Spaargebirge aus.
Meißen: Die Stadt, die Daniel Bahrmann mit seinem Engagement geprägt hat. Bildrechte: MDR/ L. Müller

Der Künstler erinnert sich an frühere Zeiten, in denen die Stadtgesellschaft skeptischer war: "Ich weiß noch, wie am Anfang geunkt wurde: ,Literaturfest, das funktioniert nicht.' Und wie viele negative Stimmen da waren, nachher waren sie dann alle ganz begeistert, wenn man gesehen hat, das funktioniert, und es ist schön. Und es bringt auch was."
So schön eine beschauliche Kleinstadt auch sei, so frustierend könne es auch sein, wenn es aufgrund der Größe an Ressourcen mangele, erzählt er.

Meißen hat echt Potenzial. Meißen kann was.

Daniel Bahrmann, Fotograf und Kulturveranstalter

Gemeinsinn statt Einzelkampf

Der 49-Jährige geborene Radebeuler kann sich schnell begeistern, aber mit dem Kopf durch die Wand, das ist nicht seine Art. Nach dem Studium der Freien Künste in Braunschweig widmete er sich in den ersten Berufsjahren – leider erfolglos – der experimentellen Keramik der 20er Jahre. Dabei sei er immer viel zu schüchtern gewesen, sagt der frisch prämierte Meißner Kunstpreisträger. Für gemeinnützige Ideen zu werben und zu motivieren, fällt ihm auch heute leichter, als für seine eigene Kunst und vor allem seine Fotografie.

"Für die Stadt war es gut, dass man eben immer wieder versucht hat, neue Sachen zu machen, weil es einfach auch schön war, in dieser Gemeinschaft. Mit anderen zusammen etwas zu machen, ist immer schön." Wichtig sei stets, dass es einzelne gibt, die den nötigen Antrieb böten. Initiatorinnen und Initiatoren – ohne die funktioniere es nicht. "Viele Projekte laufen ja nur, weil ein Verrückter da ist, der das antreibt."

Work-Life-Balance: Prioritäten setzen

Daniel Bahrmann sitzt im Kaputzenshirt am runden Tisch in seinem Atelier und spricht über seinen neuen persönlichen Plan, Ehrenämter, Familie und berufliche Entwicklung mehr ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei kreisen die Gedanken immer wieder um die Anfangsjahre. Ab 2006 brachte er als junger Vorstand des Meißner Kunstvereins frischen Wind und Künstleraustausch nach Meißen, etablierte den Graphikmarkt und "Jazz im Keller". Bis auf seine Arbeit im Meißner Stadtrat hat er sich – seit er vor zwei Jahren Vater wurde – von allen Ämtern zurückgezogen. Das Literaturfest am zweiten Juni-Wochenende, wenn überall in der Renaissancestadt gelesen wird, das organisiert er aber weiter.

Literaturfest als Herzensanliegen

Als Mit-Veranstalter des Literaturfestes gibt es eine Menge zu organisieren: Auftritte auf drei Bühnen und ein Rahmenprogramm. Das Highlight sei für ihn aber die Beteiligung der Meißnerinnen und Meißner. "Das sind immer um die 30, 35 Privatpersonen, Institutionen, Vereine, die mit eigenen Lesungen teilnehmen. Und das ist das Literaturfest. Jeder, der irgendwie mitmachen möchte. Und das ist richtig schöne Kultur, das ist eine Stadtkultur." Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger mache mit, ausnahmslos ehrenamtlich. "Jeder bringt auf, was er kann. Jeder macht ein schönes Programm, denkt nach, bringt sich ein. Da merkt man: Meißen hat echt Potenzial. Meißen kann was."

Auszeichnung als Manifest gegenseitiger Wertschätzung

Kunst- und Kulturpreis-Trophäe der Stadt Meißen
Kunst- und Kulturpreis-Trophäe der Stadt Meißen Bildrechte: Claudia Hübschmann

Daniel Bahrmann hält nichts von politischen Ränkespielen, er arbeitet lieber auf ein gemeinsames Ziel hin. Das sei nicht einfach in einer Stadt wie Meißen, sagt der freie Künstler, Fotograf und ehrenamtliche Kulturmanager, der mit dem Literaturfest Menschen verbinden und nicht ausgrenzen möchte. Der Kunstpreis habe ihn auch deshalb überrascht und mehr noch, wer ihm alles gratulierte. Wie Applaus habe sich das angefühlt.

Die Auszeichnung kommt zum richtigen Zeitpunkt. Sie sei ein Lichtblick, eine Motivation zum Durchhalten, meint Daniel Bahrmann. Er könne dadurch Schwung holen. Außerdem sieht er darin eine Bestätigung für die Arbeit, die er über die vergangenen Jahre geleistet habe. "Ich habe es ja immer für die Stadt, für die Kultur gemacht, dass das wahrgenommen wird und dass man sich quasi damit bedankt. Und das ist natürlich sehr schön."

Kunst- und Kulturpreis der Stadt Meißen Für die Verleihung des Preises 2021 gibt es bislang - pandemiebedingt - noch keinen Termin.

Erstmalig wurde der Kunst- und Kulturpreis der Stadt Meißen vor 20 Jahren vergeben - damals an Ludwig Zepner. Seit 2004 findet die Preisvergabe alle zwei Jahre statt.

Bisherige Preisträger:
- der Musiker Michael Winkler (2004)
- der Kantor Karsten Voigt (2006)
- der frühere Domkantor Andreas Weber (2008)
- die Stern-Combo Meißen (2010)
- der Künstler Kay Leonhardt (2012)
- der Maler Ulrich Jungermann (2014)
- der Musiker Gerhard Schöne (2016)
- der langjährige Chefplastiker der Porzellan-Manufaktur Meissen Jörg Danielczyk (2018)

Mehr Kultur in Meissen

Lena Hensel 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lena Hensel ist Teil des jungen Kreativteams in der Porzellanmanufaktur Meissen. Mit ihren Farbexperimenten gibt sie Formen aus 300 Jahren Tradition einen modernen Anstrich.

Mi 04.09.2019 06:15Uhr 00:56 min

https://www.mdr.de/kultur/videos-und-audios/video-sonstige/lena-hensel-naechste-generation-trailer-100.html

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR am Vormittag | 18. Februar 2021 | 11:15 Uhr

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Kultur

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MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei