Industriedesign Wie Nachhaltigkeit die Möbel von Stardesigner Stefan Diez prägt

Stefan Diez ist einer der erfolgreichsten Designer Deutschlands und Hochschullehrer für Industriedesign. Ob Möbel, Geschirr, Lampen oder Taschen – seine Produkte sind preisgekrönt und weltweit gefragt. Für eine aktuelle Ausstellung zu einem Bauhaus-Künstler in Halle hat Diez die Gestaltung der Räumlichkeiten übernommen – und dabei wie bei allen seinen Designs auf Nachhaltigkeit gesetzt. Denn die Frage, wie wir in Zukunft wohnen wollen, beschäftigt ihn bei der Produktentwicklung wie kaum eine andere.

Nachhaltigkeit ist für den Münchner Designer Stefan Diez ein wichtiges Thema. Sei es bei der Gestaltung von Sofas, Stühlen und Lampen – oder beim Design von Ausstellungen wie der aktuellen Schau zum Bauhäusler Erich Dieckmann in der Kunststiftung Sachsen-Anhalt in Halle. Ähnlich wie Dieckmann hat auch Stefan Diez diverse Stühle entworfen, u a. für Thonet, den ältesten noch existierenden Stuhlhersteller der Welt.

Beim Ausstattungsmaterial für die Dieckmann-Ausstellung hat Diez, der seit 2018 als Professor für Industriedesign an der Universität für angewandte Kunst in Wien tätig ist, hauptsächlich auf schwarzen Karton gesetzt. Der sei einerseits optimal, um den einzelnen Exponaten "eine Bühne zu bieten", andererseits sei Karton wiederverwendbar, wie Diez im Gespräch mit MDR KULTUR erklärt.

Stefan Diez' Ideen für nachhaltiges Industriedesign

Seit Jahren beschäftigt sich Möbeldesigner Stefan Diez mit der Frage, wie Design einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten kann. In seinem Leitfaden "für Design in der Kreislaufwirtschaft" hat er zehn Thesen aufgestellt, die bei der Produktentwicklung helfen sollen: Ein gutes Produkt solle lange nützlich bleiben, reparierbar sein und aus nachwachsenden oder kompostierbaren Materialien bestehen. Außerdem geht es Diez, der selber gelernter Tischler ist, um die Systemfähigkeit von Möbeln, die Energieeffizienz bei der Herstellung und eine nachhaltige Logistik.

Recycling, da darf man sich nicht täuschen, erzeugt immer auch Abfall. Recycling ist die letzte Option, nicht die erste.

Stefan Diez, Möbeldesigner

Designer Stefan Diez zeigt das Innenleben eines Sofa-Moduls.
Designer Stefan Diez und sein Team haben vier Jahre das Sofasystem "Costume" entwickelt. Langfristig sollen die Bezüge vollständig kompostierbar werden. Bildrechte: Matthias Ziegler

Diesen Grundsätzen folgt Diez auch bei seinen eigenen Designs – wie bei seinem recyclebaren Sofasystem "Costume". Dabei könne der Kunde Teile selbst wechseln und Bezüge tauschen, so Diez. Sein Designbüro arbeite außerdem aktuell an einer Studie, wie man einen kompostierbaren Bezug herstellen könne. Nachhaltigkeit spiele nicht nur bei der Herstellung und dem Gebrauch eine Rolle, sondern auch bei der Wiederverwertung: "Es geht darum, die Materialien, die wir verarbeiten, möglichst lange integer zu halten, also sie sozusagen unversehrt zu lassen. Diese Idee des Recyclings, da darf man sich nicht täuschen, die erzeugt immer auch Abfall. Recycling ist die letzte Option, nicht die erste."

Zehn Thesen für nachhaltiges Design von Stefan Diez

1. Ein gutes Produkt bleibt lange nützlich.
2. Ein gutes Produkt ist reparierbar.
3. Lässt sich das Produkt als System gestalten?
4. Verwende Materialien, die einem Materialkreislauf entstammen oder die nachwachsen.
5. Bei der Herstellung, beim Gebrauch und beim Recycling von Produkten soll so wenig Energie wie möglich verbraucht werden.
6. Gestalte das Produkt so, dass es sich platzsparend transportieren lässt.
7. Ein gutes Produkt ist innovativ und faszinierend.
8. Ein gutes Produkt wird von vielen benutzt.
9. Bei der Herstellung, Wartung und beim Recycling werden Menschen respektvoll beschäftigt.
10. Ein gutes Produkt ist so wenig Produkt wie nötig.

Ein dunkelgraues Sofa aus Modulen von Stefan Diez.
Das modulare Sofasystem von Stefan Diez erfüllt seine Ansprüche an ein gutes Design: es ist wandelbar, umweltfreundlich und langlebig. Bildrechte: Robert Brembeck

Innovation und Qualität statt billige Massenproduktion

Stefan Diez und sein Team entwickeln außerdem momentan eine Art Pfandsystem für ihr modulares Sofa. Die Idee: "Man kauft eigentlich nur noch die wirklich sich abnutzenden Teile des Sofas, und den Rest kann man zurückgeben", so der Möbeldesigner. Bei aller Nachhaltigkeit innovativ zu bleiben und die Faszination nicht zu verlieren, ist ihm besonders wichtig. Stefan Diez bedauert, dass in den letzten 25 Jahren im Bereich Design wenig bahnbrechend Neues entstanden sei und führt das auf die Massenproduktion zurück. Durch diese sei Qualität kaputtgemacht und durch Masse ersetzt worden.

Leere Thonet-Stühle in einer Lagerhalle.
Der Thonet-Stuhl "404" von Stefan Diez symbolisiert, wofür der Designer steht: Faszination, Innovation und Nachhaltigkeit. Bildrechte: Myrzik-Jaresch

"Die wesentlich einfachere Lösung war, alte Ideen einfach immer billiger herzustellen", erklärt Diez. Dennoch sei der Bauhäusler Erich Dieckmann, der als einer der ersten Stühle in Serie produziert hat, ein Vorbild für ihn. Zu dessen Zeit, vor hundert Jahren, habe es Hoffnung gegeben, Produkte über Standardisierung und industriellen Möbelbau erschwinglich sowie einer breiten Masse zugänglich zu machen, so Diez. Heute seien wir in einer ähnlichen Situation: "Wir sind in einer Umbruchsituation, wo wir uns auch diese grundsätzlichen Fragen stellen müssen, wie wir in Zukunft arbeiten und wohnen wollen, weil so wie wir das bisher tun, wird es nicht weitergehen", sagt Möbeldesigner Stefan Diez.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. Februar 2022 | 12:00 Uhr

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