Analoger Spielspaß Spielzeug-Ausstellung im Stadtmuseum Zeulenroda: "So spielte der Osten"

Lametta glitzert, in den blanken roten Weihnachtskugeln spiegeln sich die vorbeihuschenden Kinder – es gibt viel zu entdecken, rund um den stattlichen Weihnachtsbaum im Stadtmuseum in Zeulenroda. Der Chef des Hauses, Christian Sobeck, freut sich, denn seine Ausstellungsidee geht offenbar auf. In der Schau "So spielte der Osten: Spielzeug aus der Zeit von 1946 bis 1989" staunen die kleinen Besucher über Technikbausätze und Experimentierkästen, die sie noch nie gesehen haben. Und bei den älteren Gästen werden Erinnerungen an Kindheitstage wach.

Der Museumsleiter selbst erinnert sich an ganze Gruppen von Figuren von American Indians, mit denen er den Garten seiner Großeltern bespielte - so, wie es in den DEFA-Filmen zu sehen war. Und so erinnert die Ausstellung "So spielte der Osten" auch an das Kinderfernsehen in der DDR. Da gibt es Bastelbögen und Bücher über Meister Nadelöhr oder Frau Puppendoktor Pille "mit der großen, klugen Brille". Pittiplatsch, Schnatterinchen, der Sandmann – alle sind sie hier da.

Spielspaß, ganz analog

Sobeck legt vorsichtig den Arm des Plattenspielers auf eine schwarze Eterna-Scheibe: Es erklingen Märchen. Und bei jedem neuen wetteifern die zuhörenden Kinder, wer es schafft, zuerst laut zu rufen, um welche Geschichte es jetzt geht.

Wir zeigen hier, wie abwechslungsreich es in den Kinderzimmern damals zuging, als das Spielen noch nicht digitalisiert war.

Museumsmitarbeiter Thomas Grzeschitza

Thomas Grzeschitza führt die zehnjährige Lydia, die vierjährige Marie und die achtjährigen Zwillinge Clara und Jacob in eine Ecke der Ausstellungsräume – und muss kein Wort sagen: Die Kinder greifen zu, streiten auch mal kurz um ein Teil und haben in wenigen Minuten aus den alten DDR-Stecksteinen kleine Häuser und einfache Autos zusammengebaut. Für Louis, den Freund der Zwillinge, ist aber etwas anderes noch spannender. Der Achtjährige erzählt, dass er zuhause schon einmal ein kaputtes Handy zerlegen durfte. Hier ist ihm jetzt sofort ein Spielzeug aus dem DDR-Kombinat Robotron ins Auge gefallen: Ein Set mit Drähten und elektrischen Bauteilen. So einen Kasten hätte er auch gern, sagt Louis.

Spielen und die Welt verstehen

Zu den 240 Exponaten der Ausstellung gehören einige Spielzeugkästen, die Kinder schon vor Jahrzehnten begeistert haben. Museumschef Sobeck zeigt auf mehrere Schaukästen. "Da ist der bekannte Metallbaukasten aus der ehemaligen DDR. Dort haben wir einen Chemiebaukasten aus der ehemaligen Sowjetunion. Und wenn man das alles so sieht, stellt sich schon die Frage: Ist das überhaupt noch Spielzeug? Oder war das eher schon für kleine Wissenschaftler?"

Heute tönen, glitzern und leuchten Spielzeuge oft – die Spielsachen von damals sind schlichter. Aber sich haben den Kindern oft geholfen, die Welt der Großen, der Erwachsenen zu verstehen. PIKO lieferte deshalb nicht nur Modellbahnzüge, sondern zum Beispiel auch Miniatur-Küchengeräte. Natürlich funktionierten die mit Batterieantrieb. Klar, Trabant, Wartburg und Barkas – zum Teil mit Fernsteuerung – sind in Zeulenroda genauso zu sehen.

Ein Mixgerät und eine alte Espresso-Maschine der Firma Piko
Miniatur-Küchengeräte von Piko Bildrechte: Marian Riedel

Schaustücke aus fast 80 Jahren

Die Ausstellung ist zugleich wie eine Reise mit der Zeitmaschine. Die ältesten Schaustücke sind an die 80 Jahre alt. Gleich am Eingang liegt in einer Vitrine ein Handwerker-Quartett. Das hat in einer Bombennacht 1945 ein Kind aus den Trümmern in Chemnitz gerettet. Dann sind da noch Puppenstubenmöbel aus der unmittelbaren Nachkriegszeit – sie wurden aus Koffer-Pappe gebastelt. 1956 dann stellte eine Fabrik in Stadtilm in Thüringen einen Modellbahnzug her, der mit einer Taschenlampenbatterie in Fahrt kam. Ein Kasperletheater, ein Schaukelpferd und Holzautos stehen neben und unter dem schmucken Weihnachtsbaum, der jetzt ein Blickfang in der Ausstellung ist. "Ja es ist unsere letzte Schau im Jahr 2021 – aber wir sehen sie nicht so sehr als Weihnachtsausstellung", sagt Christian Sobeck.

Informationen zur Ausstellung "So spielte der Osten"
Schau mit den Leihgaben aus der privaten Sammlung der Familie Reißmann

28. November bis 27. Februar 2022

Städtisches Museum Zeulenroda
Aumaische Str. 30
07937 Zeulenroda-Triebes

Öffnungszeiten:
Mittwoch 9 bis 16 Uhr
Donnerstag 9 bis 18 Uhr
Freitag 9 bis 16 Uhr
Samstag 13 bis 17 Uhr
Sonn- und Feiertage 13 bis 17 Uhr

Preise:
Erwachsene 2,50 Euro
Ermäßigte 1,50 Euro

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | 07. Dezember 2021 | 19:00 Uhr